Das Wort "Droge" leitet sich vom Althochdeutschen "drög" ("trocken") ab. Im Mittelalter verstand man darunter getrocknete Pflanzenteile, die als Arzneien verwendet wurden. Zu dieser Zeit blieb es auch bei starken Drogen wie dem Opium meist bei einem medizinischen Einsatz. Die häufige Einnahme von Drogen aus rein hedonistischen Motiven mit all den damit verbunden Problemen ist hingegen ein relativ junges Phänomen. Während früher Drogenkonsum früher weitgehend an den medizinischen Einsatz, religiöse Rituale oder gewisse Festivitäten gebunden war, haben Drogen in den letzten beiden Jahrhunderten immer mehr Eingang ins Alltagslegen gefunden.
Heute ist das Wort Droge bei den meisten Menschen mit sehr negativen Assoziationen behaftet. Grund dafür ist, dass in den letzten Jahrzehnten durch Medien und staatliche Stellen eine inkonsequente Nomenklatur geprägt wurde, wonach nur illegale Substanzen unter den Begriff Drogen fallen.
Mittlerweile setzt sich aber ein neues Verständnis des Begriffs Droge durch, sodass man heute jede psychoaktiv wirkende Substanz als Droge bezeichnet. Dieser Nomenklatur folgt auch diese Webseite. Eine psychoaktive Wirkung liegt vor, wenn die Einnahme der Substanz so auf das Zentralnervensystem wirkt, dass sich Auswirkungen auf Stimmung, Wahrnehmung, das Denken, die Gefühlswelt oder das Realitätserleben bemerkbar machen.
Die rechtliche Situation ist dabei nicht ausschlaggebend, ob ein Stoff zu den Drogen zu rechnen ist oder nicht. Der Besitz vieler hochwirksamer Drogen, wie etwa des Heroin, ist zwar gesetzlich nicht gestattet, der Konsum anderer Drogen jedoch, wie von Alkohol, Nikotin oder Koffein, ist hingegen nicht verboten. Oft wird auch nicht beachtet, dass es sich bei vielen Medikamenten, wie Beruhigungs- oder Schlafmitteln, um Drogen handelt.
Drogen lassen sich nach vielen Gesichtspunkten kategorisieren.
Drogen lassen sich gut nach ihrer Wirkung einteilen. Es gibt in erster Linie Sedativa, Hypnotika, Stimulantia (Psychostimulantien, psychomotorische Stimulantien) und Halluzinogene.
Zur Gruppe der Sedativa zählen beruhigenden und angstlösenden Mittel. Neben vielen verschreibungspflichtigen Medikamenten wie "Valium" zählen auch alle Opiate zu dieser Gruppe. Alkohol kann neben einer stimulierenden und euphorisierenden Wirkung - besonders in hohen Dosen - auch eine sedierende Wirkung haben. Auch die sedierende Wirkung von Cannabis steigert sich mit der Dosis.
Hypnotika sind schlaffördernde Mittel. Neben einer Großen Zahl der Sedativa sind auch viele speziell als Schlafmittel verwendete Medikamente wie "Rohypnol" zu den Hypnotika zu zählen. Zu weiteren Unterscheidung gibt es auch den Begriff "Narkotika", der für betäubende und schlafanstoßende Substanzen steht.
Eine stimulierende Wirkung besteht, wenn sich der Konsument nach der Einnahme munter und leistungsfähig fühlt. Auf mentaler Ebene kann es zu Euphorie und subjektiv gesteigerter Denkleistung kommen. Bekannte Stimulantia sind Kokain, Amphetamin und Methamphetamin, sowie Koffein und Ephedrin.
In erster Linie fallen LSD, Meskalin und Psilocin sowie einige weniger bekannte ähnlich wirkende Substanzen unter den Begriff "Halluzinogene". Dieser Name ist allerdings nicht ganz richtig gewählt, da das Wort "Halluzination" Sinneseindrücke beschreibt, die sich nicht mit der Umwelt decken, aber von der betroffenen Person nicht als unreal erlebt werden. Durch "Halluzinogene" hervorgerufene "Halluzinationen" werden in der Regel hingegen als unwirkliche Trugbilder erlebt. Konsequenterweise müsste man daher von "Pseudo-Halluzinationen" sprechen.
Neben der der klassischen Halluzinogene besitzt auch die Wirkung vieler anderer Drogen wie MDMA und Cannabis unter anderem einen halluzinogenen Charakter.
Zur Genaueren Beschreibung von verschiedenen Aspekten einer halluzinogenen Wirkung wurden in den letzten Jahrzehnten noch einige weitere Begriffe eingeführt (siehe Unterseiten).
Das Wort psychedelisch, eingeführt von Humphry Osmond, kommt vom englischen "psychedelic", das sich wiederum von den griechischen Wörtern "psyche" (Seele) und "delos" (offenbar) ableitet. Besonders durch Timothy Leary fand dieses Wort in den 60ern Eingang in die Alltagssprache. Gemeint ist eine Wirkung, durch die sich die wahre Beschaffenheit der Seele manifestiert. Im Deutschen hat sich eine Gleichsetzung mit dem Wort "bewusstseinserweiternd" durchgesetzt, was die ursprüngliche Bedeutung der Wortschöpfung "psychedelic" nicht exakt wiedergibt. Im Wesentlichen werden mit dem Begriff Psychedelika dieselben Drogen wie mit dem Begriff Halluzinogene bezeichnet.
Dieser in den 80ern eingeführte Begriff heißt soviel wie "eine innere Rührung verursachend" und wird zur Benennung Drogen, die zu einer Selbsterkenntnis führen können, verwendet. In erster Linie sind damit MDMA und ähnliche Substanzen gemeint.
Unter dem Einfluss von Empathogenen kann sich ein besonders hohes Maß an Mitgefühl und Einfühlungsvermögen einstellen. Ein Vertreter dieser Gruppe ist das MDMA.
Der Begriff Entheogene bedeutet "das Göttliche erweckend" und wird besonders bei sakralen Drogen benutzt. Ob sich bei der Einnahme einer Droge eine entheogene Wirkung einstellt, hat nur peripher mit der Droge selbst, sondern viel mehr mit dem Rahmen, in dem sie eingenommen, zu zun. Bei der Einnahme von Meskalin beispielsweise im Rahmen von schamanischen Ritualen ist bei entsprechender Erwartungshaltung durchaus eine entheogene Wirkung zu erwarten.
Unter diesem Begriff werden "Psychosen imitierende" Substanzen zusammengefasst. Gerade beim LSD wurde in den Ersten Jahren nach der Entdeckung dieser Aspekt der Wirkung besonders betont, sodass viele Psychiater versuchten, durch die Droge Einblick in die Welt ihrer Patienten zu gewinnen. Analog dazu wurde auch die Wörter "Psychotika" und "Psychotogene" gebildet, was "Psychosen erzeugend" bedeutet.
Eidetika sollen "Ideen-fördernd" sein und durch die Gewinnung von neuen Eindrücken die Kreativität fördern.
Psychodysleptika sind Substanzen, die die "Seele erweichend" wirken.
Immernoch werden Drogen gerne in "harte Drogen" und "weiche Drogen" eingeteilt.
Den Ursprung hat diese Unterscheidung zwischen "harten" und "weichen" Drogen in den Gesetzten, die für harte Drogen höhere Strafmaße als für Cannabis vorsehen. Heute ist die Einteilung in harte und weiche Drogen überholt, da sie sich als unflexible Schwarz-Weiß-Malerei erwiesen hat. Zum einen werden nur illegale Substanzen in diese beiden Kategorien unterteilt, zum anderen ist es schwer Substanzen wie MDMA in einer Kategorie zuzuordnen. Da MDMA keine körperliche und nur relativ geringe psychische Abhängigkeit hervorruft kann man es nicht zu den harten Drogen zählen. MDMA allerdings als weiche Droge zu bezeichnen und es damit auf eine Ebene mit Cannabis zu stellen ist jedoch auch sicherlich falsch.
Eine zeitgemäßere Einteilung wäre folgende:
Substanzen, die psychische und psychische Abhängigkeit auslösen:
Morphin, Heroin, synthetische Opiate, Alkohol, Crack, Ice (siehe Amphetamine)
Substanzen, die nur eine psychische Abhängigkeit auslösen:
Kokain, Amphetamin und Methamphetamin und ein Gutteil der Schlaf- und Beruhigungsmittel
Substanzen, die kaum Abhängigkeit auslösen:
THC, LSD, MDMA, Meskalin, Psilocin, Muscimol
Eine direkte Maß für die Gefährlichkeit der Substanzen ist diese Einteilung nicht. Die allgemeine Gefährlichkeit von MDMA ist als mittel bis hoch einzustufen. Die Halluzinogene LSD, Meskalin, Psilocin und Muscimol sind bei richtiger Dosierung zwar völlig unschädlich für den Körper, können aber unter zu psychischen Komplikationen führen und unter gewissen Umständen auch psychische Krankheiten auslösen.
Die Gruppe der weichen Drogen im klassischen Sinne ist eigentlich keine Gruppe, da nur eine einzige Droge eindeutig in diese Kategorie eingeordnet werden kann, nämlich das Cannabis, da es bei häufigem Konsum keine körperliche und - falls dann - nur eine geringe psychische Anhängigkeit auslöst.
Als harte Drogen bezeichnet man Substanzen, die schnell zu körperlichen und/oder psychischen Abhängigkeit führen. Dazu zählen vor allem Heroin und ähnlich wirkende Stoffe, sowie Kokain und Amphetamine.
Bei der Einteilung der Drogen nach Stoffklassen gibt es 2 große Gruppen: β-Phenylalkylamine und Tryptamine (Indolderivate). Diese decken aber nicht alle Drogen ab.
Natürlich vorkommende psychoaktive Stoffe mit bestimmten chemischen Eigenschaften bezeichnet man als Alkaloide.
Besonders bekannte Vertreter der β-Phenylalkylamine sind der Wirkstoff MDMA, der unter dem Namen Ecstasy bekannt wurde, und die Amphetamine Amphetamin und Methamphetamin. Gemeinsam ist ihnen eine stimulierende Wirkung, bei MDMA kommt noch eine halluzinogene Komponente hinzu. Verschieden Stoffe aus der Gruppe der β-Phenylalkylamine sind besonders beliebt für sogenanntes "Drug-Design", also für die gezielte Suche nach neuen psychoaktiv wirkenden Stoffen
Die Gruppe der Tryptamine zeichnet sich dadurch aus, dass in der Struktur der Stoffe, die zu dieser Stoffklasse zählen, das Gerüst des relativ einfach gebauten Tryptamins (bzw. des noch einfacheren Indols, daher auch der offizielle Name Indolderivate) zu finden ist. Auffallend ist, dass besonders viele psychoaktive Stoffe mit halluzinogener Wirkung zu den Tryptaminen zählen, darunter auch das natürlich vorkommende Psilocin und das synthetische LSD.
Auch wenn diese 2 Gruppen mit eine weites Spektrum der bekannten psychoaktiven Stoffe abdecken, gibt es auch einige die sich schwer nach groben Unterscheidungsmerkmalen einteilen lassen. Folgende Drogen(Gruppen) zählen nicht zu den Tryptaminen oder ß-Phenylalkylaminen:
Cannabinoide (z.B. THC), Tropane (z.B. Kokain), Opioide (natürliche, halb-synthetische und synthetische Opioide wie Morphin und Heroin), Fentanyle, u.v.a.
Als Alkaloide bezeichnet man stickstoffhaltige von Pflanzen produzierte Stoffe, die aufgrund des Stickstoffgehalts (meist) basisch reagieren. Ihr Name endet immer mit der Silbe "-in" (bzw. "-ine" bei der englischen Bezeichnung). Naturstoffe ohne gebundenen Stickstoff dürfen - wenn auch inkonsequenterweise immer wieder getan - nicht als Alkaloide eingestuft werden!
Folgende Merkmale muss ein Stoff aufweisen, um ein Alkaloid zu sein:
Ein Großteil der natürlich vorkommenden psychoaktiven Stoffe ist zur Gruppe der Alkaloide zu zählen. Besonder unter den Tryptaminen finden sich viele Alkoloide, die dann auch Indolalkaloide genannt werden (jedes natürlich vorkommende Tryptamin ist auch ein Alkaloid). Andere wiederum, wie das Kokain mit seinen verwandten Substanzen bilden eigene Stoffklassen. Anders als oft fälschlich behauptet, sind die Wirkstoffe der Cannabispflanze nicht zu den Alkaloiden zu zählen, sondern bilden eine eigene Gruppe, nämlich die Cannabinoide.
Als Sucht bezeichnet man im allgemeinen, das Verlangen nach einer bestimmten Handlung, was nicht zwingend die Einnahme einer Substanz sein muss. Gründe für die Entwicklung einer Sucht gibt es viele. Im allgemeine sind Personen mit psychischen Problemen und sozialen Kontaktschwierigkeiten besonders anfällig für Suchterscheinungen. In erster Linie gibt es dafür zwei Ursachen. Zum einen können viele - vor allem sedierende - Substanzen zu einer vorübergehenden innerlichen Lösung und Milderung von Depressionen führen, was die Bildung einer klassischen psychischen Abhängigkeit begünstigt. Zum anderen ist nicht zu vergessen, dass eine Sucht auch eine gewisse Sicherheit gibt und somit unbewusst erwünscht sein kann. In diesem Fall spricht man von eine "Sucht nach der Sucht".
Suchterscheinungen können also für den Betroffenen auch - subjektiv bzw. unterbewusst -positive Aspekte aufweisen. Oft ist es auch Gruppenzwang der zur Bildung einer "sozialen Abhängigkeit" führt. Dabei ist der Begriff Abhängigkeit auch als direkte Abhängigkeit zu verstehen, da immer wieder soziale Kontakte allein auf die Einnahme verschiedener illegaler Substanzen zurückzuführen sind. Gerade Menschen, die sonst gewisse Kontaktprobleme haben, können durch das gemeinsame Problem der Beschaffung und alle weiterer Dinge, die mit der Illegalität und der Einnahme verschiedener Drogen zusammenhängen, plötzlich ein vermeintlich loyales Umfeld gewinnen. Dass es sich dabei um Zweckfreundschaften handelt wird meist verdrängt, sodass sich die betreffenden Personen - bewusst oder unbewusst - in eine Sucht steigern, die mitunter gar nicht in dem Ausmaß vorhanden ist, wie es den Anschein macht.
Bezogen auf Drogen handelt es sich spätestens dann um eine psychische Abhängigkeit, wenn sich der Betroffene nur mehr nach der Einnahme eine bestimmten Substanz wohl fühlen kann. Eine besonders hohe Gefahr psychisch abhängig zu werden besteht bei allen Drogen die positiv in den Gemütszustand eingreifen. Die anfangs verbesserte Stimmung wird zunehmend zum Normalzustand und beim Nachlassen der Wirkung bleiben Depressionen und Ängste zurück, die durch eine neuerliche Einnahme wieder. Eine wichtige Komponente bei der psychischen Sucht ist das Wissen des Konsumenten, dass seine schlechte psychische Verfassung direkt auf das Nachlassen der Wirkung der von ihm eingenommene Droge zurückzuführen ist. Erfahrungen mit dem medizinischen Einsatz von Morphin haben gezeigt, dass sich das Absetzen nach einer reinen Schmerzbehandlung um ein vielfaches leichter gestaltet, als der Entzug nach rein hedonistischer Einnahme.
Eine physische bzw. körperliche Abhängigkeit liegt vor, wenn beim Absetzen eine Substanz körperliche Entzugserscheinung auftreten. Diese können vor allem Schwitzen, verschiedenste Schmerzen und Krämpfe sein. Grund für das Auftreten dieser Entzugserscheinungen sind körperliche Veränderungen, die bei wiederholter Einnahme verschiedener Substanzen eintreten können. Dabei lernt der Körper durch gewisse Gegenregulationsmechanismen mit der Intoxikation umzugehen. Folge ist, dass der Rausch immer mehr zum Normalzustand wird und beim Absetzten gewisse Empfindungen, die durch die Droge auf neurochemischem Weg unterdrückt werden, wie Schmerz oder Angst, vermehrt empfunden werden.
Zu einer körperlichen wie auch psychischen Abhängigkeit führen unter anderem alle Opiate, viele Schmerz- und Beruhigungsmittel und Alkohol.
Keine körperliche aber eine starke psychische Abhängigkeit lösen Kokain und Amphetamine aus.
Keine körperliche aber eine leichte bis mittelgradige psychische Abhängigkeit kann durch Einnahme von MDMA oder Cannabis entstehen.
Weder psychisch noch körperlich abhängig machen die Klassischen Halluzinogene LSD, Meskalin und Psilocin.
Achtung: Eine geringes Abhängigkeitspotential kann auch bei hoher allgemeiner Gefährlichkeit bestehen!
Haschisch und Marihuana sind heute die weltweit meist konsumierten illegalen Drogen. Dabei sehen sich die Konsumenten nicht als Cannabissüchtige. Tatsächlich konnte bisher durch keine wissenschaftliche Untersuchung eine suchterzeugende Wirkung von Cannabis eindeutig belegt werden.
Die Geschichte des Hanfs reicht lange zurück. Seit prähistorischer Zeit verwendet man in Europa und Asien den Hanf als Droge, als Medizin und als Faselieferant und somit als Rohstoff, beispielsweise für die Papierherstellung. In letzten beiden Jahrtausenden konnte sich der Hanf auch in Afrika verbreiten und fand Eingang in viele Stammeskulturen. Nach der Entdeckung Amerikas brachten ihn die Kolonialmächte auch in die neue Welt.
Er diente dem Menschen seit Jahrtausenden zur Inspiration, zur Berauschung oder als Heilmittel. In vielen Gesellschaften und Gesellschaftsschichten, vom Eingeborendorf bis zu Intellektuellenkreisen, kann man von einer eigenen Hanfkultur sprechen. Bei vielen Naturvölkern ist er bis heute Mittelpunkt schamanischer Rituale und wichtige Medizin.
Auch in der heutigen Schulmedizin könnte der Hanf eine wichtige Rolle spielen. So kann er zum Beispiel verlässlicher als jede andere Arznei die Übelkeit, die im Verlauf einer Chemotherapie auftritt, bekämpfen. Auch in die ayurvedische Medizin und in die Homöopathie hat er Eingang gefunden. Und das mit gutem Grund, denn bei vielen Krankheiten ist der Hanf eine unübertroffene Medizin oder zumindest im Stande das Leiden zu lindern.
Das heute fast weltweit bestehende Verbot von Cannabis geht auf Bestrebungen der USA in den 30er Jahren zurück. Die Gründe dafür lagen in rassistischen, machtpolitischen und wirtschaftlichen Motiven. Objektive wissenschaftliche Untersuchungen über die Gefährlichkeit von Cannabis waren nicht ausschlaggebend für das Verbot. Durch dieses Verbot wurden nicht nur Besitz und Konsum von aus Hanf hergestellten Drogen, sondern auch sein Anbau, illegal. Damit wurde die Herstellung von Medizin aus Hanf kriminalisiert und seine Verwendung als Faserlieferant unmöglich gemacht und somit ein ganzer Industriezweig vernichtet.
Die heutig Gesetzeslage verbietet in den meisten Staaten der Welt den Konsum Cannabis. In vielen Ländern wird er heute allerdings toleriert. Zur medizinischen Anwendung sind Haschisch und Marihuana nach wie vor nicht zulässig, in vielen Staaten sind allerdings verschreibungspflichtige Präparate mit synthetisch oder halbsynthetisch hergestellten Cannabinoiden in Verwendung, deren Wirkung von den Konsumenten aber meist als unangenehmer als die von natürlichen Cannabisprodukten beschrieben wird.
Die Hanfpflanze gehört zur Familie der Cannbaceae (Hanfgewächse, Hanfartige), der als zweite Pflanze der Hopfen angehört, der ebenso psychoaktive Wirkung hat. Bis heute sind sich die Botaniker nicht einig, ob es 3 Spezies der Gattung Cannabis gibt, nämlich Cannabis indica, Cannabis sativa und Cannabis ruderalis, oder ob es sich um eine monotypische Pflanze handelt und es daher nur eine Cannabisart, nämlich Cannabis sativa, gibt, die sich in verschiedene Unterarten aufgliedern lässt.
Normalerweise ist die Hanfpflanze zweihäusig, das heißt es gibt eine männlich und eine weibliche Form der Pflanze. Während der weibliche Hanf harzreiche Blüten bildet, finden sich der männlichen Pflanze kaum psychoaktive Substanzen. Wird die weibliche Blüte vom Pollen der männlichen Blüte bestäubt, so bildet sich ein Samen, der in einem Zeitraum von etwa 6 Wochen heranreift. Es gibt auch einhäusige Hanfpflanzen, wo sowohl männliche als auch weibliche Blüten von einer einzigen Pflanze gebildet werden. Äußerlich sehen diese Zwitter den weiblichen Pflanzen sehr ähnlich. Als Drogen-Hanf sind diese Pflanzen sehr schlecht geeignet und auch zur Fasergewinnung sind sie nicht optimal, da rein männliche Pflanzen deutlich bessere Fasererträge bringen.
Das Hanfblatt besteht aus mehreren Fingern, deren Anzahl sehr variabel ist. Sie bewegt sich meistens zwischen 5 und 13 Fingern und ist aufgrund der Anordnung der Finger auf dem Blatt fast immer ungerade.
Indischer Hanf
Der indische Hanf wird etwas über 1 Meter hoch und ist sehr stark verzweigt, wodurch sein Aussehen sehr dem eines Tannenbaues ähnelt. Seine Blätter sind oval und besonders breit. Er bildet die größte Menge an Blüten, die den größten Anteil an psychoaktiven Stoffen enthalten. Verbreitung: Nordindien, Afghanistan, Pakistan und dem Himalajagebiet.
Nutzhanf
Cannabis sativa wird bis zu 5 Meter hoch. Er ist sehr wenig verzweigt und besitzt von den drei Arten die größten Blätter. Die einzelnen Finger der Blätter sind sehr lang und schmal. Verbreitung: Cannabis sativa stammt entweder aus Mitteleuropa oder Zentralasien. Als Kulturfolger des Menschen verbreitete er sich schon im Neolithikum. Heute ist er auf der ganzen Welt sehr verbreitet. Als Wildpflanze ist er nicht bekannt.
Ruderalhanf
Der Ruderalhanf wird nur etwa 30 - 60 cm hoch. Er hat kaum Verzweigungen und nur sehr kleine Blätter. Seine Blütenstände sind die kleinsten in der Hanffamilie. Auch sein THC Gehalt ist nicht besonders üppig: während bei Cannabis sativa etwa 70 % der Cannabinoide THC sind, sind es bei Cannabis ruderalis etwa 40 %. Verbreitung: heute von Kaukasus bis China auf sogenannten Ruderalstätten (steinige Standorte), Geröllfeldern oder Schuttflächen. Ursprünglich kam er nur im südöstlichen Russland vor. Er wurde vermutlich von den Skythen in die Mongolei eingeführt und hat sich dort verwildert.
