Bernhard van Treeck - Drogen- und Sucht-Lexikon :: Lexikon über Drogen, Abhängigkeit, Sucht-Therapie
Das Buch
Drogen- und Sucht-Lexikon

Bernhard van Treeck - Drogen- und Sucht-Lexikon Vollständiger Titel: "Drogen- und Sucht-Lexikon - Das ABC der psychoaktiven Substanzen"
Kategorie: Drogen > Lexikon
Bewertung: (2/5)
Verlag: Lexikon Imprint Verlag 1999
ISBN 3-89602-221-0

Das "Drogen- und Sucht-Lexikon" von Bernhard von Treeck ist ein über 300 Seiten dickes Lexikon im Taschenbuchformat, das versucht den weiten Themenkreis Drogen abzudecken. Mit deutlich erhobenem Finger werden alle verbreiteten Drogen, aber auch kaum bekannte wie die Ololiuqui-Winde, beschrieben. Einträge zu den gebräuchlichen Szeneausdrücken dürfen natürlich auch nicht fehlen. Außerdem widmet sich das Buch den Themen Such und Therapie. Es gibt zu den bekannten Drogen einen kurzen geschichtlichen Überblick und behandelt auch kulturelle Aspekte, wie etwa die Rolle von Drogen in verschiedenen Musikstilen.

Für meinen Geschmack ist in diesem Lexikon zu deutlich eine konservative Anti-Drogen-Einstellung herauszulesen. Aber gerade ein Lexikon sollte eben nicht wertend urteilen, sondern sachlich informieren. Unter dem Eintrag "Legalisierung von Drogen" werden etwa Umweltgifte, wie Dioxin und Drogen, wobei es vor allem um Cannabis geht, in einen Topf geworfen: "Besonders Bündnis 90/Die Grünen, eine Partei, die ansonsten vehement gegen Gifte in der Umwelt ist, setzt sich für die Legalisierung weiterer Rauschgifte ein" Anhand dieser Polemik wird schon deutlich, wie unseriös das Buch geschrieben ist. Auch über die Einstellung des Autors zur Drogenpolitik lässt sich streiten. Aus Sätzen wie "Wenn nicht erhebliche zusätzliche Mittel für Polizei und Bundesgrenzschutz zur Verfügung gestellt werden, droht Europa eine Kokainwelle ungeahnten Ausmaßes" lese ich, dass er wenig Alternativen zu Verboten sieht. Anscheinend hat er sich noch nicht wirklich überlegt, nach welchen Mechanismen der Drogenmarkt funktioniert: Nur wo Nachfrage herrscht, gibt es einen Markt. Oder anders: Jede Nachfrage wird befriedigt, auch wenn es gesetzeswidrig ist.

Auch bei der Recherche sind dem Autor einige Fehler unterlaufen. So behauptet er, dass Cannabis die Bezeichnung für eine Hanfpflanze ist, die den Wirkstoff THC enthält. Dass Cannabis der Gattungsname der Hanfpflanze ist und dass jede Hanfpflanze zumindest in Spuren THC enthält, scheint er nicht zu wissen. Weiters behauptet er "THC ist ein ätherisches Öl". Auch das ist falsch: THC ist ein Stoff mit genau bekannter Strukturformel, der zur Gruppe der Cannabinoide zählt und kein ätherisches Öl. Unter dem Stichwort "Marihuana" heißt es dann, das Wort wäre die "Bezeichnung für die gereinigten, getrockneten und zerkleinerten Blätter der Cannabispflanze". Auch hier hat er offenbar wenig Fachwissen: Die Blätter enthalten relativ geringe Mengen an THC. Hochwertiges Marihuana besteht aus den weiblichen Blütenständen und sollte möglichst wenig Blattmaterial enthalten. Den höchsten THC-Gehalt besitzt nämlich das von den Blüten produzierte Harz. Seltsamerweise findet sich auf der nächsten Seite unter dem Stichwort Marihuana kein Verweis zu Marihuana - es handelt sich ja nur um eine andere Schreibweise, sondern die Erklärung "weitere Bezeichnung für Cannabis".

Unvollständigkeit beweist das Lexikon, wenn z.B. Albert Hoffmann, der Entdecker des LSD keinen eigenen Eintrag bekommt, in dem zumindest auf LSD verwiesen wird. Außerdem greift Bernhard van Treeck auf viele veraltete Quellen zurück. Wenn er beim San-Pedro-Kaktus meint "Wirkstoff ist wahrscheinlich Meskalin", ist er anscheinend nicht darüber informiert, dass das Meskalin schon vor langem aus dem Kaktus isoliert wurde.

Etwas übereifrig bei der Zusammenstellung der Stichworte war der Autor bei den kulturellen Aspekten. Eines der unnötigsten Stichwort in diesem Lexikon ist sicher "Drogen und Musik". Es wäre viel sinnvoller gewesen, für derartige Themen einen Anhang anzulegen, da man solch ein Thema kaum in einem alphabetisch geordneten Lexikon nachschlagen würde. Zudem gibt es nicht einmal dort, wo Musiker und ihre Drogenerfahrungen erwähnt werden einen Verweis zu diesem Stichwort. Man kommt somit nur durch Blättern darauf und zum Blättern ist ein Lexikon weniger gedacht. Auch den Eintrag "Ich kann mit Drogen umgehen" hätte sich der Autor sparen können, bzw. den Inhalt des Artikels an passenderer Stelle platzieren können. Dass das Buch vor dem Druck nicht ordentlich überarbeitet wurde, sieht man auch an der großen Zahl an Rechtschreibfehlern.

Ich möchte dem Psychotherapeut und Psychiater Bernhard van Treeck, der mehrere Jahre eine Drogenklinik leitete nicht absprechen, dass er vor allem mit harten Drogen und den damit verbundenen Problemen vertaut ist. Auch seine persönliche Meinung respektiere ich natürlich. Allerdings ist das Durchscheinen seiner Meinung in einem sogenannten Drogen-Lexikon eindeutig fehl am Platz. Falls man das Buch in die Hände bekommt, kann sich ein Blick hinein durchaus lohnen. Um sich einen groben Überblick über den Themenkreis zu verschaffen, ist das Buch durchaus brauchbar. Das Thema Drogen wird auf ziemlich niedrigem Niveau leicht verständlich und relativ umfangreich behandelt. Geld würde ich allerdings für dieses Buch nicht ausgeben.

Autor dieser Rezension:
thema-drogen.net
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