Das Mutterkorn
Jahrhunderte lang war der auf dem Rogen schmarotzende Schlauchpilz Claviceps purpurea (Mutterkorn) Grund für zahlreiche Epidemien, die ganze Dörfer heimsuchten und meist zahlreiche Todesopfer forderten. Der Grund für den langsamen Tod durch den Ergotismus, so die fachliche Bezeichnung der Mutterkorn-Vergiftung, war die gefäßverengende Wirkung der Mutterkorn-Alkaloide, die im menschlichen Organismus zu massiven Durchblutungsstörungen führen.
Diese Wirkung war es allerdings auch, die das Mutterkorn über eine lange Zeit hinweg zu einer wichtigen Arznei in der Geburtenhilfe zur Einleitung der Wehen und der Blutstillung machte. Ausgehend von dieser Wirkungsweise wurde unter der Leitung von Albert Hofmann im Schweizer Chemiekonzern "Sandoz" nach neuen medizinisch interessanten Stoffen auf der Basis de Mutterkorn-Alkaloide gesucht..
Der Sammelbegriff Mutterkorn-Alkaloide umfasst eine große Anzahl von Verbindungen, die in verschieden Schlauchpilzen der Gattung Claviceps und Windengewächsen vorkommen und die chemische Struktur des Ergolin als Grundskelett haben. Diese Verbindungen lassen sich in 2 Gruppen teilen: eine hochtoxische, deren Vertreter auch für den Ergotismus verantwortlich sind und eine psychoaktive, der auch das mittelgradig halluzinogen wirkende Lysergsäureamid (LSA) angehört.
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Kommentare
Claviceps Purpurae
Mich würde interessieren, warum der Schlauchpilz des Mutterkorns, der auf Getreideähren wächst, den Namen Claviceps Purpurae bekommen hat. Purpur war in den antiken Königreichen, neben Perlen, Gold, anderen Edelmetalen und Edelsteinen eine der begehrtesten Substanzen. Noch die Könige des Mittelalters trugen oft purpurene Kleider, als Zeichen ihrer Macht und Sonderstellung. Claviceps kann mit Schlüssel übersetzt werden. Somit erschließt sich die Bedeutung des purpurenen Schlüssels, was so viel wie ein Schlüssel zum Reichtum, Wohlstand und zur Macht sein könnte. Wieso bekam dieser kleine parasitäre Pilz von den Römern einen solchen Namen? Kannte die Antike etwa die Verwendung von Elixieren, die den Claviceps Purpurae enthielten? Bei den Mysterien von Eleusis im Antiken Griechenland wurden stark berauschende Getränke konsumiert. Aldous Huxley und Albert Hoffman schreiben davon. Kann es sein, dass als die Menscheit vor etwa 8000 Jahren mit dem Ackerbau und damit auch mit Züchtung und Kultivierung von Wildgräsern zum Getreide begann, die Ähren von Roggen von diesem Pilz schon befallen wurden und die Menschen damals schon den Nutzen aus diesem Mechanismus herauszogen? Mesopotamien wird auch irgendwelche bewußtseinserweiternden Drogen konsumiert haben. Schließlich liegt es in der Natur des Menschen sich mit Mitteln der Natur, zu helfen, stimulieren, zu heilen auf Gedanken zu bringen. Hanf, Schlafmohn, Pilze werden schon immer eine Rolle gespielt haben. Es gibt sogar Höllenmalereien aus der Steinzeit, die auf berauschende Pilze deuten. Warum sollte der Claviceps Purpurae nicht schon seit urzeiten dem Menschen bekannt sein. Ich glaube nicht, dass ein reines Gift so einen wunderschönen Namen verdient hätte. Wozu öffnet der purpurene Schlüssel der Macht und des Wohlstands die Pforte, wenn nicht zu einem unermäßlichen Reich? Einem Reich der Sinne. Dass das Mutterkorn selbst zweifelsfrei seinen Namen auf Grund seiner hilfreichen Tätigkeit bei Geburten bekommen hat, liegt auf der Hand und ist geschichtlich auch beweisbar. Wenn aber damalige Geburtshelfer und Heiler schon wußten, dass es als Hilfsmittel wirksam ist, werden sie es weiterhin untersucht haben und dabei auf weitere Verwendungsmöglichkeiten gestoßen sein. Sie werden auf ihre Art und Weise, die Inhaltstoffe extrahiert haben und sie als Schlüssel für etwas verwendet haben, dass ihnen so viel wert war, wie Purpur. So erkläre ich mir die Namensgebung. Oder liegt es daran, dass der Pilz selber diese Farbe hat? Jedenfalls, ist es ein kleiner purpurener Schlüssel und ganz hilfreich, wenn gut dosiert, denke ich.