Heute gibt es eine große Anzahl an Cannabis-Züchtungen, mit verbesserten Eigenschaften, je nach Verwendungszweck. Zum Outdoor-Anbau von Drogen-Hanf verwendet man gerne Kreuzungen mit Cannabis ruderalis, da Cannabis ruderalis sehr wiederstandsfähig ist. Kreuzungen aus Cannabis ruderalis und Cannabis indica haben den Vorteil, dass sie sehr klein bleiben und hochpotent sind. Die Züchter sind bemüht den THC-Gehalt zu erhöhen und die Zeit bis zur Blüte zu vermindern. Da die Bildung von Samen die Produktion von THC-reichem Harz stoppt, wird auch versucht Sorten, die keine Samen bilden zu züchten. Diese Sorten nennt man "Sinsemilla", was "ohne Samen" bedeutet. Auch Marihuana, das keine Samen enthält, nennt man Sinsemilla. Man kann es entweder durch die Verwendung von Sinsemilla-Sorten oder durch ein Aussortieren der männlichen Pflanzen erhalten. Letzteres bewirkt, dass die weiblichen Blüten nicht bestäubt werden und daher keine Samen bilden können. Dieses Verfahren ist allerdings nur bei Indoor-Zucht verlässlich.
Die beiden gebäuchlichsten Hanfprodukte sind Haschisch und Marihuana.
Weiters gibt es den Blütenstaub, der ähnlich wie Haschisch aussieht, sehr weich ist und ebenfalls gepresst wird.
Das potenteste natürliche Hanfprodukt ist das Haschischöl.
Gras, Ganja
Die getrockneten weiblichen Blütenstände heißen Marihuana. Im Jargon der Konsumenten gibt es auch viele andere Wörter für Marihuana. Die gebräuchlichsten sind "Gras" und "Ganja". Spätestens beim Rauchen setzt Marihuana einen typischen süßlichen Geruch frei, den man - hat man ihn einmal gerochen - immer wieder erkennt. Verantwortlich für den Geruch sind in den Blüten enthaltene ätherische Öle. Neben gutem Geruch gelten große Blüten mit möglichst wenig Blütenblättern und das Fehlen von Samen als Qualitätsmerkmale.
Hasch, Shit, Dope
Haschisch ist das gepresste Harz der weiblichen Pflanze. Das hochwertigste Haschisch wird hergestellt indem man das Harz der Blüten mit den Händen abreibt. Dabei bildet sich eine dunkle Harzschicht auf der Hand, die dann abgeschabt und gepresst wird. Es ist weich und leicht formbar und wird meistens als "schwarzer Afghane" bezeichnet. Billigeres Haschisch wird aus den durchgesiebten, fein zerhackten weiblichen Blüten gewonnen. Nach dem Pressen und Trocknen ist es hart. Am Schwarzmarkt gekauftes Haschisch enthält oft auch wirkungslose aber nicht unbedenkliche Streckmittel wie Henna oder Teer. Manchmal wird auch von besonders potentem opiumhaltigen Haschischsorten berichtet.
Zum "Anstreuen" wird die feste Masse über einer kleinen Flamme erhitzt, wodurch sie weich wird und mit den Fingern zerbröselt werden kann. Gebräuchliche Ausdrücke für Haschisch sind "Shit" und "Dope". Echtes Haschisch lässt sich an seinem typischen harzigen Geruch, der beim Erhitzen entsteht, erkennen.
Das potenteste Hanfprodukt ist das Haschischöl, in dem die psychoaktiven Substanzen der Pflanze konzentriert sind. Auf dem Schwarzmarkt ist es allerdings kaum erhältlich und auch in Holland, wo Haschisch und Marihuana legal erworben werden können fällt es unter das Suchtgiftgesetz.
Das Harz der Hanfpflanze enthält über 400 verschieden Verbindungen. Über 70 davon gehören zur Familie der Cannabinoide (Cannabinoide sind terpenoide Benzopyran-Derivate). Ihnen gemeinsam ist das Cannabinol-Grundskelett. Die Cannabinoide bestehen aus den Elementen Wasserstoff (H), Sauerstoff (O) und Kohlenstoff (C), wobei sie meistens 21 C-Atome enthalten. Da sie keinen Stickstoff (N) enthalten, sind sie nicht, wie oft fälschlich behauptet, zur Gruppe der Alkaloide zu zählen. Zur Benennung der Verbindungen werden die C-Atome durchnummeriert. Eine Zahl mit vorangestellten Δ (Delta) vor der eigentlichen Stoffbezeichnung bedeutet, dass sich an dieser Stelle eine Doppelbindung befindet.
Als Ausgangsstoff für die Synthese der wichtigsten Cannbinoide dient das CBG, das die Hanfpflanze durch eine Synthese von Geranyl-Pyrophosphat und Olivtolsäure herstellt. Aus CBG werden CBC und CBD synthetisiert. Letzteres dient wiederum als Ausgangstoff für CBN und die verschiedenen THC-Formen. Da das THC selbst auch zu CBN weitersynthetisiert wird, ist der ideale Zeit für die Ernte von Drogenhanf, der Zeitpunkt, ab dem mehr THC in CBN abgebaut wird, als neues THC gebildet wird. Dieser Punkt ist meist erreicht, sobald das durchsichtige Harz beginnt trüb zu werden.
Da das genaue Cannabinoid-Profil, also das Mengenverhältnis der verschiedenen Cannabinoide zueinander, das sich auch während dem Wachstum laufend ändert, für die Wirkung von Cannabis verantwortlich ist, wird auch die Wirkung durch die Wahl des Erntezeitpunktes maßgeblich mitbestimmt.
THC, Δ-9-THC, Delta-9-Tetrahydrocannabinol, Δ-9-Tetrahydrocannabinol
Hauptverantwortlich für die psychoaktive Wirkung von Cannabisprodukten ist das Delta-9-Tetrahydrocannabinol (Δ-9-THC oder kurz THC). Nach einer anderen heute kaum noch gebräuchlichen Nomenklatur es auch Δ-1-THC genannt. Je Nach Cannabisart kann das Harz auch unterschiedlich große Mengen an Δ-9-THCV (Tetrahydrocannabivarin) enthalten. Bei diesem THC-Abkömmling hängt an C(3) anstelle eines Pentylrests (5 C-Atome) ein Propylrest (3 C-Atome). Das ebenfalls enthaltene Δ-8-THC wirkt etwas schwächer psychoaktiv als das Δ-9-THC. In der Pflanze liegt der größte Teil des Wirkstoffs als Carbonsäure des THC vor (THC-Säure oder THCA). Das heißt, dass an das THC-Gerüst noch eine Carboxyl-Gruppe (COOH) gebunden ist. Von der THC-Säure gibt es wiederum 2 Typen, die sich dadurch unterscheiden, dass die Carboxyl-Gruppe jeweils an einer anderen Stelle gebunden ist (THCA-A und THCA-B). Erst durch Erhitzten - etwa beim Rauchen oder Backen - wird diese THC-Säure durch Decarboxylierung zu THC umgewandelt, das im Gegensatz zur THC-Säure eine psychoaktive Wirkung entfaltet.
Der Gegenspieler des THC ist das Cannabidiol (CBD), das die Wirkung von THC unterdrückt. Weiter wichtige Cannbinoide sind CBN (Cannabinol), CBG (Cannabigerol) und CBC (Cannabichromen). Es gibt noch eine große Anzahl weitere Cannabinoide, von denen noch nicht alle strukturell und pharmakologisch bekannt sind. Für den typischen Geruch von Cannabis sind die in den Blättern und im Harz enthaltenen ätherischen Öle verantwortlich. Außerdem sind in den Samen Lignane enthalten, die eine allergiehemmende Wirkung haben.
Die Einnahme THC-reicher Hanfprodukt erfolgt normalerweise durch Rauchen. Meistens wird dazu ein "Joint" gebaut, indem Haschisch oder Marihuana meist zusammen mit Tabak in ein Zigarettenpapier gewickelt werden.Es gibt aber auch spezielle Rauchgeräte zum Haschisch- und Marihuanarauchen. Ein in Europa besonders populäres Rauchgerät ist die Bong. Ihr Vorteil gegenüber dem Joint ist, dass der Rauch durch Wasser geleitet wird und so die giftigen Teerstoffe teilweise ausgefiltert werden. Das Vorbild der Bong ist die aus dem Orient stammende Wasserpfeife. Auch bei ihr wird der Rauch durch Wasser geleitet, doch im Unterschied zur Bong durch Schläuche eingeatmet. Je nach Anzahl der Schläuche können mehrere Leute gleichzeitig aus ihr Rauchen. Natürlich kann man Haschisch und Marihuana auch in herkömmlichen Pfeifen rauchen, doch es gibt auch spezielle Pfeifen zum Rauchen von Hanfprodukten, wie zum Beispiel das "Chillum" (auch "Chillam" geschrieben, "Tschillum" ausgesprochen). Es stammt aus dem Himalajaraum und Indien und wurde von den Hippies in den 60ern nach Europa und Amerika gebracht.
In Amerika wird Marihuana gerne pur geraucht. In Europa ist es üblich ein Gemisch aus Haschisch oder Marihuana und Tabak zu rauchen. Da Cannabisrauch tief eingeatmet und lange in der Lunge gehalten wird, wird dabei auch eine große Menge Nikotin aufgenommen. Nikotin wirkt dem Cannabis entgegengesetzt: Cannabis verstärkt die Wirkung von Nikotin, Nikotin unterdrückt die des Cannabis. Während Cannabis die Lungengefäße erweitert, werden sie durch das Nikotin zusammengezogen. Um die Wechselwirkung von Cannabis und nikotinhaltigem Tabak zu vermeiden, kann man spezielle nikotinfreie Tabakmischungen verwenden. Sie bestehen meist aus Damianablättern, Rotklee oder THC-armen Hanfblüten und sind wie auch anderes Rauchzubehör in Headshops erhältlich.
Die Aufnahme von Cannabisprodukten kann auch durch orale Einnahme erfolgen. Im Orient und in Nordafrika trinkt man gerne ein Hanfgetränk namens "Bhang". Es gibt sehr viele unterschiedliche Rezepte dafür. In Nepal wird es aus Hanfblüten, Milch, Zucker, Honig und Gewürzen hergestellt. Oft werden dem Bhang auch andere Drogen, wie das Opium zugesetzt. Leute, die das Rauchen ablehnen backen auch gerne "Cookies" mit Marihuana oder Haschisch. Rezepte dafür gibt es in einer Reihe an Hanfkochbüchern. Der Nachteil der Hanfkekse ist, dass es leicht zu Überdosierungen kommen kann.
Die Dosis für einen mittleren Cannabisrausch beträgt 5 bis 10 mg THC. Das entspricht etwa 0,25 g Marihuana oder 0,1 g Haschisch. Diese Angaben sind aber nur als Richtwerte zu sehen, da der THC-Gehalt der Cannabisprodukte stark variieren kann und jeder anders auf die Droge anspricht.
Außerdem ist zu beachten, dass die Hanfpflanze außer THC noch einige andere psychoaktive Stoffe produziert, wie das CBD (Cannabidiol). CBD wirkt vor allem angstlösend. Außerdem unterbindet es die Wirkung von THC. Daher können THC-reiche Hanfprodukt, wenn sie auch viel CBD enthalten weniger high-machend wirken als andere, die genauso viel THC, jedoch weniger CBD enthalten.
Für die psychoaktive Wirkung von Haschisch und Marihuana ist vor allem der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) verantwortlich. Sie wird allerdings von den weiteren enthalten Cannabinoiden beeinflusst und entsteht somit erst durch eine Wechselwirkung verschiedener Substanzen. Vor allem das Cannabidiol (CBD) spielt eine wichtige Rolle, da es die Wirkung von THC unterbindet. Daher sind Drogenhanfzüchter bemüht den CBD - Gehalt gering zu halten. Des weiteren wirkt es angstlösend und schmerzhemmend. Cannabinol (CBN) wirkt leicht psychoaktiv, aber vor allem augeninnendrucksenkend und darüber hinaus antibiotisch und beruhigend. Cannabichromen (CBC) unterstützt die schmerzhemmende Wirkung des THC und wirkt beruhigend. Es gibt noch eine große Anzahl weitere Cannabinole, von denen noch nicht alle strukturell und pharmakologisch bekannt sind. Außerdem finden sich in Blättern und Harz ätherische Öle. In den Samen sind Lignane enthalten. Sie haben eine allergiehemmende Wirkung.
Die Wirkung von Cannabisprodukten rührt also nicht wie oft angenommen vom THC allein. Vielmehr finden sich im Cannabisharz viele Substanzen mit unterschiedlichen Wirkungen, die sich gegenseitig verstärken oder hemmen. Daher ergeben sich je nach genauer je nach Wirkstoffgehalt und prozentueller Verteilung der Cannabisprodukte verschiedene Wirkungsweisen. Nach dem Konsum von reinem THC tritt zwar ein cannabisähnlicher Rausch ein, doch wird er meist nicht so angenehm empfunden, wie der von natürlichen Cannabisprodukten ausgelöste Rauschzustand.
THC: stark psychoaktiv; beruhigend, stimulierend, halluzinogen, Brechreiz lindernd, Pulsfrequenz steigernd
CBN: leicht halluzinogen, Augeninnendruck senkend, antiepileptisch, Pulsfrequenz verringernd
CBD: schmerzlindernd, angstlösend, leicht beruhigend, Augeninnendruck senkend, antiepileptisch, antibiotisch
CBG: leicht psychoaktiv, schlafanstoßend, Augeninnendruck senkend, antibiotisch
CBC: schmerzlindernd, beruhigend, entzündungshemmend
Nach dem Rauchen dauert es meist wenige Minuten bis zu einer viertel Stunde bis die Wirkung einsetzt. Nach 2 bis 3 Stunden klingt sie wieder ab. Beim oraler Einnahme - etwa in Form von Keksen - dauert es je nach Magenfüllung bis zu zwei Stunden bis zum Eintreten der Wirkung, dafür kann bis zu rund 8 Stunden eine intensive Wirkung zu spüren sein und oft ist auch am nächsten Tag noch eine gewisse Cannabiswirkung bemerkbar.
Die Wirkungsweise des THC lässt sich folgendermaßen erklären: Im Gehirn und zwar im Kleinhirn, den Basalganglien, der Hirnrinde und dem Hippokampus gibt es Anandamid-Rezeptoren, an die das THC Andocken kann, wodurch das Hormon Anandamid gehemmt wird. Durch ein Andocken im Kleinhirn und den Basalganglien wird die Motorik beeinflusst, Zeitgefühl und Konzentrationsfähigkeit werden durch ein Anheften an Rezeptoren in der Hirnrinde verändert und durch Ankoppelung an Rezeptoren des Hippokampus werden Gedächtnisleistung und Informationsverarbeitung beeinflusst.
Der erste körpereigene Stoff, der an die Anandamid-Rezeptoren ankoppelt, das Anandamid, von dem der Rezeptortyp auch seinen Namen hat, wurde erst 1992 entdeckt. Man vermutet eine Beteiligung an der Schmerzverarbeitung und der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Vor kurzen wurde nachgewiesen, dass auch ein im Kakao enthaltener Stoff Antagonist des Anandamid-Rezeptortyps ist.
Da der Hirnstamm, der lebenswichtige Funktionen wie die Atmung steuert, kaum solche Rezeptoren besitzt, sind lebensbedrohliche Cannabisvergiftungen so gut wie ausgeschlossen. Bis heute ist kein Fall bekannt, in dem ein Mensch direkt durch die Wirkung von Cannabis gestorben ist. Allerdings ist bei bestehenden Herz-Kreislauf-Problemen große Vorsicht geboten, da Cannabis auch gefäßerweiternde Wirkung hat und die Pulsfrequenz erhöht.
Der Abbau von Cannabinoiden geschieht hauptsächlich in der Leber. Ausgeschieden werden die Abbauprodukte zu 2/3 über den Darm und 1/3 über die Nieren, wo sie noch mehrere Wochen nachweisbar sind.
Bei häufigem Konsum triff rasch Gewöhnung ein. Während anfangs etwa 1/4 g hochwertiges Marihuana ein mittelmäßiges High auslöst, kann ein "geübter" Kiffer auf ein Tageskonsum von mehreren Gramm bis zu 1dag (10g) kommen. Dabei handelt sich aber meist mehr um Gewöhnung und Gewohnheit als um Sucht.
Die subjektive Wirkung des Cannabis lässt sich schwer beschreiben. Sie ist viel subtiler und vielschichtiger, als man es sich vor dem ersten Konsum erwartet. Das ist wohl auch ein Grund, warum viele Menschen beim ersten Cannabiskonsum keine Wirkung spüren, weil sich die Erwartung eben kaum mit der tatsächlichen Wirkung deckt.
Die Cannabiswirkung lässt sich nicht in eine der drei groben Kategorien sedativ (beruhigend), stimulierend (muntermachend) und halluzinogen einordnen, sondern hat von jeder einen Teil. Zudem wird durch Cannabis die Wirkung von Stimulantia, Halluzinogenen und Sedativa intensiviert, verstärkt und ergänzt. Eine Kreuztoleranz mit anderen Drogen tritt jedoch nicht auf.
Allgemein kann man sagen, dass Cannabis die Wahrnehmung intensiviert und die Stimmung, in der man sich vor dem Konsum befand, vor allem vertieft. Das Rauscherlebnis kann allerdings sehr variieren sodass Wirkung von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich empfunden wird.
Sehr gut bekannt unter Cannabiskonsumenten ist das Auftreten von Heißhunger, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass die Geschmacksempfindung meistens intensiviert wird, sodass der Genuss altbekannter Speisen plötzlich ein ungeahntes neues Geschmackserlebnis hervorrufen kann. Ein weiterer Grund für den Heißhunger ist der Abfall des Blutzuckerspiegels durch Cannabiskonsum. Wegen der Dehydration im Mundbereich wird meist auch vermehrt Flüssigkeit aufgenommen.
Die Stimmung kann von Cannabis sehr unterschiedlich beeinflusst werden. Eine sedierende Wirkung ist dabei fast immer bemerkbar. Affekte werden abgeschwächt, sodass sich der Cannabis-Konsument meinst ruhig und entspannt fühlt. Aggressionen werden allgemein verringert, doch bei ungünstiger Konstellation kann die Wirkung auch ins Gegenteil ausschlagen.
Das lineare zielgerichtet Denken tritt unter Cannabiseinfluss in den Hintergrund. Stattdessen stellt sich assoziatives Denken ein, das zu gesteigerter Intuitivität und Kreativität. Im ungünstigen Falle kann durch den Verlust des rationalen Denkens auch große Unsicherheit auftreten. Die gesteigerte Phantasie kann auch zu unbegründeten Ängsten und Wahnvorstellungen führen
Neben der Sedierenden Wirkung kommt es auch oft zu einer Stimmungsaufhellung und Euphorie. Diese Wirkmechanismen sind zu einem gewissen Anteil periphere Erscheinungen und stehen in direktem Zusammenhang mit der sedierenden und der innerlich und gedanklich lösenden Wirkung. Doch auch hier kann genau das Gegenteil eintreten. Fühlt sich der Konsument unwohl fühlt, kann es zu depressiven Gemütszuständen oder auch zu Angst kommen. Diese Erscheinungen verschwinden in der Regel aber wieder sobald die Wirkung nachlässt.
Während Marihuana tendenziell eher euphorisierend wirkt, wirkt Haschisch eher sedierend. Konsumenten beschreiben den Marihuana-Rausch als ein Erlebnis, das sich vor allem im Kopf abspielt, während Haschisch eher "stoned" macht, also dämpfend wirkt und seine Wirkung mehr in der Schwere des Körpers zu spüren ist.
Besonders in hohen Dosen wird durch Cannabis die Wahrnehmung aus sehr stark verändert und die Umwelt viel intensiver erlebt. Im Vordergrund steht bei das Subjekt, objektives rationales Denken wird durch Cannabis erschwert. Wie auch die eigene Gedankenwelt wird die Außenwelt meist vielschichtiger und verworrener erlebt. Aus philosophischer Sicht kann man herbei von einem Zurückkehren zu einem geistigen Urzustand sprechen, in dem Wahrnehmung und Denken nicht mehr so stark voneinander getrennt sind.
Prioritäten der Wahrnehmung verschieben sich unter Cannabiseinfluss. Während normalerweise zielgerichtet gedacht wird und hauptsächlich lebenswichtige Informationen in das Bewusstsein treten, können im Cannabisrausch auf einmal "unwichtige" oder bisher nicht beachtete Dinge in den Vordergrund treten. So werden zum Beispiel bisher unbeachtete Töne in Musikstücken wahrgenommen, Farben werden viel intensiver gesehen und Geschmacksempfindungen und Gerüche bekommen eine Ganz neue Dimension.. Typisch für Cannabis, wie für alle Halluzinogene, sind auch Synästhesien. So kann Musik bei geschlossenen Augen "gesehen" werden oder Farben werden Geschmäcker zugeordnet.
Die Cannabiswirkung kann auch zu visionären Erfahrungen führen. Oft wird von Cannabiskonsumenten berichtet, dass unter dem Einfluss der Droge gewisse Dinge in einem völlig anderem Licht erscheinen. Vielen Kiffern hat Cannabis völlig neue Sichtweisen gezeigt, die auch im Alltagsleben zu einer Weiterentwicklung geführt haben und somit eine nachhaltige Bereicherung darstellen.
Auf der anderen Seite können sich natürlich auch großartige Ideen, die man im Rausch hat, im Nachhinein als reiner Unsinn erweisen. Oft sind es nämlich eine zu subjektive Sichtweise sowie irrationales Denken, was zu Erkenntnissen führt, die später auch für den Konsumenten selbst nicht mehr nachvollziehbar sind. Auch die mitunter falsche Selbsteinschätzung und die herabgesetzte Kritikfähigkeit begünstigen Meinungsbildungen, deren Aussagen später nicht mehr vertreten werden können.
All diese Wirkungsweisen sprechen für den halluzinogenen Charakter der Cannabiswirkung. Dabei ist natürlich zu beachten, dass man dabei, wie auch bei der Wirkung von LSD und ähnlichen Halluzinogenen, strenggenommen von einer "pseudo-halluzinogenen" Wirkung sprechen muss, da es normalerweise zu keinen als real erlebten eindeutigen Sinnestäuschungen kommt. Außerdem ist die halluzinogene Wirkung von Cannabis um ein vielfaches milder und kontrollierbarer, als die der klassischen Halluzinogene, und auch unbedenklicher, da das Realitätserleben nicht so massiv verändert wird. Wie stark sich Anzeichen einer halluzinogenen Wirkung bemerkbar machen ist dosisabhängig und auch individuell sehr verschieden.
Bei kaum einer anderen Droge gehen die Meinungen über Gefahr und Suchtwirkung so weit auseinander wie bei Cannabis. Ein Grund dafür ist, dass die Wirkung von Cannabis aufgrund des ihres halluzinogenen Charakters sehr von Set und Setting, also von Umgebung und persönlicher Verfassung, abhängig ist.
Wie bei anderen Drogen kann es zu Selbstüberschätzung kommen. Bei labilen Persönlichkeiten und in unpassender Umgebung sind psychische Probleme möglich. Unter bestimmten Voraussetzungen kann schon einmaliger Cannabiskonsum zum Ausbruch einer latenten psychischen Krankheit führen. Vorhandene Depressionen und Ängste werden oft verstärkt. Andererseits verwenden vielen Menschen mit psychischen Problemen Cannabis - bewusst oder unbewusst - zur Selbstmedikation. Wegen der herabgesetzten Reaktionsfähigkeit sollte man sich unter Einfluss der Droge nicht am Straßenverkehr beteiligen. Kombiniert mit Alkohol kann es zu unangenehmen Wechselwirkungen kommen.
Jugendliche mit noch nicht gefestigter Persönlichkeit sollten möglichst kein Cannabis konsumieren. Natürlich ist Jugendlichen allgemein von Drogen abzuraten, aber gerade Drogen mit halluzinogener Wirkung können sich sehr negativ auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirken. Zudem können viele Jugendliche mit Drogen nicht umgehen und so wird Kiffen oft zu einer Art Sport. Wer am meisten verträgt besitzt dadurch ein gewisses Ansehen bei seinen Freunden. Somit wird Gras zum Statussymbol. Schuld an diesem eindeutigen Missbrauch ist die übertrieben Verherrlichung von Cannabis in der heutigen Zeit. Bei kritischer Betrachtung findet man den Grund diese Verherrlichung wiederum im Bestand von Gesetzen, die sogar die medizinische Anwendung von Cannabis immer noch teilweise kriminalisieren, von der Anwendung als Droge ganz zu schweigen, während Alkohol, Nikotin und Koffein legal sind. In der übertriebenen Glorifizierung von Cannabis ist somit eine Art Protestbewegung zu sehen, die sich vor allem gegen die objektiv gesehen unfaire Drogenpolitik wendet, die sogar Werbung für eine Droge mit viel höherem Abhängigkeitspotential, nämlich den Alkohol, akzeptiert, während Cannabisbesitz relativ streng bestraft wird.
Durch den hohen Anteil an Teer im Cannabisrauch, der überdies meist ungefiltert inhaliert wird, wirkt die Lunge beim Cannabisrauchen stärker geschädigt, als durch Rauchen derselben Tabakmenge.
Da verschieden Cannabinoide eine gebärmutterkontrahierende Wirkung haben, nimmt man an, dass Cannabiskonsum während der Schwangerschaft Frühgeburten auslösen kann. Überhaupt ist der Einnahme THC-reicher Produkte während der Schwangerschaft abzuraten, da noch nicht abgeklärt ist, ob und inwieweit dieser Stoff irreparable Schäden am ungeborenen Kind zurücklässt.
Zur Debatte stehen auch bleibende Schäden am Gehirn. Test an Rhesusaffen, die jedoch unter sehr fragwürdigen Bedingungen abliefen, sollen bewiesen haben, dass besonders Bereiche des limbische System, in dem das Kurzzeitgedächtnis angesiedelt ist, irreparabel geschädigt werden. Auch durch Cannabis verursachte Missbildungen der Keimzellen werden diskutiert.
Besonders bei der Einnahme von Hanfkeksen kommt es leicht zu Überdosierungen. Auch beim "Mitrauchen" ist Vorsicht geboten, wenn man nicht genau weiß, wie viel Cannabis im Joint ist.
Bei einer Überdosierung können Kreislaufprobleme und Angstzustände auftreten. Bei gesundem Körper besteht jedoch keine Lebensgefahr - Bis heute ist noch kein Fall bekannt, in dem ein Mensch durch direkte Einwirkung von Cannabis gestorben ist. Bleibende gesundheitliche Schäden sind auch nicht zu erwarten. Wichtig ist in so einem Fall eine ruhige Umgebung. Zur Kreislaufstabilisierung kann man Koffein oder besser Guarana verabreichen, da Guarana den Puls nicht weiter beschleunigt.
Bei oraler Überdosierung sollte versucht werden, ein Erbrechen herbeizuführen. Im Zweifelfall sollte ein Arzt gerufen werden, der meist weitere kreislaufstützende Mittel verabreicht. Allerdings kann ein Arzt, besonders bei Jugendlichen, weitere Ängste auslösen. Diese sind aber großteils unbegründet, da Polizei und Schule normalerweise nicht benachrichtigt werden.
Immer wieder berichten Cannabiskonsumenten von Sogenannten Flashbacks. Das sind rauschähnliche Zustände, die auch noch Monate nach dem letzten Konsum auftreten können. Besonders häufig treten Flashbacks in Stesssituatioen auf. Man vermutet als Grund dafür, dass verschiedene Cannabis-Wirkstoffe, die sich im Fettgewebe abgelagert haben, plötzlich vom Körper in den Blutkreislauf freigesetzt werden. Gegen diese Theorie spricht allerdings, dass es sich bei diesen Ablagerungen hauptsächlich um Metaboliten der Cannabinoide handelt, die selbst keine psychoaktive Wirkung besitzen.
Immer mehr setzt sich die Ansicht durch, dass Flashbacks rein psychische Phänomene sind. Für diese These spricht, dass Flashbacks auch bei nach dem Konsum anderer Drogen auftreten können. Meist sind es auch Bad Trips, also unangenehme Rauscherfahrungen, denen Flashbacks folgen. Der Flashback könnet somit ein späteres Verarbeiten von einem traumatischen Erlebnissen während einem Rausch sein.
Erlebt werden Flashbacks meist als sehr unangenehme Beeinträchtigung, was die These, dass es sie sich hauptsächlich auf psychischer Ebene abspielen weiter stützt. Auf physiologischer Ebene würde das Gehirn in diesem Fall ohne direktes Einwirken von Cannabis eine Cannabinoid-Intoxikation simulieren.
Die Abklärung der Urasche von Flashbacks gestaltet sich äußerst schwierig, da die Cannabinoid-Metaboliten erst etwa ½ Jahr nach der letzten Cannabis-Einnahme zur Gänze aus den Körper ausgeschieden sind. Flashbacks, die später auftreten, haben ihre Ursache jedoch -für den Fall, dass Cannabis keine bleibenden Veränderungen am Gehirn hervorruft - auf rein psychischer Ebene, doch auch die Frage, ob Cannabis Spuren in der Hirnstruktur hinterlässt ist noch ungeklärt.
Sicherlich ist jedoch die Ursache von zumindest einem Teil der Flashbacks überhaupt nicht im Cannabis-Konsum zu suchen, da Betroffene typische Stresserscheinungen unrichtigerweise als Folge einer Cannabis-Intoxikation interpretieren können.
Es gibt bis heute keine Untersuchungsergebnisse, die bestätigen, dass regelmäßiger Cannabiskonsum zu einer körperlichen Abhängigkeit führt, wie es etwa beim Alkohol der Fall ist. Oft wird die Ansicht vertreten, dass die lange Speicherung von Cannabinoiden im Körper und der langsame Abbau durch über den Blutkreislauf das Auftreten von körperlichen Entzugserscheinungen unterdrücken, doch auch hier spricht die Tatsache dagegen, dass es sich bei diesen Ablagerung vorwiegend um Abbauprodukte handelt, durch die zwar ein Konsum nachgewiesen werden kann, die jedoch selbst keine psychoaktive Wirkung besitzen.
Ob es zu einer psychischen Abhängigkeit kommen kann ist sehr umstritten. Wenn sehr viel und oft gekifft wird, kann es tatsächlich sehr schwer sein, Cannabis abzusetzen. Oft wird von Depressionen und Unruhe beim Absetzten berichtet. Andere hingegen können auch bei mehrjährigem täglichen Konsum problemlos und ohne große persönliche Anstrengung Pausen einlegen.
In den Meisten Fällen liegt mehr eine Gewohnheit, als eine Abhängigkeit vor. Wie auch beim Rauchen ist es oft auch das Ritual, nach dem sicher der Kiffer sehnt. Solange der Konsum an bestimmte Gegebenheiten gebunden bleibt, bereitet das Absetzen auch relativ geringe Probleme, wenn man gewissen Umgebungen aus dem Weg geht. Schwierig gestaltet sich der Entzug allerdings, wenn man hauptsächlich Kiffer in seiner Umgebung hat. In diesem Fall ist viel Selbstdisziplin nötig, um nicht der Gewohnheit zu erliegen und mitzurauchen.
Wie schon angedeutet ist sind es meist soziale Strukturen, die das Absetzen erschweren. Das ständige Problem der illegalen Beschaffung bzw. der gemeinsame Anbau von Hanf schafft soziale Kontakte, die ohne Cannabis bald wieder zerbrechen würden. Für viele ist das Kiffen somit ein fester Anker zu seiner Umgebung, der Sicherheit spendet und vermeintliche Freunde beschert.
Mindestens so als wie die Einnahme von Cannabis zur Berauschung ist auch der medizinische Einsatz der Nutz-, Rausch- und Heilpflanze Cannabis.
Auch in der heutigen Schulmedizin gäbe es eine Reihe von interessanten Anwendungsmöglichkeiten für Hanfprodukten wie Haschisch oder Marihuana. Stattdessen werden teuer hergestellte synthetische Hanfpräparate verschrieben.
Mindestens so als wie die Einnahme von Cannabis zur Berauschung ist auch der medizinische Einsatz der Nutz-, Rausch- und Heilpflanze Cannabis. Besonders wichtig ist der Hanf bis heute in der ayurvedischen Medizin der Inder. Die Blätter werden bei Krämpfen, Ohrenschmerze, Unterleibsbeschwerden, Durchfall, Körperschmerzen und Blutsturz eingenommen. Die pulverisierten Blätter werden als Schnupfpulver - z.B. bei Kopfschmerzen - verwendet. Das Harz wird vor allem als Aphrodisiakum eingesetzt.
Die Assyrer benutzten seine Wurzeln bei schwierigen Geburten. Bei Leibschmerzen wurde die ganze Pflanze aufgekocht und als Klistier verabreicht. Zur "Unterdrückung der Geister" - vermutlich sind Depression und Ängste gemeint - wurden seine Samen verwendet. Eine Mischung aus Hanf und Getreidemehl diente als Antidot. Auch ein Bier, das bei Krankheiten, die durch Hexerei verursacht wurden helfen sollte, wurde mit ihm gebraut.
In Nepal wird Hanf als Tonikum (Stärkungsmittel), Magenmedizin, Schmerz- und Schlafmittel verwendet. Er wird bei Depression, Appetitlosigkeit oder der im Himalaja oft auftretenden Höhenkrankheit verabreicht. Auch die Ägypter und die Chinesen bedienten sich der vielfältigen therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten des Hanfs.
Auf Jamaika hat der Hanf, nachdem er von den Indern eingeführt worden war, bald einen fixen Platz in der Volkmedizin der Rasta eingenommen. Er wird als allgemeines Heil- und Stärkungsmittel und als Schmerz- und Entspannungsmittel verwendet.
Im 19. Jahrhundert wurden auch in Europa der medizinische Nutzen des Hanfs bekannt. Bald erschien eine Reihe von Schmerztabletten auf Hanfbasis. Die sogenannten "indischen Zigaretten" enthielten neben Opium, Bilsenkrautblättern und Stechapfelblättern auch Hanfblätter. Sie wurden bei Asthma, Lungenleiden und Schlafstörungen geraucht.
Auch in der heutigen Schulmedizin gibt es viele Anwendungsmöglichkeiten für den Hanf:
Bei Krebskranken kommt es als Nebenwirkung der Chemotherapie oft zu großer Übelkeit und Erbrechen. Zudem kann schon alleine der Geruch von Essen unerträglich sein kann, sodass es vielen Krebspatienten nur mit großer Überwindung möglich ist überhaupt Nahrung aufzunehmen. Cannabis kann durch seine antiemetische (Brechreiz lindernde) Wirkung diese Übelkeit vermindern und durch seine appetitanregende Wirkung zu einer erwünschten Gewichtszunahme führen. In vielen Ländern sind mittlerweile THC(=Dronabinol)-haltige Präparate wie das auch den USA kommende Marinol als verschreibungspflichtige Arzneien für Patienten zugänglich. Allerdings meinen viele Patienten, dass gerauchtest Cannabis deutlich besser wirkt, was an der einzigartigen Wirkstoffkombination in der Cannabispflanze liegt. Diese Anwendung ist jedoch weiterhin illegal.
Auch bei der AIDS-Therapie kann man sich den appetitanregenden Effekt von Cannabis zu Nutze machen. Neben der Therapie ist es nämlich oft mangelnde Nahrungsaufnahme, die den Körper zusätzlich schwächt. Außerdem kann Cannabis den Patienten ablenken und bei positiver Einstellung eine Stimmungsaufhellung bringen.
Auch der Grüne Star, bei dem sich der Augeninnendruck stark erhöht, was bis zur Erblindung führen kann, kann mit Cannabis behandelt werden. Ohne operativen Eingriffe, allein durch Rauchen von Cannabis, kann der Augeninnendruck wieder auf normale Werte gesenkt werden. Für diesen Effekt ist nicht das psychoaktive THC verantwortlich, sondern die kaum psychoaktiven Stoffe CBN (Cannabinol) und CBD (Cannabidiol). Daher kann eine therapeutische Anwendung auch mit THC-armen Hanfprodukten erfolgen.
Cannabis hat auch antiataktische (Bewegungsabläufe koordinierende) Wirkung, sowie eine antispastische, also Muskelentspannende, was es zu einem guten Mittel zur Unterdrückung von Spasmen, Lähmungen und Krämpfen, wie sie bei Multipler Sklerose auftreten, macht. Es kann die Krankheit zwar nicht heilen, aber die Symptome der Krankheit unterdrücken und dem Patienten so sein Leben erleichtern.
Asthma-Anfälle können durch wenige Züge von einem Joint oft beendet werden. Kritikpunkt ist hier die Schädigung der Lunge, die bei Asthma-Anfällen natürlich eine wichtige Rolle spielt. Abhilfe soll hier ein Inhalator schaffen, der gerade entwickelt wird.
Auch eine leichte antibiotische Wirkung hat ein Inhaltsstoff, das CBD. Weiters wirkt Cannabis antiepileptisch, wodurch bei Epileptikern bei gleichzeitiger Cannabisgabe die Medikamentendosis reduziert werden kann. Cannabis kann auch zur Behandlung von verschieden Schmerzen, Kopfschmerzen, Migräne und Menstruationskrämpfen herangezogen werden. Auch in der Geburtenhilfe kann Cannabis alternativ eingesetzt werden, da es zu einer erhöhten Kontraktionsfrequenz der Gebärmutter und einer Blutstillung führen kann. In Afrika und Asien ist dieser Einsatz in der Volksmedizin bis heute verbreitet.
In Deutschland setzt sich die "Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin", kurz ACM, (mittlerweile umbenannt in IAMC - "Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin") seit 1997 für die medizinische Verwendung von Cannabis ein.
Hanf kommt auch in der Homöopathie zum Einsatz. Dabei wird in der homöopathischen Medizin genau zwischen Cannabis indica (indischer Hanf) und Cannabis sativa (Nutzhanf) unterschieden. Während Cannabis sativa bei Urinverhalt, Erkrankungen der Harnwege (Tripper, Entzündung des Penis) und der Atemwege zum Einsatz kommt, wird Cannabis indica zur Behandlung von Asthma, Impotenz, Appetitlosigkeit, sexueller Erschöpfung, Albträumen und Nervenleiden verwendet.
Leider sind all diese Anwendungsmöglichkeiten durch das Verbot von Hanf noch sehr erschwert. Natürliche Hanfprodukte können in Europa (noch) nicht verschrieben werden. Dafür gibt es mittlerweile eine große Anzahl an verschreibungsfähigen Cannabinoid-Präparaten, deren Wirkstoffe synthetisch hergestellt werden müssen. Nachteil dieser Präparate ist, dass ihnen die ausgewogenen Wirkstoffkombination natürlichen Hanfs fehlt. Von den Patienten, die auch Erfahrung mit Cannabis haben, wird ihre Wirkung als unangenehmer und reicher an Nebenwirkungen empfunden, was vor allem auf das Fehlen von Cannabidiol (CBD) zurückzuführen ist. Viele Patienten sind daher auf Hanfprodukte vom Schwarzmarkt angewiesen und werden so vom Staat in die Illegalität getrieben. Ein weiteres Problem ist, dass viele Ärzte dem Hanf gegenüber negativ eingestellt sind oder noch nicht ausreichend über den medizinischen Nutzen der Pflanze informiert sind.
Wenn in diesen Artikeln von "Suchtgift" oder "Rauschgift" die Rede ist, handelt es sich dabei um Begriffe, die üblicherweise in Gesetzestexten zur Beschreibung "nicht verkehrsfähiger" psychoaktiver Substanzen verwendet werden. Ob es sich bei Cannabis wirklich um ein Suchtgift handelt ist sehr fraglich. Das Auftreten einer körperlichen Abhängigkeit konnte bisher nicht bestätigt werden. Die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit ist sicher nicht wesentlich höher als beim Alkohol.
In fast allen Staaten der Welt sind Besitz, Erwerb, Einfuhr und Herstellung von Cannabis sowie Handel und Weitergabe heute gesetzlich verboten. Der Konsum ist zwar meist nicht ausdrücklich untersagt, da aber auch das Halten eines Joints als "Sachherrschaft" interpretiert werden kann, ist auch der Konsum indirekt verboten. Auch in Holland ist - entgegen der Meinung vieler Kiffer - Cannabis nicht völlig legal. Der Konsum, Besitz und Handel werden in einem gewissen Rahmen bloß toleriert.
Den Ursprung hat das Verbot, das Mitte des 20. Jahrhunderts fast weltweit durchgesetzt wurde, in machtpolitischen, wirtschaftlichen und rassistischen Motiven (siehe Der Weg in die Illegalität). Ob es auch ohne dem Drängen der USA dazu gekommen wäre ist fraglich.
Ausgenommen von diesen Bestimmungen sind Forschungsprojekte, sowie Pharmakonzerne, denen unter bestimmten Umständen Aufzucht von THC-reichen Cannabissorten und Forschung auf Anfrage gestattet werden können.
Samen - auch THC-reicher Sorten - dürfen in den meisten Staaten mit einigen Einschränkungen im Fachhandel verkauft werden. Auch der Verkauf von Stecklingen ist meist erlaubt, sofern ihr THC-Gehalt nicht gewisse Grenzen überschreitet.
Zum medizinischen Gebrauch ist der Einsatz von natürlichen Cannabis-Produkten weiterhin fast weltweit untersagt, allerdings können in den meisten Staaten mittlerweile Präparate, die synthetische Cannabinoide enthalten, wie "Marinol", verschrieben werden.
Zum Anbau von Nutzhanf gibt es sehr unterschiedliche Regelungen. In einigen Staaten war der Anbau nie verboten, in anderen wie Deutschland ist sein Verbot wieder aufgehoben worden - In manchen Staaten darf der THC-Gehalt bestimmte Grenzen nicht überschreiten, in anderen ist lediglich der Anbau mit dem Ziel der Suchtgiftgewinnung untersagt, was in der Praxis meist kaum einen Unterschied macht.
In Deutschland ist Cannabis im der Anlage 1 des "Betäubungsmittelgesetz" erfasst und ist somit nicht verkehrsfähig. Der Anbau von THC-armen Hanfsorten ist in Deutschland seit 1996 wieder erlaubt, ist allerdings Meldungspflichtig und darf nur unter strenger staatlicher Aufsicht geschehen. THC-haltige Arzneimittel wie "Marinol" dürfen mittlerweile verschrieben bleiben. Der medizinische Einsatz von Haschisch oder Marihuana ist jedoch weiterhin untersagt.
Bis heute führt das 1994 gefällte "Cannabisurteil" in Deutschland zu großer Verwirrung. Der Lübecker Richter Walter Neskovic war im Rahmen eines Prozesses davon ausgegangen, dass im deutschen Grundgesetz bei entsprechender Interpretation ein "Recht auf Rausch" verankert sei. Dieser Standpunkt wurde allerdings vom Bundesverfassungsgericht durch das am 9. März 1994 gefällte "Cannabisurteil", so de Name unter dem es bekannt wurde, nicht akzeptiert. Es enthält allerdings auch den Aufruf, dass die Handhabung von Delikten in Zusammenhang mit Cannabis gemäß dem Betäugungsmittelgesetz zu überdenken sei. Ein Zusammentreffen der Innenminister der Länder brachte allerdings keine wesentlichen Ergebnisse. Bis heute werden Cannabis-Delikte von Land zu Land verschieden gehandhabt.
Auch eine einheitliche Definition der "geringen Menge", also einer Menge, die zum Eigenbedarf straffrei ist, gibt es bis heute nicht. Während in Sachsen Mengen bis zu 4g als geringe Menge gelten, kann in Hessen unter Umständen auch der Besitz von 30g straffrei bleiben.
Diese Mengenangaben sind allerdings nur Richtwerte, an die kein Richter gebunden ist. Ein Anspruch auf Straffreiheit besteht daher für niemanden.
In Österreich ist der Umgang mit psychoaktiven Substanzen durch das "Suchtmittelgesetz" geregelt, das auch den außermedizinischen Gebrauch von Cannabis verbietet. Zum medizinischen Gebrauch sind auch in Österreich lediglich synthetische THC-Präparate zulässig.
Der Strafrahmen ist auch in Österreich bei kleinen Mengen zum Eigenbedarf meist relativ gering, einheitliche Richtwerte gibt es allerdings nicht.
Anders als in Deutschland gibt es in Österreich formal keine gesetzlichen THC-Grenzwerte für den Anbau von Hanf sowie keine Meldepflicht für den Anbau von Nutzhanf. Verboten ist allerdings der Anbau von Cannabis-Pflanzen zur Gewinnung von Rauschgift. In der Praxis besteht daher kaum ein Unterschied zur deutsch Regelung, da das Gericht bei jeder THC-reichen Hanfpflanze von einer Kultivierung zwecks Rauschgiftgewinnung ausgeht. Was allerdings in Österreich entfällt ist die Meldepflicht. Um Problemen aus dem Weg zu gehen, ist es jedoch ratsam jeden Anbau von Nutzhanf zu melden.
In der Schweiz ist der Umgang mit Cannabis gesetzlich ähnlich wie in Österreich geregelt. Besitz und Handel stellen strafbare Handlugen dar. Für den Anbau gibt es zwar keine festen THC-Grenzwerte, die Aufzucht von Cannabispflanzen zur Herstellung von Drogen ist jedoch untersagt. Meldepflicht von Cannabisanbau besteht auch in der Schweiz nicht.
Anders als in den meisten europäischen Staaten wird in der Schweiz eine sehr liberale Drogenpolitik geführt. Cannabiskonsum und Besitz kleiner Mengen wird in den meisten Fällen nicht strafrechtlich verfolgt - Meist bleibt es bei einer Beschlagnahmung. Drogentests werden generell eher selten durchgeführt.
Eine Zeit lang wurde potentes Marihuana in Form sogenannter Duftsäckchen in Hanfshops legal verkauft. Mittlerweile ist dieser Trick überflüssig geworden, da der Verkauf dieser Duftsäckchen seit einiger Zeit ausdrücklich verboten ist. Trotzdem ist der Kiffer in der Schweiz nicht auf den Straßenverkauf oder private Verbindungen angewiesen, da Cannabis in vielen Geschäften unter dem Ladentisch verkauft wird.
Das relativ liberale Holland ging in den letzten Jahrzehnten einen ganz anderen Weg. Seit den 70er Jahren wird dort der Cannabiskonsum nicht mehr strafrechtlich verfolgt und THC-reiche Cannabisprodukte können - in kleinen Mengen - in sogenannten "Coffeeshops" polizeilich geduldet erworben werden. Außerdem investierte der Staat in die Züchtung von THC-armen Sorten, um dem Hanf wieder eine Chance als Rohstofflieferant auf dem Weltmarkt zu geben.
In Österreich und Deutschland stellt der Konsum von "Suchtgiften" selbst keine strafbare Handlung dar. Verboten ist allerdings der Besitz. Es ist allerdings ein Irrglaube anzunehmen, dass das Mitrauchen bei einem Joint keine strafbare Handlung darstellt, da auch das kurzfristige Halten des Joints und sogar das Weitergeben als Besitz interpretiert werden können. Auch ein positiver Drogentest kann im Auge der Richter einen Drogenbesitz implizieren.
Etwas härter als der Besitz wird Überlassung bestraft. Eine Überlassung geschieht unter anderem durch eine Schenkung - Auch Mitrauchen lassen kann als Schenkung ausgelegt werden. Zusätzlich belastend kann die Weitergabe durch Erwachsene an Jugendliche sein. Ob dieser Tatbestand vorliegt ist durch verschiedene Altersgrenzen geregelt.
Ziemlich harte Strafen sind bei der gewerblichen Weitergabe von Haschisch oder Marihuana zu erwarten. Mildernd kann es sich dabei auswirken, wenn der Handel zur Deckung des Eigenbedarfs geschieht. Auch der Erwerb mit dem Ziel der Weitergabe kann unter ein erhöhtes Strafmaß fallen. Mitunter gilt für die Gerichte das Ziel der Weitergabe schon durch den Besitz gewisser Grenzmengen als erwiesen. Das Strafmaß für gewerblichen Handel kann mehrere Jahre betragen.
Weil sich THC und seine Metaboliten im Fettgewebe anlagern und nur langsame abgebaut werden, sind sie noch mehrere Wochen nach der letzten Einnahme von Cannabis im Urin nachweisbar. Dazu wird die Urinprobe auf einen Testsreifen aufgetropft, der sich falls bestimmte Cannabisrückstände vorhanden sind verfärbt.
Der Einsatz von Urintests zur Abklärung, ob die betreffende Person Drogen konsumiert hat ist sehr fraglich. Zum einen gibt es keine einheitlichen Grenzwerte, zum anderen kann das Ergebnis durch falsche Handhabung sehr leicht verfälscht werden. Speziell beim Cannabis kommt noch hinzu, dass die Droge über sehr lange Zeit nachweisbar ist und der Test somit keinerlei Hinweise auf den Zeitpunkt der letzten Einnahme der Droge gibt. Ein weiter Schwachpunkt der Cannabis-Tests ist, dass auch Passivrauchen zu einem Positivem Ergebnis führen kann. Außerdem kann auch der Konsum von legal erhältlichen Nahrungsmitteln wie Hanfbier, dessen THC-Gehalt die gesetzlichen Normen erfüllt, für einen positiven Test verantwortlich sein.
Ungeachtet dieser großen Mängel werden aufgrund positiver Test mitunter sehr harte Strafen verhängt. Ein Führerscheinentzug ist möglich, auch ohne dass bewiesen werden kann, dass der Betroffene tatsächlich unter Einfluss von Cannabis am Steuer war. Schüler werden immer wieder von der Schule verwiesen und auch beim Bundesheer kann ein positiver Cannabis-Test zu erheblichen Schwierigkeiten und einer Verzögerung des Wehrdienstes führen.
Während durch den Einsatz von THC-Tests kein eindeutiger Beweis für den Konsum von Haschisch oder Marihuana gelingen kann, ist durch die Einführung von THC-Tests etwas ganz anderes gelungen, nämlich die Schaffung eines neuen Industriezweigs: Auf der einen Seite buhlen große Konzerne, die THC-Tests entwickeln, um die lukrativen Lieferaufträge staatlicher Stellen. Auf der anderen Seite gibt Firmen, die sich auf die Herstellung spezieller Vitaminpräparate spezialisiert haben, die zu einem Hohen Preis in Hanfzubehör-Geschäften erhältlich sind und das Testergebnis relativ zuverlässig verfälschen. Besonders Schädlich für den Körper ist der Einsatz diese Präparate wahrscheinlich nicht. Werden jedoch im Zuge des Drogentests auch andere Urinwerte und Blutwerte ermittelt, ist der Betrug bei Kenntnis derartiger Präparate leicht ersichtlich. Weiters ist zu bedenken, dass es durch die verfälschen Werte bei einer ärztlichen Untersuchung natürlich auch zu Fehldiagnosen kommen kann.
Seit Jahrtausenden kauen die südamerikanischen Indianer der tropischen Breitengrade die Blätter des Cocastrauchs zur Steigerung der körperlichen und geistigen Leistung. Mit der Entdeckung Amerikas kam die Droge auch nach Europa, wo sie anfangs kaum auf Interesse stieß.
Erst mit der Isolierung des wirksamen Alkaloids Mitte des 18. Jahrhundert, das man Kokain nannte, wurde die Droge nach und nach einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Schon einige Jahr nach der Entdeckung kam ein Getränk mit Namen "Vin Mariani" auf den Markt, das neben Wein auch Extrakte aus der Kokapflanze enthielt und sich sehr schnell großer Beliebtheit erfreute. Bis heute im Handel ist das später erfundene "Coca Cola", das anfangs ebenfalls Kokain enthielt. Auch in der Medizin sicherte sich Kokain als erstes wirksames Lokalanästhetikum über viele Jahre hinweg eine fixen Platz..
Im Zuge der goldenen 20er wurde Kokain schließlich zur Modedroge. Während das weiße Pulver anfangs noch in Apotheken erhältlich war folgen nun weltweite Verbote. Zudem kam es zur Weltwirtschaftskrise, wodurch Kokain schließlich weitgehend aus dem Alltagsleben verschwand und von den weitaus billigeren - damals noch legalen - Amphetaminen ersetzt wurde. In den 80ern erlebte die Droge eine Renaissance und ist bis heute neben Cannabis und Heroin eine der drei verbreitetsten illegalen Drogen. Besonders verbreitet ist die Droge in der Welt der Stars und Sternchen, sowie überall dort wo Produktivität und Leistung zählen - nicht zu letzt auch als Dopingmittel im Spitzensport.
Die Wirkung von Coca und Kokain ist stimulierend, euphorisierend und leistungssteigernd, wobei reines Kokain um ein vielfaches stärker wirkt als gekaute Cocablätter. Zur Einnahme von Kokain wird das weiße Pulver meist durch die Nase gezogen. Injektion und orale Einname sind auch möglich. Um Kokain rauchen zu können muss es allerdings erst durch eine chemische Reaktion zu einer freien Base, die man "Crack" nennt, umgewandelt werden.
Erythroxylum coca
Der Cocastrauch stammt aus den tropischen Gebieten Südamerikas und wird dort bis heute kultiviert. In den letzten Jahrhunderten konnte er sich weltweit verbreiten und wird heute von Indonesien bis Südamerika in tropischen Gebieten angebaut. Er gehört der Gattung Erythroxylum, die etwa 300 Arten umfasst, an. Doch nur die Arten Erythroxylum coca und Erythroxylum novogranatense enthalten nennenswerte Mengen an Kokain. Die verbreitetere dieser beiden Arten ist Erythroxylum coca, von der es 2 Varietäten gibt:
Erythroxylum coca var. ipadu: Im Regenwald des Amazonasbeckens ansässig
Erythroxylum coca var. coca: beheimatet in den feuchten Bergregionen von Ecuador bis Bolivien; bevorzugt auf Höhenlagen zwischen 500 und 1500m.
Der Cocastrauch wächst bevorzugt auf humusreichen lockeren Lehmböden und benötigt hohe Luftfeuchtigkeit und reichlich Niederschlag. Auf großen Plantagen, den sogenannten "Concales", wird die strauchartige zweiblättrige Tropenpflanze mit ihren elliptischen Blättern heute hauptsächlich zur Kokainproduktion für den Weltmarkt angebaut. Während der Regenzeit können alle zwei Monate seine Blätter abgepflückt werden. Dabei werden meist fast alle Blätter entfernt, was dem Stauch nicht schadet, doch verhindert, dass er zu einem hohen baumartigen Gewächs wird, dessen Blätter kaum noch Kokain enthalten.
In den tropischen Gebieten Südamerikas werden von einem Großteil der Eingeborenenstämme bis heute Cocablätter zur Berauschung und Leistungssteigerung gekaut. Damit sie ihre gewünschte Wirkung entfalten müssen sie zuerst getrocknet werden. Dabei sollten sie ihre grüne Farbe behalten und elastisch bleiben. Frisch gepflückte Blätter müssen vor der Einnahme geröstet oder als Tee gekocht werden. Es ist auch möglich sie zu rauchen.
Zur Aufbewahrung des Coca gibt es traditionelle Gefäße. Im Amazonasgebiet wird das Coca-Asche-Pulver meist in Cocaflaschen oder Cocabeuteln gegeben. Die Indianer in den andinen Regionen bewahren Ihre Cocablätter in gewebten Taschen auf. Diese Gefäße sind meist mit abstrakten Mustern, Tier- oder Götterbildern verziert.
Damit die Blätter beim Kauen ihre Wirkung entfalten, müssen sie zusammen mit einer alkalischen Substanz, die das Kokain aus den Blättern löst, gekaut werden. Hier gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten. Im Andengebiet werden die Cocablätter zusammen mit Pflanzenasche gekaut. Zur Herstellung der Asche werden die Pflanzenteile in einem Gefäß so lange über einer Feuerstelle gehalten, bis sie von selbst zu Asche zerfallen. Diese Asche wird dann befeuchtet und zusammen mit einer Trägersubstanz wie Stärke geformt und getrocknet. Abreibungen von diesem Aschekuchen können dann zusammen mit Cocablättern gekaut werden. In Bolivien und Nordwestargentinien wird heute Natriumcarbonat, das dort in kleinen Säckchen überall erhältlich ist, statt Pflanzenasche verwendet. Zur Geschmacksverbesserung werden auch gerne aromatische Pflanzenteile mitgekaut.
Im brasilianischen Amazonasgebiet Erfolgt der Cocakonsum auf eine etwas andere Art. Die frisch gepflückten Blätter werden langsam geröstet und anschließend zerstampft. Dieses Pulver wird dann mit der oben beschriebenen Pflanzenasche zu gleichen Teilen gemischt. Dieses Gemisch wird nun mit dem Löffel in den Mund genommen und eingespeichelt. Es wird zwischen Backen und Zähne geschoben und löst sich dort langsam auf und wird nach und nach hinuntergeschluckt.
Die Makuindianer (Amazonasgebiet) bereiten aus den gerösteten Cocablättern täglich ein Brot. In manchen Gebieten Kolumbiens ist es üblich, das Asche-Coca-Gemisch zu schnupfen.
Die südamerikanischen Indianer benötigen pro Tag etwa 50 Coca-Blätter zum Kauen. Für einen wirksamen Tee sind nur etwa 5 Blätter erforderlich. Beim Rauchen entfalten schon 0,1 g geröstete Cocablätter eine stimulierende Wirkung.
Das Kauen von Cocablätter kann nur bedingt mit dem Konsum von reinem Kokain verglichen werden. Zwar enthalten die Cocablätter bis zu 2% Kokain, doch beim Kauen wird ein Großteil dieses Kokains durch den Speichel im Mund bzw. nach dem Schlucken vom Magensaft zu dem weniger potenten Stoff Ecgonin umgewandelt. Der Metabolit Ecgonin wirkt zwar auch anregend und leistungssteigernd, aber milder und ist weniger suchterzeugend.
Kurz nachdem man mit dem Kauen beginnt spürt man wie die Mundschleimhaut taub wird. Etwas später stellt sich die stimulierende Wirkung ein. Kokain und sein Metabolit Ecgonin bleiben etwa 7 Stunden im Blutkreislauf, doch die wirksame Menge ist bereist nach 1 bis 2 Stunden abgebaut.
Für die südamerikanischen Indianer ist das Cocakauen lebenswichtig. Die Cocablätter dienen als Nahrungsmittel und als Droge. Ihr Kauen verursacht nicht nur eine Stimmungsaufhellung und subjektive Leistungssteigerung, sondern macht den Körper tatsächlich leistungsfähiger. So verbessert es die Sauerstoffaufnahme, was für den Bewohner hoher Andenregionen mit dünner Luft die Arbeit erleichtert. Weiters wirkt es regulierend auf den Blutzuckerspiegel. Ist dieser zu hoch wird er gesenkt, ist er zu niedrig, wird er erhöht. Außerdem betäubt es die Magennerven und unterdrückt so das Hungergefühl.
Bei regelmäßigen Cocakauen wird die Mundschleimhaut sehr stark durch das aggressive Kokain angegriffen. Bei chronischem Konsum treten häufig Geschwülste und Entzündungen im Mund auf. Den cocakauenden Stämmen sind diese Probleme sehr gut bekannt und es gibt daher auch eine Reihe an Arzneien dagegen wie Tees oder Pulver, direkt auf die Mundschleimhaut gestreut werden.
Koks, Cola, Coke, Schnee
Kokain ist der Hauptwirkstoff der von den süd- amerikanischen Indianern bis heute gerne gekauten Blätter des Cocastrauches. 1860 gelang es das erste mal, die Substanz zu isolieren. Seit 1902 kann sie auch rein synthetisch hergestellt werden.
Kokain ist meist fast immer mit anderen Substanzen gestreckt. Beliebte Streckmittel sind z.B. Milchpulver oder Zucker. Oft wird Kokain zur Steigerung der Wirkung auch mit dem billigeren Amphetamin oder Methamphetamin oder mit dem legalen Koffein versetzt. Besonders gefährlich und schädlich sind Mischungen mit Heroin und dem Nervengift Strychnin. Pures Kokain taucht sehr selten am Schwarzmarkt auf und wird ohnehin gerne von den Konsumenten gestreckt um Überdosierungen zu vermeiden.
Die Hauptanbaugebiete sind heute die südamerikanischen Länder Peru, Bolivien und Kolumbien, sowie weite Teile Asiens und Südostasiens. In diesen Ländern sind oft ganze Regionen vom Anbau von Coca abhängig. Die Politiker dieser Länder sind meist auch nicht gewillt etwas an diese Lage zu ändern, da sie selbst durch Bestechungsgelder Nutznießer des Drogenhandels sind. Ein Aufbrechen der bestehenden Machtstrukturen ist meist nicht möglich und auch von Seite der westlichen Industriestaaten nicht unbedingt erwünscht, da ein zu starkes Eingreifen in den Drogenhandel viele Staaten in ein völliges Chaos stürzen würde.
Zum Konsum wird Kokain meist durch einen Halm oder zusammengerolltes Papier in die Nase gesaugt ("gezogen"), wo es von den Nasenschleimhäuten resorbiert wird. Weiter Möglichkeiten sind die intravenöse Injektion und die orale Einnahme. Zum Rauchen ist Kokain nur wenig geeignet, da es sich beim Erhitzen großteils zersetzt. In den 80ern wurde allerdings eine Methode entdeckt um aus Kokain auf einfache Weise das hochpotente Crack herzustellen, das verdampft und inhaliert wird. Die Wirkung von Crack ist um ein noch intensiver als die des Kokains und auch die Suchtgefahr ist um ein vielfaches höher.
Auf physiologischer Ebene kommt die stimulierende Wirkung von Kokain durch eine vermehrte Ausschüttung der Transmitter Dopamin und Noradrenalin sowie eine Hemmung der Wiederaufnahme in die präsynaptische Membran zustande. So sammeln sich die Transmitter im synaptischen Spalt an, was eine höhere Aktivität bewirkt. Außerdem wird der Abbau von Adrenalin verhindert, wodurch Herzfrequenz und Blutdruck ansteigen. Durch ein Blockieren der Natriumkanäle werden die Schmerzrezeptoren gehemmt, was das Empfinden von Schmerz, Wärme, Kälte und Druck beeinflusst. Daher kommt es im Kokainrausch oft zu Halluzinationen des Tastsinns. Abgebaut wird die Droge in Leber und Nieren. Körperliche Anzeichen von Kokainkonsum sind neben erhöhter Herzfrequenz und erhöhtem Blutdruck auch erweitere Pupillen.
Da sich Kokain in den Haaren anlagert, ist je nach Haarlänge Kokainkonsum relativ lange nachweisbar. Als Faustregel gilt: Die Länge der Haare in Zentimeter gibt an, wieviele Monate der letzte Konsum zumindest zurückreichen muss, um in einer Haarprobe nicht mehr nachweisbar zu sein.
Eine weitere Wirkung des Kokains ist die lokale Betäubung. Wird es auf die Zunge aufgebracht, so macht sich innerhalb von Sekunden ein Taubheitsgefühl bemerkbar. Durch diese einfache Methode ist es möglich Kokain schnell und zuverlässlich auf seine Echtheit zu prüfen.
Sobald das Kokain im Gehirn ist, setzt eine Euphorie ein. Beim Schnupfen ist das schon nach wenigen Minuten. Diese Phase dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Danach machen sich vor allem gesteigerte Leistungsfähigkeit und Ausdauer bemerkbar. Nach 1 bis 2 Stunden klingt auch diese Wirkung aus. Die intensivste Wirkung setzt nach intravenöser Injektion, da hier das gesamte Kokain in den Blutkreislauf gelangt. Sie setzt schon nach einigen Momenten ein und lässt auch schneller als bei den anderen Einnahmeformen wieder nach. Auch die Suchtgefahr ist hier am größten. Bei der oralen Einnahme dauert es mindestens eine halbe Stunde bis die Wirkung einsetzt. Die Wirkung kommt sehr langsam und klingt auch wieder sanfter aus und wird als milder empfunden.
Durch Kokain wird die Müdigkeit unterdrückt und der Schlaf kann sehr lange hinausgezögert werden. Das sexuelle Verlangen wird of -, besonders bei anfänglichem Konsum -- gesteigert. Da durch Kokain das Hungergefühl unterdrückt wird, ist gerade in der Modelszene Kokain als Appetitzügler sehr beliebt. Darüber hinaus führt es durch die Beschleunigung der Körperfunktionen auch bei gleichbleibender Nahrungsaufnahme zu einem Gewichtsverlust.
Bei Unverträglichkeit kann es bereits bei kleinsten Mengen zu einem sogenannten Kokainschock kommen. Dabei verlangsamt sich der Puls und das Gesicht wird extrem blass. Weiters können Angstzustände auftreten. Bei häufigem Konsum können diese abstrakten Ängste Gestalt annehmen - Wahnvorstellungen und Paranoia entstehen. Besonders Risikopersonen können Schlaganfall oder Herzinfarkt erleiden. Eine weitere Gefahr stellt die Überschätzung der eigene körperlichen Leistungsfähigkeit dar, was bei andauernder Überbelastung zu bleibenden Schäden führen kann.
Vom Mischkonsum mit anderen Substanzen ist generell abzuraten. Besonders mit MAO-Hemmern, wie z.B. Ecstasy, kann es zu lebensbedrohlichen Wechselwirkungen kommen.
Meist ist die Ursache für eine Kokainüberdosierung, dass Konsumenten, die gestrecktes Kokain gewohnt sind, auf reines ungestrecktes Kokain stoßen. Doch auch bei besonders hohen Dosen besteht meist keine akute Lebensgefahr. Es können Kopfschmerzen, Übelkeit und Krämpfe auftreten. Pulsfrequenz, Blutdruck und Atmung werden gesteigert. Die Körpertemperatur kann auf bis 42°C ansteigen. Lebensbedrohliche Zustände sind zwar eher selten, doch besonders bei bestehenden Herzproblemen sind Herzrhythmusstörungen, Angina Pectoris oder sogar Herzinfarkt möglich. Bei besonders hohen Dosen können auch Kreislaufversagen, Bewusstlosigkeit oder Koma eintreten. Als Gegenmittel kann man alle 15 Minuten 20mg Diazepam ("Valium") verabreichen, bis eine Beruhigung eintritt. Bei schweren Kreislaufproblemen ist unbedingt ein Arzt zu rufen, der Alpha-Rezeptoren-Blocker wie Tolazolin intramuskulär injizieren sollte.
Zum Schmuggeln von Kokain werden oft kleine mit Kokain gefüllte Kugeln mit geschluckt, die normalerweise nach Überquerung der Grenze wieder ausgeschieden werden. Manchmal passiert es, dass diese Kugeln im Darm platzen. Dem Drogenkurier ist in diesem Fall meistens nicht mehr zu helfen, da das Kokain schnell in den Blutkreislauf gelangt und die Menge in den Kugeln meist letal wirkt.
Bei Chronischem Missbrauch kommt es meist zu einem allgemeinen körperlichen Verfall und Verminderung der Abwehrkräfte aufgrund von Schlafmangel und Vernachlässigung der Ernährung. Häufig treten verschiedene Störungen des Nervensystems auf, die verschiedene visuelle, sensorische und motorische Störungen verursachen. Sehstörungen und Leberschäden können auftreten. Die Schädigung des Gefäßsystems kann zu Hirnblutungen und Hirninfarkten führen. Sexuelles Desinteresse und auch Impotenz können sich einstellen. Kokainsüchtige können einen unberechenbaren Charakter entwickeln und an erheblichen Stimmungsschwankungen, Verfolgungsängsten und weiteren psychischen Problemen bis hin zur Schizophrenie leiden. Die Selbsteinschätzung wird zunehmend unrealistischer und Größenwahn kann sich einstellen. Außerdem ist wird durch das Schnupfen von Kokain die Nasenschleimhaut sehr stark gereizt. Bei langjährigem Konsum kann es sogar zu einer Zersetzung der Nasenscheidewand kommen.
Regelmäßiger Kokainkonsum kann sehr schnell zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Körperliche Abhängigkeit tritt nicht auf. Da es zu einer hohen Toleranzentwicklung gegenüber der Droge kommt, muss die Dosis immer weiter erhöht werden, um den gleichen Effekt zu erzielen. Besonders, wenn man in Gesellschaftsschichten und Freundeskreisen verkehrt, wo gerne Kokain konsumiert wird, fällt das Absetzen schwer. Zur Sucht kommen hier Gewohnheit und Gruppenzwang. Wenn der Süchtige Beschaffungsprobleme hat geht die Sucht meist sozialem Abstieg und zusätzlichen Mangelerscheinungen einher. Allerdings treibt die Kokainsucht den Abhängigen nicht soweit, wie die noch schwerere Heroinsucht, bei der auch die physische Abhängigkeit als zweite Komponente hinzukommt.
Cocain-freebase
Crack ist ein besonders gefährliches Rauschgift, das zum ersten mal 1981 in den USA auftrat. Es wird auch Cocain-freebase genannt, weil das Kokain im Crack als freie Base vorliegt. Zur Herstellung wird Kokain in Wasser gelöst und mit einer anorganischen Base wie Backpulver vermischt. Das Gemisch wird nun so lange erhitzt, bis das Wasser verdampft ist. Es beleibt eine grobkörnige braune Paste zurück, das Crack. Seinen Namen soll es vom Knisternden Geräusch haben, das bei seiner Herstellung entsteht.
Das Crack wird in eine Crackpfeife gegeben oder einfach auf einer Folie erhitzt. Aufgund seines niedrigen Siedepunkts verdampf es schnell. Die Dämpfe werden eingeatmet und schon nach einigen Momenten setzt die Wirkung ein, die als eine nicht steigerbare Euphorie empfunden wird. Schon nach kurzer Zeit lässt die Wirkung wieder nach und hinterlässt großes Verlangen nach einer neuerlichen Einnahme der Droge.
Weil Crack nicht gespritzt oder geschnupft wird, sondern wie das relativ harmlose Cannabis inhaliert wird, wird seine Gefährlichkeit oft unterschätzt. Von der Suchtwirkung her ist die Substanz wahrscheinlich die gefährlichste heute bekannte Droge. Es wird behauptet, dass sich schon nach einmaligem Konsum Merkmale einer körperlichen Abhängigkeiten einstellen können. Außerdem ist es extrem gesundheitsschädlich und führt schnell zu körperlichen Verfall.
In den Großstätten der USA ist Crack ein großes Problem. Besonders in den Armenvierteln der schwarzen Bevölkerung ist es fast an jeder Ecke zu einem relativ geringen Preis erhältlich. Dieser geringe Preis wird aber durch den extrem hohen Bedarf, der durch das kurze Anhalten der Wirkung bei Süchtigen entsteht, wieder ausgeglichen.
Auf dem europäischen Schwarzmarkt tauchte die Droge erst in den letzten Jahren und bisher äußerst sporadisch auf. Das Wissen um die Herstellung ist allerdings auch in gewissen Kreisen in Europa bestens bekannt und so ist es auch in manchen Szenen der alten Welt üblich geworden selbst hergestelltes Crack zu rauchen. Der Begriff Crack wird dabei aber eher selten gebraucht. Meist wird einfach von Kokain oder Rauch-Kokain gesprochen, weshalb die Verbreitung der Droge in Europa sicherlich unterschätzt wird.
In den Regenwäldern der Andenausläufer ist die Cocapflanze seit Jahrtausenden fest in den Kulturen der Eingeborenen verankert. Sie dient dort bis heute als wichtiges Handelsgut, Medizin und als Mittel zur Leistungssteigerung, um in der dünnen Luft der hoch gelegenen Bergregionen überleben zu können. Außerdem spielt sie bei schamanischen Ritualen eine wichtige Rolle. Der älteste archäologische Beleg für das Kauen von Kokablättern wird auf ca. 3000 v. Chr. datiert. Postboten in der Inkazeit überwanden dank der leistungssteigernden Wirkung der Cocablätter die langen Stecken quer durch das Reich.
Nach der Entdeckung Amerikas versuchten die spanischen Eroberer in Südamerika das Kauen von Kokablättern, in dem sie eine teuflische Handlung sahen, zu verbieten. Im Jahr 1560 trat in Neuspanien ein generelles Cocaverbot in Kraft, das allerdings 1569 wieder aufgehoben wurde, da die Besetzer erkannten, dass das Cocakauen so tief in der einheimischen Kultur verwurzelt war, dass es unmöglich war seinen Gebrauch zu unterbinden. Außerdem war Coca - und ist bis heute - ein wichtigstes Handelsgut und Zahlungsmittel zwischen den Indianerstämmen. Dass es mittlerweile auch internationalen Drogenkartellen hohe Einnahmen beschert und der wichtigster Wirtschaftszweig zahlreicher südamerikanischer Staaten, wie etwa Kolumbien, geworden ist, sei an dieser Stelle auch erwähnt.
1566 erschien in Europa das erste Buch über die Cocapflanze. Etwas später brachte der spanische Arzt Nicolas Monardes die erste Cocapflanze nach Europa, doch hier stieß die neue Droge vorerst auf wenig Beachtung. Das lag auch daran, dass man die beschrieben Wirkung hier nicht nachvollziehen konnte, da die Pflanzen durch den langen Transportweg und falsche Lagerung den größten Teil des in den Blättern enthaltenen Kokains verloren hatten.
1859 wurde das wirksame Alkaloid von Albert Niemann zum ersten Mal isoliert und Kokain genannt. In folgenden Jahrzehnten wurde die Droge schnell bekannt und beliebt. Als gefährliche Substanz wurde sie allerdings nicht gesehen und allfälliges Suchtveralten auf die Charakterschwäche des Konsumenten zurückgeführt. 1863 kreierte der korsische Chemiker Angelo Mariani ein Getränk namens "Vin Mariani". Es enthielt Süßwein und ein Extrakt aus Cocablättern. Seine anregende Wirkung sprach sich schnell herum und es fand viele Verehrer wie die Königin Victoria oder den Papst Leo XIII., der den Erfinder des Getränks zum "Wohltäter der Menschheit" erklärte.
Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, hielt Kokain eine Zeit lang für ein mögliches Heilmittel bei psychischen Krankheiten und geeignetes Ersatzmittel bei Morphiumsucht. Vor allem aus Selbstversuchen schloss er, dass Kokain nicht zur Abhängigkeit führt. Als etwas später ein Bekannter nach dem neuen Wundermittel süchtig geworden war, änderte er jedoch seine Ansicht über die Droge. 1885 verwendete der Wiener Augenarzt Karl Koller auf Rat seines Kollegen Sigmund Freud zum ersten Mal Kokain zur örtlichen Betäubung des Auges. Es stellte sich als erstes verlässlich wirksames Lokalanästhetikum bei Augenoperationen heraus und machte somit eine Vollnarkose überflüssig. 1886 wurde vom der Apotheker John S. Pemperton ein weiteres Kokaingetränk kreiert, das man "Coca Cola" nannte. Seit 1904 enthält das Coca Cola allerdings kein Kokain mehr sondern ein nur wirkstoffloses Extrakt aus der Cocapflanze. Erst 1898 wurde die Strukturformel des Kokains entdeckt und 1902 gelang es Richard Willstätter, Kokain synthetisch im Labor herzustellen.
Der Aufstieg des Kokains zur Modedroge in Europa begann nach dem 1. Weltkrieg. In den 20er Jahren war Kokain eine allgegenwärtige Droge, um die sich eine eigene europäische Kokainkultur gebildet hatte. Besonders bei Künstlern und Literaten war Kokain sehr beliebt. Doch bald kam es zu weltweiten Verboten, die bis heute bestehen. Neben dem Verbot war es auch die schlechte Wirtschaftslage der 30er-Jahre die schließlich immer mehr Kokser auf die neuen weit billigeren Amphetamine umsteigen ließen, die bis in dei 70er Jahre legal erhältlich waren. Während in den 60er und 70er Jahren "bewusstseinserweiternde" Drogen wie LSD und Cannabis besonders beliebt waren, kam in den 80er Jahren in der leistungsorientierten Yuppie-Gesellschaft zu einer Wiederentdeckung des Kokains. Seit dieser Zeit ist Kokain nach Cannabis und Heroin die weltweit meist konsumierte illegale Droge. In den 80ern tauchte in den USA auch ein noch viel gefährlicheres chemisch verändertes Kokain auf - das Crack, das in den USA heute die weitaus größten Drogen-Probleme schafft.
In den meisten Ländern fallen sowohl Kokain als auch Cocablätter unter das Betäubungsmittelgesetz. Eine Ausnahme stellen die südamerikanischen Tropenländer dar, wo das Cocakauen in die Kultur die Eingeboren integriert ist: In Peru, Bolivien und Nordwestargentinien ist sind Handel, Anbau und Konsum von Cocablättern legal. In Nordchile ist Cocakonsum zwar verboten, wird aber toleriert.
In der nördlichen Hälfte Südamerikas wird Coca seit mindestens 5.000 Jahren gebraucht und ist seit dieser Zeit in Kultur und Religion der ansässigen Indianerstämme integriert. Bis heute wird es den Göttern geopfert und von Schamanen bei Orakeln und Heilritualen konsumiert. Die Ursachen von Krankheiten werden von den Indianern meist in der Geister- bzw. Götterwelt gesucht. Die Cocablätter haben hier zwei Funktionen. Durch den Cocarausch kann der Schamane mit den Göttern und Geistern in Verbindung treten. Durch Opfergaben werden diese besänftigt, was den Kranken heilen soll. Auch der Kranke selbst bekommt in zeremoniellen Zusammenhang Coca verabreicht. Den Toten wird Coca auf die Reise ins Jenseits mitgegeben. Auf der Höchsten Stelle eines Passes in den Anden befindet sich meist ein Opferhaufen, wo Cocablätter und andere Opfergaben den Götter hinterlassen werden. Auch bei sozialen Kontakten spielt Coca eine wichtige Rolle. Besonders bei Stammesfesten werden Große Mengen an Coca konsumiert, geopfert und geschenkt. Bei Zusammentreffen von Indianern wird Coca ausgetauscht und zusammen gekaut. Sich gegenseitig Coca anzubieten ist eine Geste der Höflichkeit.
Im Inkareich gab es kaum ein religiöses oder kulturelles Ereignis bei dem Coca fehlte. Die Postboten der Inkas, die zur Nachrichtenverbreitung in möglichst kurzer Zeit lange Stecken durch das unwegsame Andengebiet zurücklegen mussten, wären ohne Coca wohl zusammengebrochen. Als die Spanier nach Südamerika kamen, sah man in der Droge der ansässigen Indianer ein Teufelswerk. Anfangs versuchten die europäischen Unterdrücker, den Cocakonsum durch simple Gesetzte zu unterbinden, doch nach einigen Jahren mussten die Gesetze wieder fallengelassen werden, da sich die Indianer mit Vehemenz gegen dieses Diktat wehrten und ihr Coca, das für sie Handelsgut, Nahrungsmittel und sakrale Droge war (und ist), nicht unter keine Umständen aufgeben wollten.
Nachdem es seit 1859 möglich war, den Wirkstoff, das Kokain, zu isolieren, nahm die Droge auch zunehmend Einfluss auf das europäische Kulturleben. In den goldenen 20ern wurde Kokain zur Modedroge der industriellen Welt. Seine Wirkung passte genau zum damaligen Zeitgeist. Leistung und Produktivität waren gefragt. Kokain machte die Menschen munter und aktiv. Im Zuge der zunehmenden Wirtschaftsprobleme und schließlich des zweiten Weltkriegs kam die Droge zunehmend in Vergessenheit. Nachdem in der Hippiezeit bewusstseinserweiternde Mittel Drogen erster Wahl waren, erlangte Kokain in den 80er in der Yuppiegesellschaft wieder an Bedeutung. Es waren wieder Fortschritt, Kapitalvermehrung und Arbeit gefragt. Seither ist Kokain in ungebrochenem Maße populär.
Besonders in Künstler- und Literatenkreisen erfreut sich Kokain großer Beliebtheit. So inspirierte im 19. Jahrhundert das Coca-haltige Weingetränk "Vin Mariani" Schriftsteller wie Jules Verne, H.G. Wells oder Alexandre Dumas beim und zum Schreiben ihrer Werke. Canon Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes nahm gerne, wenn er bei einem Fall nicht weiterkam eine Prise Kokain, um unter seiner Wirkung zu neuen Ideen und Erkenntnissen zu kommen. Der Engländer Robert Louis Stevenson soll seinen 1885 erschienenen Roman "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" im Kokainrausch ständigen geschrieben haben, da er die Droge unwissentlich als Medizin verschrieben bekommen hatte. Interessant an seinem Werk ist, dass der Fall Dr. Jekyll - wohl intuitiv - einen Persönlichkeitszerfall, wie er oft bei chronischem Kokainkonsum auftritt, beschrieben hat. Gottfried Benn hat der Droge sogar den Inhalt 2er 1927 erschienener Gedichte gewidmet ("Kokain" und "O Nacht")
Richard Strauß bekam 1928 zur Vorbereitung eines kleinen Eingriffs Wattebäuschchen in die Nase geschoben, die mit Kokain getränkt waren. Infolge schrieb er in kürzester Zeit zwei Arien ("Aber der richtige, wenn's einen für mich gibt", "Und du wirst mein Gebieter sein") seiner Oper "Arabella" fertig.
In den meisten Ländern fallen sowohl Kokain als auch Cocablätter unter das Betäubungsmittelgesetz. Eine Ausnahme stellen die südamerikanischen Tropenländer dar, wo das Cocakauen in die Kultur die Eingeboren integriert ist: In Peru, Bolivien und Nordwestargentinien ist sind Handel, Anbau und Konsum von Cocablättern legal. In Nordchile ist Cocakonsum zwar verboten, wird aber toleriert.
Heute ist die Modedroge Kokain besonders im Entertainment-Bereich sehr häufig anzutreffen. Der Liedermacher Konstantin Wecker wäre an seiner Jahrzehntelangen Kokainsucht fast zugrunde gegangen. Andreas Hölzl, auch unter dem Künstlernamen Falco bekannt, der erfolgreichste österreichische Popmusiker aller Zeiten, stand offen zu seiner Liebe zum Kokain. Auf seinem letzten posthum erschienen Album findet sich eine Coverversion des Liedes "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" aus den 20ern. Als er bei einem Autounfall starb hatte er unter anderem große Mengen Kokain, Alkohol, THC und Barbiturate im Blut - ein tödlicher Drogencocktail., der wahrscheinlich der Grund für einen von ihn verschuldeten Unfall war.
In den Anden und dem Amazonasgebiet hat Coca bis heute einen sehr hohen Stellenwert in der Volksmedizin. Es wird bei Schmerzen aller Art, Neuralgien, Rheuma, Erkältungen, Grippe, Verdauungsstörungen, Verstopfung, Koliken, verdorbenen Magen, Höhenkrankheit, Ermüdung, Schwächezuständen und zur Erleichterung der Geburt verwendet. Cocatee wird bei Zuckerkrankheit, als Appetitzügler, gegen die Höhenkrankheit, als Tonikum (Stärkungsmittel) und zur Stabilisierung des Magen-Darm-Trakts z.B. bei Durchfall verordnet. Bei Bronchitis, Asthma und Husten werden die Cocablätter geräuchert oder geraucht.
Meist sind es seine psychisch und physisch stärkende Wirkung, seine schmerzhemmende Wirkung, seine Eigenschaft als appetithemmendes Mittel sowie seine regulierende Wirkung auf den Blutzuckerspiegel, die man sich zu nutze macht.
In Europa wurden Cocablätter im 19. Jahrhundert manchmal gegen Asthma gegeben. Doch erst nachdem es 1859 dem deutschen Chemiker Albert Niemann gelungen war, das wirksame Alkaloid, das er Kokain nannte, aus den Cocablättern zu isolieren, interessierten sich zunehmend Ärzte für den neuen Wirkstoff. Siegmund Freud nahm selbst drei Jahre lang Kokain. Er hielt es für ein gutes Schmerzmittel und mögliches Heilmittel bei psychischen Krankheiten. Nachdem er lange Zeit Kokain genommen hatte, ohne selbst eine Anhängigkeit zu entwickeln, kam er auch auf den Schluss dass die Droge ein gutes Ersatzmittel bei Morphiumsucht sei. Dies veranlasste ihn dazu, die Droge seinem morphium-süchtigen Freund Ernst Fleischl-Marxow zu empfehlen. Als dieser aber bald nach der Ersatzdroge selbst süchtig wurde, musste Freud seine Meinung ändern. Wissenschaftliche Analysen sollen ergeben haben, dass erst seine Kokainerfahrung das zehn Jahre später erschienene Hauptwerk "Traumdeutung" ermöglicht hat. Das Kokain soll nämlich gewisse psychische Schranken gelockert haben und so Freud Zugang zu seinem Unbewussten ermöglicht haben.
Auf einen Rat von Freud hin untersuchte sein Kollege Karl Koller, ein Wiener Augenarzt, die Möglichkeit mit Kokain das Auge zu betäuben. Es stellte sich heraus, dass das Kokain verlässlich die Schmerzempfindung im Bereich des Auges vorübergehend ausschalten kann. 1885 wurde die erste Staroperation mit einer Kokain-Lokalanästhesie durchgeführt. Somit war Kokain das weltweit erste verlässlich wirkende Lokalanästhetikum und machte bei vielen Augenoperationen eine risikoreiche Vollnarkose überflüssig. Heute ist es in der Augenheilkunde von besseren rein synthetischen Substanzen wie Procain und Lidocain abgelöst. Diese Substanzen haben zwar die schmerzhemmende Eigenschaft des Kokains, jedoch keine psychotrope Wirkung. Vorbild zu ihrer Synthese war die chemische Grundstruktur des Kokains.
Seit Jahrtausenden wird aus den Kapseln des Schlafmohns (Papaver somniferum) das berauschende Opium gewonnen. Für seine Wirkung ist eine Reihe von Alkaloiden verantwortlich, die man unter dem Begriff Opium-Alkaloide zusammenfasst. Zu ihnen zählen auch Morphium, das am stärksten psychoaktiv wirkt, und Kodein, das bis heute verschiedenen Hustensäften zugesetzt wird.
Alle Opium-Alkaloide und alle weiteren Stoffe, die Agonisten derselben Rezeptoren im Gehirn sind werden unter dem Begriff Opiate oder Opioide zusammengefasst. Zu ihnen zählen neben natürlichen Opiaten das halbsynthetische Heroin und die Gruppe der vollsynthetischen Fentanyle und einige weitere Substanzen unterschiedlicher chemischer Struktur.
Die einzige bindende Gemeinsamkeit zwischen den Opiaten ist das Ankoppeln an denselben Rezeptortyp. Die natürlichen Agonisten dieser Rezeptoren fand man erst sehr spät. Man vermutete eine opiatähnliche Wirkung im Körper und nannte sie daher Endogene Morphine, kurz Endorphine. Heute weiß man, dass Endorphine besonders in Extremsituationen vom Körper ausgeschüttet werden, was ähnlich wie bei der Einnahme von Opiate bis zur völligen Ausschaltung des Schmerzempfinden und enormer Euphorie führen kann. Auch besondere Erfolgserlebnisse werden wahrscheinlich erst durch eine Ausschüttung von Endorphinen zu unvergesslichen Glückserlebnissen.
Opium ist relativ harmlos. Es wirkt zwar auch stark sedierend, ist jedoch bei richtiger Einnahme kaum gesundheitsschädlich und hat ein mittelgradiges Suchtpotential. Anders verhält es sich wenn sein Hauptwirkstoff Morphin in Reinform eingenommen wird. Seit der ersten Isolierung des Alkaloids Anfang des 18. Jahrhunderts kam es immer öfter zu Suchtbildungen bei Konsumenten. Als man dies - relativ spät erkannte - begann die Suche nach einer neuen Arznei, die ähnliche gute schmerzlindernde Eigenschaften wie die des Morphins mit einer niedereren Suchtgefahr verbinden sollte. Ein Resultat dieser Suche war das Diacetylmorphin, das unter dem Namen "Heroin" bekannt wurde. Heute sind sowohl Morphin als auch Heroin illegale Drogen. Da Morphin bis heute ein unübertroffenes Schmerzmittel ist, kann es immer noch in besonders schweren Fällen unter strenger Aufsicht verschrieben werden.
Neben den klassischen Opiaten gibt es heute einige rein synthetische Substanzen, die ähnlich eine ähnliche Wirkung wie Morphin auslösen. Der Grund dafür ist, das sie - auch bei kaum vorhandener chemischer Verwandtschaft - an die selben Rezeptortypen des Gehirns andocken. Bekanntester Vertreter aus dieser Gruppe ist heute das Methadon, das im Rahmen vom Heroin-Entzug heute in vielen Ländern ärztlich verschrieben werden kann. Eine zeitlang waren auch die Fentanyle sehr beliebt in der Medizin. Einige Substanzen aus dieser Stofffamilie sind mehrer tausendmal potenter als Morphin - Mit anderen Worten: Ein Bruchteil der entsprechenden Morphin-Dosis kann ähnliche psychische und analgetische Effekte auslösen.
Papaver somniferum
Der Schlafmohn gehört zur Familie der Papaveraceae, zu Deutsch "Mohngewächse". Seine genaue botanische Bezeichnung ist Papaver somniferum. Der Schlafmohn ist eine einjährige Pflanze, die in Mitteleuropa zwischen Juni und Juli blüht, und wird 50 bis 170 cm hoch. Er besitzt einen leicht behaarten, meist geraden und nicht verzweigten Stängel mit einigen Blättern, auf dem eine Blüte sitzt. In der Blüte mit den vier Blütenblättern, die sehr unterschiedliche Farben haben können, sitzt der Stempel, der nach der Bestäubung zur Mohnkapsel heranreift. Die Mohnkapsel, die eigentliche Frucht des Schlafmohns, wird 2 bis 6 cm groß und enthält bis zu 2.000 Samen. Sie selbst und der Saft, der durch ein Einritzen austritt, werden zu medizinischen Zwecken und als Droge benutzt.
Dei Vermehrung des Schlafmohns geschieht mit Samen, die legal im Pflanzenfachgeschäft erhältlich sind und im Frühjahr einfach im Garten ausgesät werden. Der Boden sollte humusreich sein und aufgrund des hohen Kalkbedarfs des Mohns viel Kalk enthalten.
Die gesamte Pflanze außer Wurzeln und Blütenblätter enthält eine Flüssigkeit, die sich an der Luft zu Rohopium eindickt. Rohopium, der Ausgangsstoff für Opium, Morphium und Heroin enthält ca. 40 Alkaloide. Die wichtigsten sind Morphin (3 - 23%), Papaverin (0,1 - 2%), Codein (0,1 - 4%), Narcotin (1-11%) und Thebain (0,1 - 4%). Für die berauschende Wirkung ist vor allem das Morphin verantwortlich, das heute unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Codin ist heute beispielsweise in Hustensäften enthalten.
Rohopium entsteht, wenn der weiße Milchsaft (Latex) des Schlafmohns, der verschiedene Alkaloide enthält, an die Luft gerät. Dazu werden am Ende der Blütephase die Mohnkapseln mit einem speziellen Messer eingeritzt. Dadurch tritt der Milchsaft aus und wird fest. Am nächsten Tag kann man das braune Rohopium abkratzen. Pro Kapsel erhält man bis zu 50mg. Es wird gepresst und sollte luftdicht im Dunkeln aufbewahrt werden. Das so gewonnene Rohopium kann durch Fermentierung und Erhitzen weiterverarbeitet werden.
Opium kann man oral oder rektal als Klistier einnehmen, es rauchen oder sogar in Salzwasser gelöst injizieren. Zur oralen Einnahme wird es meist mit geschmacksverbessernden Zutaten wie Zimt in Flüssigkeit aufgelöst getrunken. In der Antike wurden gerne "Schlummertrünke" getrunken, die vor allem Opium und Wein enthielten. Auch das berühmte "Laudanum" enthielt diese Zutaten. Pur wird Opium nicht geraucht, sondern in einer Pfeife verdampft und inhaliert. Es kann aber auch zusammen mit Tabak in Wasserpfeifen geraucht werden.
Die kurz nach Abfallen der Blätter geernteten Kapseln können getrocknet und als Tee getrunken werden. Die Blätter des Schlafmohns werden oft getrocknet und mit Tabak geraucht.
Die Wirkung des Opiums kommt von den Opiumalkaloiden, wie Morphin, Papaverin, Codein, Narcotin und Thebain, von denen besonders Morphin starke psychoaktive Wirkung besitzt. Ähnlich wie bei den Cannabinoiden des Cannabis ist es erst die jeweilige Zusammensetzung des Opiums aus den über 40 Alkaloiden, die die sortenspezifische Wirkung der Droge ausmacht.
Nach dem Rauchen oder Essen bzw. Trinken von Opium setzt bald eine Wirkung ein, die 6 bis 8 Stunden anhalten kann. Dabei hat der Rausch bei oraler Einnahme nach Angabe von Konsumenten eine deutlich stärkere Wirkung auf den Körper, gerauchtes Opium hingegen soll den Geist beflügeln und die Phantasie anregen. Opiumraucher berichten immer wieder von Halluzinationen, die oft einen erotischen Charakter haben. Als Nachwirkung des Opiumrausches können sich (meinst am nächsten Tag) Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen einstellen.
Ein Suchtpotential ist bei Opium schon allein wegen dem Inhaltsstoff Morphin zweifelsfrei gegeben, allerdings ist es deutlich geringer als etwa das von reinem Morphin oder dem noch gefährlicheren Morphinderivat Heroin. Dass Opium allerdings keineswegs unbedenklich ist, zeigen die Berichte von De Quincey aus "Bekenntnisse eines englischen Opiumessers", wo er schildert, wie sich nach langjähriger Opiumsucht sein Zeitgefühl und sein Realitätserleben unangenehm verändert haben.
Morphium
Morphium bzw. Morphin ist das wichtigste Alkaloid des aus Schlafmohn gewonnenen Opium. Die Begriffe Morphium und Morphin sind zwar deckungsgleich, allerdings wird das Wort Morphium eher bei Drogengebrauch verwendet und Morphin, wenn es um den chemische und medizinische Aspekte der des Stoffes geht.
1804 ist es dem deutschen Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner erstmals gelungen Morphin aus Opium zu isolieren. Es war das weltweit erste isolierte Alkaloid, doch wie es bei wissenschaftlichen Neuerungen oft der Fall ist, fand auch diese Entdeckung vorerst wenig Beachtung in der Fachwelt. Erst über ein Jahrzehnt später bekam Wilhelm Sertürner die ihm gebührende Anerkennung. Bald gelang es noch weitere Pflanzenbasen, also Alkaloide, zu isolieren und ein neuer Chemiezweig war geboren, die Alkaloidchemie.
Mit dem Morphin hatte man die schmerzlindernde Kraft des Opiums in einer genau dosierbaren Reinform und somit wurde es immer mehr in der Medizin eingesetzt. Sein Suchtpotential wurde anfangs allerdings in der Öffentlichkeit weit unterschätzt. Das kommt auch daher, dass es nachweislich leichter ist Morphium nach einer Schmerzbehandlung abzusetzen, als nach einer gleich langen Anwendung aus hedonistischen Motiven heraus. Erst im Zuge zweier Kriege wurde die hohe Gefahr der Suchtbildung - auch bei medizinischer Anwendung - erkannt. Zuerst wurde Morphium im amerikanischen Sezessionskrieg (1861 - 1865) zur Behandlung der Verletzen eingesetzt, doch nach der Genesung verlangten viele Verwundete immer noch der Droge. Als es den Verwundeten des Deutsch - Französischen Krieg (1870/71) sogar gestattet war sich selbst nach Belieben Morphium zu injizieren, war die Zahl derer, die als Morphiumabhängige aus dem Krieg zurückkehrten noch größer.
In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gelang es schließlich, die Strukturformel der Morphins zu ermitteln, was eine wichtige Grundlage für weitere Synthesen bildete.
Anfangs wurde Morphium vor allem oral verabreicht. Auf der Haut hat es keine Wirkung. Wenn man es allerdings auf eine Wunde tropft, kommt es schnell in die Blutbahn. Für diese Anwendungsform hielten sich viele Menschen eine Wunde offen, auf die sie in regelmäßigen Abständen Morphium tropften. Eine neue Qualität bekam der Morphiumgebrauch mit der Einführung der Injektionsspritze 1853 von Pravaz. Damit war es zum einen möglich, bei akuten Schmerzen eine schnelle Linderung herbeizuführen, zum anderen, einen unbeschreiblichen plötzlich einsetzenden Rausch zu erzeugen.
Die Wirkung von Morphium ist der des Heroins sehr ähnlich mit einem höheren schmerzlindernden Effekt. Daher ist Morphium bis heute in medizinischem Einsatz, beispielsweise bei der Euthanasie. Auch die Gefahren sind die gleichen wie bei Heroin. Für den Schwarzmarkt wir Morphin heute kaum hergestellt, allerdings tauchen immer wieder für den medizinischen Einsatz bestimmte Morphiumpräparate in der Drogenszene auf.
Nachdem man merkte, dass Morphium sehr suchterzeugend ist, machte man sich auf die Suche nach ähnlich wirkenden, doch nicht so süchtig machenden Stoffen. So entdeckte man Ende des 19. Jahrhunderts das Diacetylmorphin, das unter dem Namen Heroin (von gr. Heros - "Held") bekannt wurde. Es entsteht durch eine chemische Reaktion von Morphin mit Essigsäureanhydrid (Acetanhydrid) oder Essigsäurechlorid, indem an 2 Stellen ein Wasserstoffatom durch eine C(2)H(3)O-Gruppe substituiert wird. Die kommerzielle Herstellung begann 1898. Anfangs wurde es vor allem als Atmungssedativum verwendet. Als weitere Indikationen kamen im Lauf der Jahr unter anderem noch Herz- und Kreislaufserkrankungen, neurotische Verhaltensweisen (inkl. der damals als krankhaft angesehenen Onanie und Nymphomanie), psychiatrische Leiden, Geburtsanalgesie und Prämedikation von Narkosen hinzu. Auch zur Substitutionstherapie bei Morphinsucht wurde es anfangs verwendet bis man erkannte, dass Heroin noch suchterzeugender wirkt als Morphium. Bis es allerdings in den 30er Jahren zum verschreibungspflichtigen Betäubungsmittel wurde verging noch einige Zeit.
Die Haupterzeugerregionen sind das "Halbmonddreieck" und das "goldene Dreieck". Das goldene Dreieck befindet sich dort, wo Burma, Thailand und Laos aneinander grenzen. Von hier aus werden vor allem der asiatische Markt und die Westküste der USA beliefert. Als Halbmonddreieck bezeichnet man die Region von Nordindien über Afghanistan und Pakistan bis in die Nordtürkei. Diese Länder produzieren vor allem für den westeuropäischen Markt.
Oft wird vergessen, dass Heroin auch in den Erzeugerländern ein großes Problem darstellt. So schätzt man, dass in Pakistan von 150 Mio. Einwohnern 2 Mio. heroinabhängig sind. Das sind 3% der Bevölkerung und genauso viele Abhängige wie in der gesamten EU.
Wichtigster Erzeuger im Halbmonddreieck ist Afghanistan. Unmittelbar nach den Anschlägen des 11. September 2001 zu Beginn des Militäreinsatzes des Westens wurden der Mohnanbau und die Opiumproduktion zwar eingeschränkt, doch mittlerweile wird wieder im selben Ausmaß wie vorher Mohn gepflanzt. Die Opiumherstellung und in weiterer Folge die Heroinherstellung ist für die Afghanen als größter Wirtschaftszweig lebenswichtig. So finanzierten die Taliban ihre militärischen Aktionen fast ausschließlich direkt oder indirekt über den Drogenhandel.
Weltweit werden heute die meisten Bürgerkriege ganz oder teilweise aus dem Drogenhandel finanziert. Man schätz, dass mit Heroin jährlich 500 Milliarden Euro umgesetzt werden. Zum Vergleich: Der Umsatz des gesamten Drogenhandels wird auf 800 Milliarden Euro geschätzt.
Reines Heroin ist am Schwarzmarkt kaum erhältlich. Meist ist es mit wirkungslosen Streckmitteln, die eine ähnliche Konsistenz haben, gestreckt. Um die Wirkung von minderwertigen Heroin zu steigern werden oft sedierende Medikamente wie Valium oder Rohypnol oder Designeropiate wie Fentanylderivate beigemischt.
Heroin wird meist intravenös injiziert ("fixen"). Dazu wird es auf einem Löffel mit Zitronensäure oder Vitamin C und Wasser erhitzt. Man kann es auch auf einer Folie verdampfen und inhalieren ("Folie rauchen") oder wie Kokain schnupfen ("ziehen"). Selten wird es auch mit Tabak geraucht.
Nach der Einnahme gelangt Heroin schnell in den Blutkreislauf, bei intravenöser Injektion sofort. Im Körper wird es rasch zu 6-Monoazetylmorphin (6-MAM) und weiter zu Morphin deacetyliert. Trotzdem ist Heroin wirksamer und suchterzeugender als eingenommenes Morphin selbst, der Grund dafür ist allerdings noch nicht eindeutig geklärt. Wie alle Opiate wirkt Heroin durch ein Ankoppeln an die Opiatrezeptoren im Gehirn, die sich vor allem im limbischen System befinden. In den 70er Jahren entdeckte man die körpereigenen Agonisten dieser Opiatrezeptoren und nannte sie daher endogenen Morphine, kurz Endorphine.
Der Heroinrausch wird meist als glückseliger Zustand erlebt. Er ist von Euphorie, Ruhe und Ausgeglichenheit geprägt. Depressionen und persönliche Probleme treten in den Hintergrund. und Schmerzen werden nicht empfunden. Nach dem Spritzen empfindet man einigen Sekunden einige Momente lang einen "Flash" oder "Rush". Das ist der Moment in dem die Wirkung einsetzt.
Beim Rauchen oder Schnupfen kommt die Wirkung langsamer und sanfter und klingt meist auch sanfter aus. Oft kommt es zu Erbrechen, das allerdings als angenehm und befreiend empfunden wird.
Auch bei langjähriger Morphium- oder Heroin-Sucht ist sehr unwahrscheinlich bei gewissenhaftem Umgang mit der Droge an direkten Folgen des Konsums zu sterben. Besonders bei Ärzten und Apothekern, die relativ leichten Zugang zu reinen Opiaten haben, ist bis heute der Konsum von Morphium und ähnlichen Substanzen nicht selten. Abgesehen von der Sucht haben diese Leute kaum Probleme mit ihrem Drogenkonsum und sind auch nicht auffällig. Die Gefahren der Droge gehen vielmehr von schwankender Qualität des Straßenheroins, gefährlichen Streckmitteln, Entzugserscheinungen, Beschaffungskriminalität und Ansteckung mit Krankheiten durch gemeinsame Nadelverwendung aus.
Die größte Gefahr für das Leben der Konsumenten geht von den großen Qualitätsschwankungen des Heroins auf dem Schwarzmarkt aus. Zum einen können gefährliche Substanzen, die den Körper schädigen oder sogar zum Tod führen können, beigemischt sein, zum anderen kann ein unerwartet reines Heroin zu ungewollter Überdosierung führen.
Von den heute gebräuchlichen Drogen ist Heroin nach Crack die suchterzeugendste. Wenn man beginnt, Heroin intravenös zu injizieren ist eine Sucht meist schon vorprogrammiert. Die Heroinsucht ist sowohl eine körperliche als auch eine psychische. Da sich der Körper schnell an die Droge gewöhnt, wird die Wirkung bald schwächer und die erforderliche Dosis erhöht sich. Ein Süchtiger kann täglich mehrere Hundert Euro für Heroin benötigen. Das führt oft zur Beschaffungskriminalität bzw. zu illegaler Prostitution.
Bei Entzug treten unerträgliche Gelenksschmerzen, Zittern und Herz- und Kreislaufprobleme. Die Entzugserscheinungen sind ohne Heroinersatz wie Methadon kaum erträglich und können sogar zum Tod führen. Der Einsatz von anderen Opiaten als Eratz ist jedoch nicht unbedenklich, da er zu einer neuerlichen Sucht führen kann.
Bei einer Überdosierung besteht akute Lebensgefahr. Auf jeden Fall ist sofort ein Arzt zu rufen! Da Heroin direkt auf das Atemzentrum wirkt, kommt es oft zu oft einer lebensbedrohlichen Atemlähmung. Wenn der Betroffene ansprechbar ist, sollte man ihn immer wieder daran erinnern zu atmen. Bei Bewusstlosigkeit ist er in eine stabile Seitenlage zu bringen. Bei Atemstillstand ist muss künstlich beatmet werden. Sehr wichtig ist auch der Schutz vor Auskühlung. Der Notarzt verabreicht meist "Naloxon" intravenös. Im Notfall kann auch Adrenalin oder Amphetamin verabreicht werden.
Die Heimat des Schlafmohns, der nur als Kulturpflanze bekannt ist, ist Mittel- und Südeuropa. Es gibt Funde, die Mohnanbau in Süddeutschland, der Schweiz und Norditalien schon vor 6.000 Jahren belegen, wobei allerdings nicht sicher ist, ob zu dieser Zeit die berauschende Wirkung der Pflanze in Europa schon bekannt war. Sumerische Ideogramme aus derselben Zeit belegen jedenfalls den Anbau des Mohns als Rausch- und Heilpflanze für den orientalischen Raum.
Seit der Antike war das aus Schlafmohn gewonnene Opium (von gr. "opos" - Saft) in Europa und Asien eine der wichtigsten Arzneien sowie ein beliebtes Rauschmittel. Neros Arzt Andromochus verwendete zur Bereitung seiner Medizin "Theriak", die bis ins 18. Jahrhundert als Allheilmittel galt, neben Schlangengift auch Opium. Der persische und ägyptische Raum bildeten die Schnittstelle zwischen Orient und Okzident, wo Autoren medizinisches Wissen aus China, Indien und den europäischen Hochkulturen der Griechen und Römer sammelten, das das Fundament für die mittelalterliche Medizin bildete. Paracelsus, der die mittelalterliche Medizin reformierte, verwendete für sein berühmtes "Laudanum" vor allem Wein und Opium als wirksame Substanzen.
Sehr große Bedeutung erlangte Opium in China. Nachdem es dort 1729 verboten worden war, hatten die Engländer Probleme, das in ihrer Kolonie Indien erzeugte Opium abzusetzen. Als dann auch noch der Kaiser Lin Tse-Hsü indische Händler zwang, ihm 1.000 Tonnen Opium auszuhändigen und die Ware anschließend vernichten ließ, hatte England einen willkommenen Grund für eine Kriegserklärung an China. Mit lediglich 10.000 Soldaten wurde das chinesisch Heer im von 1839 bis 1842 andauernden Krieg geschlagen und China musste schließlich das Verbot wieder aufheben.
1804 gelang es das erste mal, das wichtigste Opiumalkaloid, das Morphin, zu isolieren, was eine gezielter medizinische Anwendung möglich machte und das Opium fast vollständig aus der europäischen Medizin verdrängte. Auf die Gefährlichkeit der Droge wurde man erst in Zuge des amerikanischen Sezessionskrieg (1861 - 1865) aufmerksam, dessen Lazarette viele Verwundete, die mit Morphium behandelt wurden, als Morphiumsüchtige verließen. Auf der Suche nach einem ähnliche wirkenden, doch weniger bedenklichen Mittel wurde schließlich Heroin entdeckt, das sich bald als noch suchtbildender herausstellte. Nachdem die Strukturformel aufgeklärt worden war, begann die gezielte Suche nach Morphinderivaten, die die positiven Eigenschaften des Morphins mit einer geringeren Suchtgefahr verbinden sollten. Bis heute wurde jedoch weder ein stärkeres Schmerzmittel gefunden (es gibt zwar mittlerweile Substanzen, die in geringeren Dosen wirken, der schmerzlindernde Effekt von Morphin konnte aber bis heute nicht übertroffen werden), noch ein morphinähnlich wirkendes Mittel, das man als unbedenklich bezeichnen könnte.
Heute wird Morphium noch teilweise in der Medizin, beispielsweise schwersten Tumorschmerzen, sowie bei der Euthanasie angewandt, wenn andere Schmerzmittel versagen, während Heroin hautsächlich für den Schwarzmark produziert wird. Opium wird bis heute im Orient und Asien gerne konsumiert sowie in der Volksmedizin eingesetzt, ist in Europa aber kaum erhältlich., da kaum Nachfrage herrscht und von Heroin viel größere Gewinnspannen zu erwarten sind.
Synthetische Opiate sind Substanzen, die rein synthetisch im Labor hergestellt werden und ähnliche Wirkung wie natürliche Opiate haben, da sie an die gleichen Rezeptoren im Gehirn andocken. Ein gemeinsames Chemisches Grundgerüst muss nicht immer zu erkennen sein.
Heroin wird zwar im Labor hergestellt, zählt aber nicht zu den synthetischen Opiaten, da das natürlich vorkommende Morphin als Ausgangsstoff zur Herstellung dient und ist somit ein halb-synthetisches Opiat.
Besonders bekannt ist das Methadon. Es wird oft als Ersatzmittel bei Heroinentzug verschrieben, doch seine Anwendung ist nicht unumstritten, da es auch selbst ein hohes Suchtpotential besitzt. Da es oral eingenommen werden sollte, versucht man so den Junkie vom Spritzen wegzubekommen. Die Wirkung beschenkt sich dabei auf die Bekämpfung der Entzugssymptome, was der betreffenden Person ein Zurückkehren in die Alltagswelt ermöglichen soll. Wird Methadon allerdings intravenös injiziert, weshalb es ähnlich Euphorisierend, was es immer wieder zu staatlich finanziertem Heroinersatz werden lässt. Ob diese Anwendung zu verurteilen ist sei dahingestellt, da auch Versuche mit staatlicher Abgabe von Heroin selbst durchaus positive Ergebnisse erzielten.
In den 60er Jahren wurde in Europa die Stoffklasse der Fentanyle (Anilinopiperidine, Fentanyl-Gruppe) als Analgetika eingeführt. Wegen ihrer hohen Gefährlichkeit wurde der medizinische Gebrauch aber bald wieder eingeschränkt. Trotzdem gelten sie bei gewissen Indikationen bis heute als unerlässliche Analgetika.
Heute gibt es Fentanylderivate, die mehrere tausendmal stärker wirken als Morphium. So soll 3-Methyl-Fentanyl etwa 3000mal stärker wirken als Morphin, andere Substanzen aus der Gruppe der Fentanyle weisen einen noch stärkere Wirkung auf. Die extreme Potenz erklärt sich durch eine besonders starke Affinität zu den entsprechenden Rezeptoren im Gehirn. Dadurch ist es kaum möglich, die Droge genau zu dosieren, was sehr leicht zu tödlichen Überdosierungen führt. Der Rausch wird oft als schlafähnlicher Zustand empfunden, da viele Empfindungen durch die starke Wirkung der Droge einfach ausgeschaltet sind. Am Schwarzmarkt wird es Heroinersatz oder auch als angebliches Heroin verkauft oder als Streckmittel für minderwertiges Heroin verwendet.
Die Gefahr eine Opium-Sucht zu entwickeln bei kontrollieren mäßigen Gebrauch vergleichsweise gering und ein allfälliger Entzug nicht allzu schwer. Anders verhält es sich mit Morphium und Heroin. Auch wenn die Substanzen nicht gespritzt werden setzt bald eine psychische und physische Sucht ein. Während die Droge anfangs noch wegen der als kaum steigerbaren Glückseligkeit, die sie hervorruft, genommen wird, so setz schon bald eine Gewöhnung ein. Der Rausch wird immer mehr als Normalzustand gesehen, der bei seinem Ausklingen unangenehme Entzugssymptome hinterlässt, die vor allem von Schmerzen und Depression geprägt sind. Ein neuerlicher Rausch wird somit als Erlösung von den Entzugssymptomen empfunden und der Süchtige kann sich nur mehr während seinem Rausch halbwegs wohl fühlen.
Bei einer ausgeprägten Heroinsucht wie sie sich bei intravenöser Injektion je nach anfänglicher Häufigkeit der Einnahme und Dosierung nach einigen Wochen bis Monaten bildet, breitet sich rund 12 Stunden nach der letzten Einnahme sehr großes Unbehagen aus und der Süchtige wird nervös. Ab etwa diesem Zeitpunkt bestimmt normalerweise nur noch die Suche nach Heroin sein Denken. Versucht er einen Entzug, folgt meist ein unruhiger Schlaf, der einige Stunden anhält. Nach etwa 20 Stunden setzten die Entzugssymptome in voller Stärke ein. Die Pupillen erweitern sich und die Haut wird blass und Kalt. Wegen der oft auftretenden Gänsehaut und der kalten Haut beim Heroinentzug hat sich in den USA dafür auch der Begriff "Cold Turkey", zu deutsch "kalter Truthahn", eingebürgert. Fast unerträglich wird der Entzug durch die auftretenden Gelenksschmerzen und Krämpfe. Aufgrund von Magen- und Darmkrämpfen wird meist regelmäßig Erbrochen und der Darm entlehrt, was den Körper zusätzlich schwächt. Die Entzugserscheinungen sind nicht nur unangenehm, sondern können im Extremfall auch zum Tod führen.
Ist einem der Punkt erreicht, wo ein Entzug derartige Erscheinungen hervorruft, stehen die Heilungschancen sehr schlecht. Trotzdem sollte ein Entzug unbedingt versucht werden, da sich mit jeder weiteren Dosis die Wahrscheinlichkeit verringert, je wieder ohne Heroin leben zu können.
Um schwer Heroinabhängigen zu helfen, gibt es verschiedene Methoden des Entzug. Ein Entzug in Eigenregie ist meist zwecklos, da spätestens wenn die Entzugssymptome in voller Stärke einsetzen, auch ein von natur aus willensstarker Mensch, kaum noch die Kraft aufbringen kann, weiter abstinent zu bleiben. Auch der Entzug mit Hilfe der Familie ist meist nicht sehr zielführend, da die Angehörigen oft das extreme Leiden ihres Familienmitgliedes nicht ertragen können. Zu der großen Belastung der Angehörigen kommt noch die Gefahr, dass sie im kritischen Moment schwach werden und dem Süchtigen auf irgendeinem Weg zu einer neuerlichen Heroindosis verhelfen. Gespritzt reicht nämlich schon eine kleine Menge, um innerhalb weniger Minuten sämtliche Entzugserscheinungen abklingen zu lassen.
Die besten Erfolgsaussichten bestehen, wenn man sich in die Hände von Ärzten gibt und am besten für längere Zeit in einer geschlossenen Anstalt bleibt. Doch auch hier kann man nur von relativ guten Heilungschancen sprechen. Rückfallquoten werden mit 50% bis weit über 90% angegeben.
Man kann grob 3 Entzugsmethoden unterscheiden:
1) Totalentzug: mit oben genannten Entzugserscheinungen und Gefahren
2) Langsame Reduktion der Dosis
3) Die Verabreichung von Ersatzdrogen (z.B. Methadon)
Der Totalanzug wird in staatlichen Entzugsanstalten wegen seiner großen Gefährlichkeit kaum noch angewandt. Auch die langsame Reduktion der Dosis ist sehr problematisch, da es in den meisten Staaten auf Grund der Gesetzeslage nicht möglich ist, den Süchtigen Heroin auf Rezept zu verabreichen. Somit ist der Heroin-Abhängige weiterhin auf den Schwarzmarkt angewiesen, was es zusätzlich erschwert, ihn von der Drogen-Szene fern zu halten. In den meisten europäischen Staaten können jedoch Ersatzdrogen, wie Methadon, verschrieben werden. Das synthetische Opioid Methadon kann die Entzugssymptome völlig unterdrücken, was dem Süchtigen die Möglichkeit gibt schnell ins normale Leben zurückzukehren und ihn vor allem aus der Drogenszene lösen soll. Durch die Verabreichung von Methadon, das oral eingenommen zwar die Entzugssymptome lindert, jedoch kaum euphorisierend wirkt, soll dem Abhängigen auch das Spritzen abgewöhnt werden. Da es aber in der Szenen bekannt ist, dass Methadon gespritzt ähnlich wie Heroin wirkt, gehen viele Süchtige nach anfänglichen Erfolgen dazu über, Methadon zu spritzen. Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass Methadon nicht wirklich "clean" macht, da es beim Absetzen dieselben Entzugssymptome hinterlässt wie Heroin. Klappt der Heroin-Entzug, muss die Methadon-Dosis nach einiger Zeit bei gleichzeitiger Gabe verschiedener Schmerzmittel und langsam verringert werden.
Ähnlich den anonymen Alkoholikern gibt es auch Selbsthilfegruppen für Heroinabhängige. Auch in öffentlichen Entzugsanstalten versucht man immer mehr einen Mittelweg zu gehen. Während sich die staatliche Hilfe früherer auf die Kontrolle des Entzugs, also auf Verhindern einer weiteren Einnahme der Droge, beschränkte, wird heute vor allem auf Psychotherapie gesetzt, die in erster Line in Form von Gruppengesprächen abläuft. Die Heroin-Abhängigen sollen zusammen einen Weg aus ihrer Sucht finden und ehemalige Junkies, die diesen Weg schon gefunden haben, nehmen eine Vorbildfunktion ein. Als Begleitmaßnahem werden neben verschiedenen Präparaten zur Linderung der Entzugssymptome auch Kreislaufmittel verabreicht. Der gestörte Stoffwechsel muss langsam durch Diäten wieder normalisiert werden.
Die Sucht selbst wird heute immer weniger als Krankheit gesehen, sonder vielmehr als Symptom. Somit ist der Süchtige noch nicht geheilt, wenn er einige Wochen kein Heroin gespritzt hat, sondern erst wenn die Umstände, die zu seiner Sucht geführt haben, erkannt wurden und mögliche Lösungswege gefunden sind.
Einen besonderen Stellenwert nimmt die Beschäftigungstherapie und das Finden neuer Interessen ein. Dem Süchtigen, für den oft jahrelang die Beschaffung von Heroin das einzige wichtige Thema war, muss ein Lebensinhalt gegeben werden. Meist war es ein konkretes Ziel, das den ehemals Abhängigen die Kraft gab, nach einem stationären Aufenthalt weiterhin clean zu bleiben und ein normalen Leben zu führen.
Prinzipiell ist ein Entzug nur möglich, wenn der Süchtige sich seine Sucht eingesteht und bereits ist, die unangenehme Entwöhnung zu versuchen. Weiters ist ein eiserner Wille notwendig. Nach der Entlassung aus einer Entzugsanstalt ist der Entzug noch lange nicht abgeschlossen. Oft ist es ein kurzfristiges Gemütstief, das den vermeintlich Geheilten dann doch wieder zur Nadel greifen lässt. In einem solchen schwachen Moment braucht er unbedingt Menschen, die ihn auffangen. Ohne Hilfe von Freunden und Angehörigen ist ein Ausstieg fast unmöglich.
Unter dem Begriff Halluzinogene fasst man eine Gruppe von Substanzen zusammen, deren Wirkung man im allgemeine als "halluzinogen", also "Halluzinationen hervorrufend" einstuft. Diese Beizeichnung ist allerdings nicht ganz korrekt, da es sich bei den Erlebten Eindrücken in der Regel nicht um Halluzinationen im eigentlichen Sinne handelt. Halluzinationen sind nämlich Sinnestäuschungen, die von der Peron, die sie erlebt, nicht von der realen Welt bzw. den Sinneseindrücken, die einen realen Ursprung haben, getrennt werden können. Unter dem Einfluss klassischer Halluzinogene hingegen stellt sich meist kein Realitätsverlust ein.
Bei der Wirkung der Halluzinoge handelt es sich um ein Öffnen sogenannter "Reduktionsschleusen", was eine Flut von neuen Eindrücken in das Bewusstsein des Konsumenten treten lässt. Das Erlebte hat somit im Normalfall einen direkten Bezug zur Realität. Die gewonnen Eindrücke werden von Freunden der Halluzinogene in der Regel als Bereicherung gesehen, die zu einem tieferen Einblick in das Wesen der Welt und der Wirklichkeit verhelfen kann.
Die bekannten Halluzinogene sind die natürlich vorkommenden Stoffe Psilocin und Meskalin. Eines der potentesten Halluzinogene wurde 1937 erstmals synthetisch hergestellt und trägt den Namen LSD. Heute sind noch viele weitere Halluzinogene bekannt, die in der Regel illegal sind. Am Schwarzmarkt sind neben Pilzen, die Psilocin enthalten, kaum andere Halluzinogene außer LSD erhältlich. Tauchen sie doch auf, werden sie meist unter dem besser bekannten Namen LSD verkauft. Meskalin wird heute kaum noch eingenommen und wenn dann fast immer durch den Verzehr selbst gezüchteter Kakteen (San-Pedro-Kaktus, Peyote-Kaktus).
Viele Pilze gehören zu den ältesten dem Menschen bekannten halluzinogen Drogen. In religiösem Zusammenhang werden psilocin- und musimol-haltige Pilze seit vorgeschichtlicher Zeit in Europa, Asien und in der neuen Welt bei Heilritualen und als Entheogen eingenommen. Auch heute noch wird das Wissen um die Wirkung mancher Pilze in vielen europäischen Familien von Generation zu Generation weitergegeben und der Genuss findet abseits von Jugendkultur im Rahmen genau überlieferter Rituale statt.
Die größte Gefahr geht dabei von der Verwechslungsgefahr aus. Auch erfahrene Pilzsammler halten immer wieder hochgiftige Pilze für harmlose Speisepilze was mitunter mit schlimmen Vergiftungen ganzer Tafelrunden endet. Eine weitere Gefahr geht vom unbewussten Verzehr mancher unscheinbarer Pilze aus. Im Mittelalter beispielsweise suchte in regelmäßigen Abständen das gefürchtete Antonius-Feuer ganze Dörfer heim. Viele Dorfbewohner legten plötzlich ein höchst seltsames Verhalten an den Tag. In besonders schweren Fällen verfärben sich auch die Gliedmaßen schwarz, was mit deren Absterben und mitunter auch mit dem Tod der betreffenden Person endetet. Damals sah man darin eine Götterrache - Heute weißt man, dass die Ursache dafür das Mutterkorn war, das auf Roggenähren gedeiht und so in die Nahrungskette gekommen war.
Pilze bilden neben dem Tierreich und dem Pflanzenreich eigentlich ein eigenes drittes Reich, da sie keinem der beiden Reiche eindeutig zuzuordnen sind sondern von den typischen Merkmalen beider einen Teil besitzen. Da sie keinen Bewegungsapart und keine Sinnesorgane, mit denen sie auf verschiedene Umwelteinflüsse reagieren können, besitzen - beides Merkmale einer Pflanze - können sie nicht zu ins Tierreich eingeordnet werden. Allerdings fehlen den Pilzen auch Plastiden und Cellulose, was sie wiederrum vom Pflanzenreich ausschließt. Außerdem prduzieren sie kein Chlorophyl, wie die meisten Pflanzen. Die Energiegewinnung erfolgt nämlich wie bei den Tieren durch die Verwertung von organischen Substanzen.
Der Pilz selbst ist das Myzel, das aus einem Geflecht von Pilzfäden (Hyphen) besteht. Es lebt meist im Boden oder auch in Pflanzen, wie etwa Bäumen, in Tieren oder in Kot. Was man in der Alltagsprache unter dem Wort "Pilz" versteht ist lediglich der Fruchtkörper, den das Myzel zur Verbreitung der Sporen ausbilden kann.
Auch wenn es nicht ganz korrekt ist, werden die Pilze nach der klassischen Nomenklatur dem Pflanzenreich zugeordnet und bilden die Abteilung der Mycophyta (Pilze), die sich in 5 Klassen aufgliedern lässt. 2 Dieser Klassen sind für die Drogenthematik von Bedeutung: Ascomycetes (Schlauchpilze - z.B. Mutterkorn) und Basidiomycetes (Ständerpilze - alle hier erwähnten, außer Mutterkorn). Die Klasse der Ständerpilze splittert sich bei weiterer Unterteilung wiederum in einige Ordnungen auf. Die hier besprochene Pilze gehören der Ordnung Agaricales (Blätterpilze) an, deren Merkmal die Ausbildung eines hutförmigen Fruchtkörpers ist.
Viele Arten aus der beiden Klassen der Ständerpilze und Schlauchpilze werden auch unter dem Begriff Großpilze (Makromyceten) zusammengefasst. Damit sind Pilze gemeint, die eine leicht sichtbaren Fruchtkörper ausbilden. Auch alle hier beschriebenen Pilze zählen zu diese Gruppe.
Oft wird angenommen der Fliegenpilz (Amanita muscaria) sei ein besonders giftiger Pilz. Dem ist aber nicht so: Bis heute sind nur wenige Todsfall durch Genuss von Fliegenpilz bekannt. Zu den giftigsten Pilzen gehören 2 andere Arten der Gattung Amanita (Knollenblätterpilze, Wulstlinge), nämlich der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) und der Weiße ( bzw. Kegelhütige, Spitzhütige) Knollenblätterpilz (Amanita virosa). Andere Arten aus der Gattung Amanita wie der Perlpilz (Amanita rubescens) sind dagegen nicht nur ungiftig sondern auch beliebte Speisepilze.
Besonders bei den Pilzen zeigt sich wiedereinmal deutlich wie nahe Giftigkeit und psychoaktive Wirkung beieinander liegen. Dass der Fliegenpilz als Giftpilz gilt hat, natürlich seine Berechtigung. Er enthält sehr gefährliche Substanzen, die besonders bei falscher Zubereitung zu starken Vergiftungserscheinungen führen können. Wird er allerdings richtig zubereitet und dosiert darf er durchaus als halluzinogene Droge gelten und wird daher auch in vielen Kulturkreisen bis heute gerne konsumiert.
Neben dem Fliegenpilz und dem Pantherpilz mit ihrem Wirkstoff Muscimol gibt es als zweite große Gruppe halluzinogener Pilze die Psilocin-haltigen Pilze. Mindestens 8 Gattungen enthaltne Psilocin bzw. Psilocybin, den Phosphorsäureester des Psilocins. Als dritte Gruppe sind hier noch Arten der Gattung Claviceps (Mutterkorn) angeführt. Sie enthalten eine große Anzahl von Alkaloiden, den Mutterkorn-Alkaloiden, die teils psychoaktiv, teils hochgiftig sind. Zur Berauschung wird Mutterkorn fast nie eingenommen, da gewisse Inhaltstoffe zu gefährlichen Durchblutungsstörungen führen. Der Vollständigkeit wegen und vor allem weil die Mutterkorn-Forschung zu Entdeckung des stärksten heute bekannten Halluzinogens LSD geführt hat, ist aber auch das Mutterkorn hier genauer beschrieben.
Zu den Psilocin-haltige Pilzen zählen verschiedene Arten aus den Gattungen Conocybe (Samthäubchen), Copelandia (Tintlinge), Galerina (Häubling), Gymnopilus (Flämmling), Inocybe (Risspilz), Panaeolus (Düngerlinge), Pluteus (Dachpilze) und Psilocybe (Kahlköpfe). Bei einigen weiteren Gattungen wird der Inhaltsstoff Psilocin vermutet.
Die Gattung Psilocybe umfasst mindestens 150 Arten, von denen die meisten Psilocin bzw. Psilocybin in hohen Mengen enthalten. Erfahrene Pilzsammler suchen nach Pilzen dieser Gattung, da sie keine giftigen Stoffe enthaltnen und als die am angenehmsten wirkenden gelten. Auch die Panaeolus-Arten werden gerne zur Berauschung gegessen. Beide Gattungen lassen sich dadurch identifizieren, dass die Pilze einen braun-violetten Sporenabdruck hiterlassen und sich der Stängel bei Druck blau verfärbt. Eine Blaufärbung alleine ist allerdings noch kein sicheres Anzeichen, dass es sich bei dem Pilz um einen aus den beiden Gattungen handelt.
Die Arten der anderen Gattungen können auch sehr gefährliche Giftstoffe enthalten. Inocybe-Arten enthalten teilweise auch das hochgiftige Muscarin. Von den Galerina-Arten ist nur die Art Galerina steglichii Psilocybin-haltig, während die andern meist sehr giftig sind.
Psilocybin-haltige Pilze sind nicht, wie oft angenommen, nur in Südamerika beheimatet, wo sie in der Kultur der Inkas und Mayas eine wichtige Rolle spielten, sondern auf der ganzen Welt verbreitet und wurden schon in der vorgeschichtlichen Zeit in Europa und Asien bei schamanischen Ritualen eingenommen. Auch heute ist der Verzehr psilocin-haltiger Pilze in religiösem Zusammenhang - vor allem in Russland - weit verbreitet.
Zur Einnahme werden die frischen oder getrockneten Fruchtkörper gegessen. Da die Pilze meist nicht besonders gut schmecken, werden sie gerne in Speisen verarbeitet, was keine Einfluss auf die Wirkung hat.
Im Jargon werden Psilocin-haltige Pilze meist Magic Mushrooms, Zauberpilze, Mushrooms oder Shrooms oder einfach Pilze genannt. Besonders in Deutschland ist auch der Ausdruck Psilos gebräuchlich.
Muscimol-haltig sind wahrscheinlich nur 2 Arten der Gattung Amanita, nämlich Amanita muscaria (Fliegenpilz) und Amanita pantherina (Pantherpilz). Die frischen Pilze enthalten meist sehr wenig Muscimol, dafür reichlich Ibotensäure, die während der Trocknung zu Muscimol decarboxyliert werden. Daher sind getrocknete Pilze auch viel stärker psychoaktiv, da erst Muscimol eine halluzinogene Wirkung auslöst.
Amanita muscaria
Der Fliegenpilz mit seinem roten weißgetupften Hut kann nur in Symbiose mit Birken oder Kiefern leben und ist daher überall dort verbreitet, wo diese Bäume wachsen - von der arktischen bis zur tropischen Zone. In Mitteleuropa werden die Fruchtkörper von August bis Anfang November ausgebildet. Eine Kultivierung ist bisher nicht gelungen. Da der Fliegenpilz als Giftpilz und nicht als Droge gilt, sind das Sammeln und die Einnahme nicht verboten.
Zum Verzehr werden die Pilze mindestens eine Stunde in kaltes Wasser eingelegt, wodurch sich die Wirkstoffe lösen. Das Wasser kann dann getrunken oder weiterverarbeitet werden. Man kann auch die Pilze auch kochen (Temperatur sollte nicht 90° überschreiten) und als Tee einnehmen oder zu diversen Speisen verarbeiten. Getrocknete oder frische Pilze können auch geraucht werden und wirken so meist angenehmer.
Die Wirkung des Fliegenpilz wird von vielen Menschen als unangenehm empfunden. Besonders bei der Einnahme von frischem Fliegenpilz kann es leicht zu Übelkeit kommen. Neben Halluzinationen sind auch Delirien und großes Unbehagen möglich. Nach der Einname folg meist ein mehrere Stunden andauernder schafähnlicher Zustand, auf den nach dem Erwachen eine von Synästhesien geprägte halluzinogene Phase folgt Wie bei allen Halluzinogenen ist auch beim Fliegenpilz die Wirkung sehr von der Erwartung abhängig. Da der Fliegenpilz in Europa als höchst giftig gilt, sind unangenehme Wirkungen und Angstzustände bei vielen Menschen fast vorprogrammiert. Als Dosis werden Mengen von 1 bis 10 Pilzen bzw. 5-20g getrocknete Pilze angegeben. Der Rausch hält bei hohen Dosen sehr lange an - oft einen ganzen Tag lang - und kann noch lange Zeit nachwirken. Ausgeschieden wird der Wirkstoff Muscimol hauptsächlich über die Nieren, so dass er einige Tage noch im Urin nachweisbar ist. Es wird auch berichtet, dass auch der nach einem Muscimol-Rausch ausgeschiedene Urin selbst stark psychoaktiv wirken soll.
Amanita pantherina
Der Pantherpilz sieht dem Fliegenpilz sehr ähnlich und hat einen bräunlich gefärbten Hut. Der Pilz kommt fast ausschließlich in Laub- und Tannenwäldern vor und bildet in Mitteleuropa zwischen Juli bis Oktober seinen Fruchtkörper aus. Er wirkt noch stärker als der Fliegenpilz und wird daher diesem in vielen Teilen Europas und Asiens als Halluzinogen vorgezogen.
Als Mutterkorn bezeichnet man das Überwinterungsstadium verschiedener Schlauchpilze der Gattung Claviceps (Mutterkornpilze). Das Gebilde (Sklerotium) sieht zapfenförmig aus, wird einige Zentimeter lang und ist dunkelviolett bis schwarz gefärbt. Typisch für das Mutterkorn ist eine Gruppe von Substanzen, die sonst kaum in der Natur vorkommen, die sogenannten Mutterkorn-Alkaloide. Wichtige Vertreter dieser Gruppe sind Ergotamin und ähnlich Subtanzen sowie das Lysergsäureamid. Letzteres ist auch für die wehenfördernde Wirkung des Mutterkorns verantwortlich, die es seit dem Mittelalter zu einer beliebten Arznei der Hebammen machte. Die Einnahme von Mutterkorn als Droge war nie sehr gebräuchlich, da die Wirkung sehr unangenehm und viele Inhaltsstoffe hochgiftig sind. Als sich allerdings der Schweizer Chemiker Albert Hofmann in den 30ern auf die Suche nach neuen pharmazeutisch interessanten Stoffen auf Basis der Mutterkorn-Alkaloide machte, wurde eine der heute bekanntesten Drogen überhaupt entdeckt: das LSD. Seine halluzinogene Wirkung wurde aber erst später zufällig entdeckt, da es primär Auswirkungen auf das Gefäßsystem waren, die man sich von den neu entdeckten Substanzen erhoffte und diese daher primär auch derartige Wirkungsweisen hin getestet wurden.
Während die bewusst Einnahme von Mutterkorn zur Herbeiführung von Rauschzuständen nie besonders verbreitet war, kam es im Laufe der Geschichte oft zur unbewussten Einnahme, wenn befallenes Getreide zu Nahrungsmittel verarbeitet wurde. Das Ergebnis waren Seuchen, die oft ganze Ortschaften heimsuchten und bei den betroffenen neben Anzeichen einer Geisteskrankheit zu massiven Durchblutungsstörungen führten. Anzeichen für Vergiftung war das Schwarzwerden der Gliedmaßen, was oft mit einem Absterben von Körperteilen und einem frühzeitigen Tod endete.
Der Zusammenhang zwischen dem Verzehr von pilzbefallenem Getreide und den regional begrenzten Vergiftungserscheinungen wurde erst im 17. Jahrhundert entdeckt. Bis dahin sah man darin eine Art Gottesrache. Im Volksmund wurde die Seuche auch als "Antonius-Feuer" bezeichnet. Namensgebend war dafür der heilige Antonius, der nicht als Urheber sondern als Schutzpatron der Vergifteten galt. Eine weitere Bezeichnung war "ignis sacer", zu deutsch "heiliges Feuer". Vom Wort Ergot für Mutterkorn leitet sich der medizinische Name für eine Mutterkorn-Vergiftung ab: Ergotismus.
Da die Ursache für den Ergotismus erst sehr spät entdeckt wurde, ist es aus heutiger Sicht sehr schwer zu beurteilen, wann und wo in der Geschichte epidemische Mutterkorn-Vergiftungen auftraten. Zahlreiche geschichtliche Berichte deuten jedenfalls auf einen Zusammenhang mit dem Mutterkorn hin. Man kann allerdings ausschließen, dass europäische Seuchenberichte aus der Zeit der griechischen Hochkultur auf Mutterkorn-Vergiftungen hindeuten, da der Pilz praktisch nur auf Roggen schmarotzt und dieser erst ein Jahrtausend später nach Europa kam. Die letzte bekannte Mutterkorn-Epidemie trat in den Jahren 1926/27 in Süd-Russland auf.
Fast alle Pilze, die eine halluzinogene Wirkung besitzen, enthalten die Stoffe Psilocin und Psilocybin. Ausnahmen sind nur der Fliegenpilz und der Pantherpilz mit dem Wirkstoff Muscimol, sowie das Mutterkorn, sofern man dabei von halluzinoger Wirkung sprechen kann.
Die bekanntesten und beliebtesten Vertreter der psilocin-haltigen Pilze sind die Arten aus der Gattung Psilocybe. Einige Arten anderer Gattungen enthalten teils giftige Substanzen oder besitzen eine zu geringen Wirkstoffgehalt. Besonders gefährlich sind die Inocybe-Arten, da sie das giftige Muscarin enthalten.
In frischen Pilzen sind meist weitaus größere Mengen Psilocybin als Psilocin vorhanden. Dabei handelt es sich um den Phosphorsäureester des Psilocin, der nicht so leicht oxidierbar und daher stabiler ist. Für die Wirkung ist es egal ob Psilocin oder Psilocybin eingenommen wird, da Psilocybin im Magen schnell zu Psilocin umgewandelt wird und erst diese wirksam ist.
Als mittlere Dosis werden Mengen von 20 bis 30mg Psilocin bzw. Psilocybin angegeben, was bei potenten Pilzen einer Trockenmasse von einigen Gramm entspricht.
So wie LSD greift auch Psilocin in den Serotoninhaushalt ein und ruft vor allem auf diese Weise seine halluzinogene Wirkung hervor. Nach rund 1/2 Stunde machen sich die ersten Symptome der Wirkung bemerkbar. Oft wird berichtet, dass sich die Umwelt plötzlich unbeschreiblich weich anfühlt. Erlebt wird die Wirkung fast genauso wie beim LSD, allerdings hält sie nur etwas halb solange, also rund 4 Stunden an. Außerdem ist der Psilocin-Rausch etwas leichter steuerbar. Besonders Stimmungsumschwünge und plötzliche Angstzustände sind seltener, was die Droge aus psychologischer Sicht etwas unproblematischer erscheinen lässt als LSD oder Meskalin.
Zu Verstärkung der Wirkung von psilocin-haltigen Pilzen werden immer öfter MAO-Hemmer unter verschiedenen Namen angeboten. Bei gleichzeitiger Einnahme mancher MAO-Hemmer kann tatsächlich bei der halben Dosis die gleiche Wirkung erzielt werden. Der Einsatz ist jedoch nicht unbedenklich, da MAO-Hemmer mit verschiedenen Medikamenten und Nahrungsmitteln gefährliche Wechselwirkungen hervorrufen können.
Psilocybin wurde 1955 das erste mal vom Schweizer Chemiker Albert Hofmann isoliert, der ein Jahrzehnt vorher schon die Wirkung seines "Sorgenkind" LSD entdeckt hatte. Nachdem der Pharmakonzern Sandoz, für den Hofmann arbeitete, die Produktion von LSD eingestellt hatte, brachte man Psilocybin unter dem Namen "Indocybin" als LSD-Nachfolger auf den Markt. Weil seine Wirkung deutlich kürzer anhält und die Stimmung des Konsumenten während des Rausches etwas stabiler ist, sollte es noch bessere Ergebnisse bei seinem Einsatz in der Psychotherapie liefern. Doch bald musste es genauso wie zuvor LSD wieder vom Markt genommen werden. Heute ist Psilocybin genauso wie LSD und Meskalin eine verbotene Droge und fällt unter das Sucht- bzw. Betäubungsmittel-Gesetz.
Der genaue botanische Name des Peyotekaktus, auch Peyoltl genannt, ist Lophophora williamsii. Seine natürliche Heimat sind die Wüstengebiete von Texas bis Mittelmexiko, wo er allerdings immer seltener anzutreffen ist, weshalb er in den USA mittlerweile eine geschützte Art ist. Wie sein Name schon sagt gehört er zur Familie der Kaktusgewächse (Cactaceae). Der kleine stachellose Kaktus wird bis zu 20cm groß bildet meist nur einen mehrfach gerippten Kopf aus. Auf den Rippen wachsen in Büschen kleine Härchen. In der Mitte des Kopfes treibt in den Sommermonaten eine weiß- bis rosafarbene Blüte aus, die nach einigen Tagen wieder verblüht. Die Frucht des Peyotekaktus ist eine rosafarbene keulenförmige Beere, die äußerst kleine Samen enthält, mit denen der Kaktus normalerweise auch vermehrt wird.
Um richtig zu gedeihen benötigt der Peyotekaktus nahrhafte mineralische lehmhaltige Erde. Auch bei optimaler Pflege dauert es einige Jahre bis der Kaktus groß genug ist, um als Droge verzehrt zu werden. Zur Beschleunigung des Wachstums kann er allerdings auf einen San-Pedro-Kaktus gepfropft werden, wodurch die Wachstumsgeschwindigkeit vervierfacht werden soll.
Der Peyotekaktus enthält über fünfzig bekannte Alkaloide. Je nachdem wie viel Wasser der Kaktus enthält, schwankt der Alkaloidgehalt zwischen 0,5 und 2,5%. Getrocknete Buttons können bis zu 3,7% Alkaloide enthalten. Von der großen Anzahl der Peyote-Alkaloide ist nur vom Meskalin eine deutliche psychoaktive Wirkung bekannt. 1 g getrocknetes Kaktusmaterial enthält ca. 10mg Meskalin.
Zur Bereitung von Peyote-Drogen-Zubereitungen werden die Buttons oberhalb der Wurzel abgeschnitten. Sie können frisch gegessen werden oder nach dem Trocknen zerkleinert oder pulverisiert eingenommen werden. Außerdem kann man mit den Buttons einen Tee bereiten. Besonders unangenehm bei all diesen Einnahmeformen ist der extrem bittere Geschmack des Kaktus. Auszüge aus Peyote können aber auch alkoholischen Getränken wie Bier oder Mescal beigemischt werden, was für einen angenehmeren Geschmack sorgt. Außerdem ist es möglich kleine Kaktusteile pur oder mit Kräutern bzw. Tabak zu rauchen.
Starke Halluzinationen treten bei Einnahme von rund 30g getrockneten Peyote (ca. 300mg Meskalin) ein. Die Wirkung setzt meist nach einer 3/4 Stunde bis 2 Stunden ein. Bevor die Wirkung einsetzt kommt es meist zu Übelkeit und oft auch zu Erbrechen. Der Rausch selbst hält dann 6 bis 9 Stunden an.
Der Peyote-Rausch ist ein typischer halluzinogener Meskalinrausch. Trotzdem macht es oft einen Unterschied, ob man reines Meskalin oder Peyote einnimmt: Zum einen beeinflusst die eingehende Übelkeit mit dem anschließenden besseren Befinden den Gemütszustand, zum andern werden mit der Naturdroge der Indianer andere Erwartungen verknüpft, als mit einem im Labor hergestellten Substanz. Die Gehirntätigkeit wird also von Peyote und reinem Meskalin weitgehend gleich verändert. Das subjektive Rauscherlebnis kann aber aufgrund von verschiedenen Erwartungshaltungen und Gemütsstimmungen sehr unterschiedlich empfunden werden. Gerade bei Peyote-Einnahme in schamanischen Zusammenhang sind die halluzinogenen Erlebnisse meist von einer Art Einswerden mit der Natur bzw. einem tieferen Naturverständnis und göttlichen Visionen geprägt. (entheogene Wirkung)
Der Peyotegebrauch ist vom heutigen Mexiko bis in den Süden der USA (Texas) seit prähistorischer Zeit verbreitet. Der Kaktus diente meist im Schamanentum dazu, direkten Kontakt mit den Göttern und Naturgeistern herzustellen. Vor allem die Visionen, die man im halluzinogenen Peyote-Rausch auftreten, galten für die meisten Stämme, die mit dem Kaktus in Berührung kamen von Anfang an als Indiz für einen göttlichen Ursprung der Pflanze und in weiterer Folge des Rausches. Somit wurden und die Peyote-Visionen als direkte Zeichen und Weisungen der Götter gesehen. Daher war Peyote immer auch als Mittel zur Wahrsagerei in Verwendung. In Zusammenhang mit schamanischen Ritualen wurde der Peyotekaktus auch als Allheilmittel verwendet. Besonders die Azteken sind berühmt für ihren Peyote-Kult, sodass viele aztekische Kunstobjekte den Peyote-Rausch zum Thema haben.
Nach der Entdeckung Amerikas wurde der Peyotegebrauch von den christlichen Eroberern verboten. Doch wie sooft konnte auch hier das Verbot keineswegs den Gebrauch völlig unterbinden. Allerdings wurde der rituelle Gebrauch vor allem durch die Zerstörung der aztekischen Kultur sehr zurückgedrängt. Später verbreitete sich der Peyotegebrauch in das Gebiet der USA und wurde in die Kultur vieler nordamerikanischer Indianerstämme integriert.
Heute hat der Gebrauch besonders in der "Native American Church" eine Bedeutung. Diese 1914 gegründete Organisation ist ein Zusammenschluss vieler Indianerstämme, der versucht indianische und christliche Kultur und Religion zu verbinden. Den derzeit ca. 200.000 Mitgliedern ist in vielen Staaten der USA heute der Peyotegebrauch gesetzlich gestattet. Wo er illegal ist, wie etwa in Kalifornien, wird er zumindest toleriert. An frei vereinbarten Tagen wird in großen Runden nachts in einem genau festgelegten Ritus Peyote konsumiert. Der Peyote soll hier eine Art Erleuchtung bringen. Die Teilnehmer versuchen mit Hilfe des Peyote die Grenzen von Raum und Zeit zu überwinden und Visionen zu empfangen, die ihnen im Leben weiterhelfen. Im Mittelpunkt steht das Ziel einer persönlichen Bereicherung durch die erlebten Peyote-Halluzinationen. Rein hedonistisch, wie oft behauptet, ist der Charakter des Gebrauch hier jedoch sicher nicht. Außerdem gilt der Kaktus heute bei den nordamerikanischen Indianern als wichtiges Heilmittel und wird zur Behandlung der meisten Krankheiten oder auch zum Alkoholentzug herangezogen.
Ende des 19 Jahrhunderts wurde aus dem Peyotekaktus zum ersten mal das Halluzinogen Meskalin isoliert, was die Droge auch in Europa bekannt machte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich der Peyotekonsum in Künstlerkreisen als Modedroge und wurde meist in Form von damals frei erhältlichen Tinkturen konsumiert. Auch in okkultistischen Kreisen fand er schnell Eingang. Spätestens nach der Verbreitung von LSD in den 50er Jahren verlor er aber weitgehend seine Bedeutung als Droge in der westlichen Welt. Heute wird seine Einnahme abgesehen von den nord- und mittelamerikanischen Indianern nur noch in manchen alternativen Kreisen praktiziert.
Auch in der Homöopathie findet der Kaktus in der Tinktur "Anhalonium" eine Anwendung. Nach dem Ähnlichkeitsprinzip schloss man aufgrund der bewusstseinsverändernden Wirkung und der runden Form des Kaktus auf eine Anwendungsmöglichkeit im Bereich des Kopfes bzw. des Geistes. Als konkrete Anwendungsgebiete werden Bewusstseinstrübung, Kopfschmerzen, Migräne, Halluzinationen, Schlaflosigkeit, seelisch bedingten Krankheitszustände, Nervenschwäche und Gehirnerschöpfung genannt.
In Österreich und Deutschland fällt der lebende Peyotekaktus nicht unter das Betäubungs- bzw. Suchtmittelgesetz, allerdings das enthaltene Meskalin schon. Somit ist strenggenommen auch der Kaktus nicht verkehrsfähig, obwohl er immer wieder im Blumenfachhandel erhältlich ist. Seine Verwendung als Droge ist auf jeden Fall verboten. Samen sind im Fachhandel frei erhältlich. Homöopathische Zubreitungen sind stark verdünnt (ab D4) verkehrsfähig, allerdings nur schwer erhältlich.
Der San-Pedro-Kaktus trägt die genaue botanische Bezeichnung Trichocereus pachonoi und gehört zur Familie der Kakteen (Cactaceae), genauer der Stangen- oder Säulenkakteen. Er stammt aus den Andenregionen Perus und wird heute in vielen Gebieten Süd-, Mittel und Nordamerikas kultiviert. Der San-Pedro-Kaktus wächst sehr schnell und kann einen Höhe von bis zu sechs Meter erreichen. Der oberirdische Teil besitzt vier bis zwölf, meist jedoch sechs Rippen. Seine weißen Blüten treibt er nur nachts aus. Manchmal bildet er auch große rote Früchte aus.
Der San-Pedro-Kaktus kann durch Samen oder Stecklinge vermehrt werden. Zur Vermehrung mittels Stecklingen werden einfach Teile des lebenden Kaktus abgetrennt und in die Erde gesteckt, worauf sie meist Wurzeln austreiben und zu einem neuen Kaktus heranreifen. Der Kaktus ist an feuchtes Klima gewohnt und kann daher täglich gegossen werden. Andererseits kann er auch monatelang ohne Wasser überleben. Der verhältnismäßig schnell wachsende San-Pedro-Kaktus wird von Peyote-Züchtern auch gerne zum Pfropfen benutzt. Dazu wird die Spitze des San-Pedro-Kaktus flach abgeschnitten und der über der Erde abgeschnittene Kopf des Peyotekaktus aufgesetzt und einige Tage fixiert Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Peyotekaktus, der selbst äußerst langsam wächst, aber eine höhere Wirkstoffkonzentration als der San-Pedro-Kaktus aufweist, dadurch bis zu viermal schneller wächst.
Der San-Pedro-Kaktus enthält einige Alkaloide. Für die Wirkung des San-Pedro-Kaktus ist vor allem das Meskalin verantwortlich, von dem im lebenden Kaktus nur einige Promille enthalten sind, im getrockneten Extrakt einige Prozent. Die Wirkstoffkonzentration ist allerdings sehr variabel. Im allgemeinen enthalten ältere Pflanzen weniger Meskalin als junge.
Zur Bereitung der halluzinogenen Drogen wird der Kaktus 5 bis 10cm oberhalb des Bodens abgeschnitten. Nun kann man den Kaktus in Stücke schneiden und mit Wasser einige Stunden kochen. Durch eine Zugabe von Zitronensaft kann man die Lösung des Meskalins im Wasser begünstigen. Für eine Person ist ein Stück von 25cm Länge und rund 7cm Durchmesse zu berechnen. Wenn man die Rinde abzieht und trocknet, kann sie zu einem Pulver zermalen werden.
Egal wie man den Kaktus zubereitet, er schmeckt immer extrem bitter. Daher werden in Kalifornien gerne mit San-Pedro-Pulver gefüllte Gelatinekapseln geschluckt. Bei Einnahme von einigen wenigen Gramm des Pulvers tritt eine leichte Wirkung ein, die 6 bis 8 Stunden anhält. Ab etwa 8g tritt eine psychedelische Wirkung ein.
Obwohl der Kaktus Meskalin enthält, wirkt er nicht so halluzinogen wie der Peyotekaktus oder pures Meskalin, was wahrscheinlich an den weiteren Inhaltstoffen liegt. Christian Rätsch, der Selbstversuche mit dem San-Pedro-Pulver unternahm, meint "die psychedelische Wirkung äußerte sich mehr im emotionalen Bereich." (siehe Christian Rätsch: "Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen")
Im Andenraum wird der San-Pedro-Kaktus seit mindestens 2000 Jahren rituell benutzt. Durch seine Einnahme kann der Schamane Verbindung mit der Götterwelt aufnehmen und Visionen empfangen und heilen. Er wird auch als Stärkungsmittel (Tonikum) und als Aphrodisiakum verwendet. Schon in der Moche-Kultur (Nordperu) und der Nazca-Kultur (Südperu) war er fixer Bestanteil ritueller Handlungen, was man aus erhaltenen Kunstgegenständen schließen kann. Auch in der späteren Inka-Kultur war er gut bekannt.
Der Name San Pedro steht für den christlichen Heiligen Petrus bzw. Sankt Peter. Rätsch vermutet, dass die Eingeborenen Südamerikas den Kaktus nach der Kolonisation nach dem christlichen Heiligen nannten, um ihn vor einem Verbot durch die spanischen Eroberer zu schützen. Sankt Petrus ist nämlich der Heilige des Regens und derjenige, der den Himmelsschlüssel besitzt. So lag es nahe, den Kaktus, der vermutlich mit Regenkulten in Zusammenhang stand und den Weg in eine andere Welt ebnen konnte, nach Sankt Petrus umzubenennen. Wahrscheinlich ist es ihnen so gelungen, den Kaktus vor einem Verbot durch die Unterdrücker zu schützen, da - anders als beispielsweise beim Coca - über seinen Gebrauch kaum berichtet wurde und nie ein Verbot erlassen wurde.
Der San-Pedro-Kaktus ist im Fachhandel frei erhältlich. Wie beim Peyotekaktus gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen für die Pflanze selbst. Strenggenommen könnte der Kaktus zwar aufgrund des enthalten Meskalin, das als "Suchtmittel" gilt, beschlagnahmt werden, in der Praxis wird es aber wohl kaum dazu kommen, da in Europa heute - wenn überhaupt - eher der stärker wirkende Peyote-Kaktus konsumiert wird und auch dessen Besitz kaum strafrechtlich verfolgt wird.
Meskalin ist ein Alkaloid aus der Stoffklasse der β-Phenylalkylamine, das im Peyotekaktus und im San-Pedro-Kaktus enthalten ist. Seine genaue chemische Bezeichnung ist 3,4,5-Trimethoxyphenylethylamin. 1896 gelang es dem Chemiker A. Heffter den Stoff zu isolieren und 1919 wurde von Späth seine Strukturformel ermittelt und der Stoff das erste mal synthetisiert. Vor der Entdeckung des wesentlich stärkeren LSD wurde oft mit Meskalin experimentiert. Der Schriftsteller und Philosoph Aldous Huxley hat in seinen essayartigen Erfahrungsberichten "Die Pforten der Wahrnehmung" und "Himmel und Hölle" die Wirkung des Halluzinogens sehr eindrucksvoll beschrieben und von der philosophischen und psychologischen Seite her genau analysiert.
Seit man von der Wirkung des viel potenteren LSD weiß, also seit Mitte der 40er Jahre, wird reines Meskalin kaum noch Konsumiert. Wenn auf dem Schwarzmarkt Meskalin angeboten wird, handelt es sich in Wirklichkeit fast immer um LSD oder ähnlich potente synthetische Halluzinogene. Eine Bedeutung hat Meskalin noch als wirksames Alkaloid des Peyotekaktus, der besonders in der "Native American Church" Teil von Kulthandlungen ist.
Obwohl Meskalin chemisch kaum mit LSD verwandt ist, ruft es fast exakt die gleiche Wirkung hervor, so dass in Blindversuchen LSD und Meskalin meist nicht unterschieden werden können. Im Unterschied zum synthetischen LSD muss es allerdings etwa 2000mal so stark dosiert werden, um den selben Effekt auszulösen (200-400mg). Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass die Wirkung etwas langsamer kommt (nach 45 - 120 Minuten) und länger anhält (10-12 Sunden), was darauf zurückzuführen sein könnte, dass erst ein Metabolit des Meskalin für die halluzinogene Wirkung verantwortlich ist. Oft wird der Eintritt der Wirkung auch von Übelkeit begleitet.
Während die Wirkung selbst fast gleich erlebt wird, gibt es neben der chemischen Struktur noch ein zweites fundamentales Unterscheidungsmerkmal zwischen Meskalin und LSD. Während LSD auf neurochemischer Ebene in den Serotoninhaushalt eingreift, wirkt Meskalin auf den Botenstoff Noradrenalin ein. Dass beide Drogen fast gleich Wirken verwundert noch mehr, wenn man bedenkt, dass Psilocin, das chemische relativ nahe mit LSD verwandt ist (beide Stoffe sind Tryptamine) und durch denselben Wirkmechanismus sein halluzinoge Wirkung auslöst, zwar auch halluzinogen, aber nicht so tiefgreifend, wirkt.
Es bis heute nicht eindeutig geklärt, warum Meskalin und LSD überhaupt wirken, genauso wenig wie man erklären kann, wieso bei völlig verschiedener neurochemischer Wirkung und fehlender chemischer Verwandtheit einander so ähnliche Rauschzustände hervorgerufen werden.
Lysergsäurediethylamid, Acid, Trip
LSD (Lysergsäurediethylamid) ist ein starkes Halluzinogen. Der Stoff wurde von Albert Hofmann im Zuge der Mutterkorn-Forschung 1943 entdeckt.
LSD wird normalerweise oral eingenommen. Dazu ist es schon lange üblich, die flüssige Substanz auf Filz- oder Löschpapier zu tropfen. Ein Stück von der Größe 1x1cm kann problemlos die erforderte Dosis für einen starken LSD-Rausch von rund 100μg (0,1mg) aufnehmen. Da sich LSD an der Luft leicht zersetzt, wird das Löschpapier oft noch mit einem Stoff besprüht, der eine Art Schutzschicht um das LSD bildet. Verwunderlich ist, dass von dieser ohnehin außerordentlich geringen erforderlichen Dosis nur ein kleiner Teil die Blut-Hirn-Schranke überwindet, sodass bei direkter Injektion in das Rückenmark 1/10 der Dosis dieselbe Wirkungsintensität auslöst.
Wenn kleine Löschpapiersteifen als Meskalin angeboten werden handelt es sich um einen Vermarktungstrick, da Meskalin etwa 2000mal höher Dosiert werden muss als LSD und diese Dosis und auch bei guter Saugfähigkeit nur auf ein deutlich größeres Stück Löschpapier aufgetragen werden kann. Allerdings sind mittlerweile einige weitere Halluzinogene synthetisiert worden, die ähnliche Potenz und Wirkung wie LSD haben wie z.B. ETH-LAD, das ein chemisch leicht verändertes LSD ist und etwa doppelt so stark wirkt oder DOB (ein β-Phenylalkylamin). Der Verkauf dieser Substanzen unter dem bekannteren Namen LSD erklärt auch, warum viele Konsumenten deutlich die Wirkung verschiedener "LSD-Sorten" unterscheiden. In den letzten Jahren war z.B. die Sorte "Dr. Hofmanns Millennium", eine Anspielung auf den Entdecker des LSD, in Wien besonders berühmt. Wegen der manchmal etwas unangenehmen Nachwirkung von LSD wird oft behauptet, es wäre üblich LSD mit Strychnin zu strecken. Tatsächlich wird aber fast nie Strychnin in untersuchten LSD-Trips gefunden. Als Nebenprodukt bei der Herstellung kann es auch nicht entstehen.
Die genaue neurochemische Wirkung von LSD und den ähnlichen Halluzinogenen Meskalin und Psilocybin ist noch nicht exakt aufgeklärt. Bei LSD und Psilocin besteht ein Zusammenhang mit dem Neurotransmitter Serotonin, Meskalin greift in den Noradrenalinhaushalt ein. Es werden dabei Bereiche des Gehirns beeinflusst, die für die Verarbeitung von Sinneseindrücken zuständig sind. Der Schriftsteller und Philosoph Aldous Huxley, der einige Selbstversuche mit Meskalin unternahm, führte zur Beschreibung der Wirkung von Halluzinogenen den Begriff "Reduktionsschleuse" ein. Damit ist ein Mechanismus gemeint, der nur die für das Überleben wichtige Sinneseindrücke in das Bewusstsein dringen lässt. Diese Mechanismen werden durch LSD und andere halluzinogen wirkende Substanzen gelockert oder ganz ausgeschaltet, sodass eine Flut von neuen Eindrücken in das Bewusstsein es Konsumenten tritt.
20 -60 Minuten nach der oralen Einnahme von LSD setzt die Wirkung ein, die etwa 8 - 12 Stunden anhält. Das Maximum ist nach rund 3 Stunden erreicht, anschließend wird sie wieder langsam schwächer. Neben der oralen Einnahem ist es natürlich auch möglich, LSD intravenös zu injizieren. Bei dieser kaum angewandten Einnahmeform tritt die Wirkung schon nach einigen Minuten ein.
Anfangs ist meist ein leichtes Kribbeln in der Bauchgegend spürbar, das von einem unsicheren Gefühl begleitet sein kann. Bald kommt es zu einer veränderten Wahrnehmung. Wegen der pupillenerweiternden Wirkung wird grelles Licht als sehr unangenehm empfunden. In fast allen Erfahrungsberichten wird ein kaleidoskopartiges Farbenspiel beschrieben, das der Konsument vor alle bei geschlossenen Augen sieht. Albert Hofmann schrieb in seinem Bericht über sein erstes bewusstes LSD-Experiment von einer Ich-Auflösung. Das Ego und der persönliche Wille scheinen unter Einfluss von LSD weitgehend zu verschwinden. Typisch für Halluzinogene ist auch das Auftreten von Synästhesien, also von Verknüpfung von Sinneseindrücken. So können Töne in Form von verschiednen Mustern und Farbenspielen oder Farben als Geschmack oder Geruch wahrgenommen werden.
Bei einem starken LSD-Rausch kommt es meist auch zu Eindrücken, die man als Halluzinationen bezeichnet. Dabei nehmen Dinge andere Gestalt an, Gegenstände werden belebt oder Menschen verwandeln sich in Tiere oder bekommen bösartige Fratzen, um nur einige mögliche "Halluzinationen" zu nenne. Hier von Halluzinationen zu sprechen ist allerdings nicht ganz korrekt, da sich der betroffene im Normalfall der Unwirklichkeit der Erlebnisse bewusst ist. Korrekterweise müsste man daher von "Pseudo-Halluzinationen" sprechen. Da diese Nomenklatur aber weit verbreitet und allgemein verständlich ist, werden auch auf dieser Seite drogeninduzierte veränderte Wahrnehmungsformen als Halluzinationen bezeichnet.
Bei der LSD-Diskussion wird oft der Fehler begangen, den Ursprung der Halluzinationen in der Substanz LSD zu suchen. Dieser Trugschluss zeugt wieder einmal von der inkonsequenten Denkweise und groben Pauschalisierung, auf deren Basis die Drogenthematik auch heute noch - nicht nur von den Urhebern diverser Präventivmaßnahmen - behandelt wird. In der Droge LSD ist nämlich bloß der Auslöser der erlebten (Pseudo-) Halluzinationen zu suchen. Der Ursprung liegt immer in der Psyche des Konsumenten selbst. Im LSD-Rausch kann sich durch die Lockerung der erwähnten Filter Bewusstes wie auch Unbewusstes in Form modifizierter Sinneseindrücke manifestieren. Somit relativiert sich auch der Begriff Halluzination bzw. Sinnestäuschung, da gerade im LSD-Rausch jeder gewonnne Eindruck eine realen Hintergrund besitzt.
Bei der LSD-Diskussion auf philosophischer Ebene stellt sich immer als erstes die fundamentale Frage nach der Realität selbst und in wieweit die von uns subjektiv erlebte Realität auch objektiv real ist. Viele Psychologen und Philosophen haben sich in Zusammenhang mit den Erlebnissen unter Einfluss von LSD, Meskalin oder Psilocybin diese Fragen gestellt. Oft waren es erst die "Trugbilder" im Rausch, die zu einen tieferen Einblick in die wahre Beschaffenheit der Welt bzw. zur Einsicht, dass die menschliche Wahrnehmung begrenzt ist, geführt haben.
Allen Interessierten sei hier besonders das ausführliche Essay "Die Pforten der Wahrnehmung" von Aldous Huxley empfohlen, das auch Erfahrungsberichte enthält. Auch der Chemiker Albert Hofmann, der Entdecker des LSD, hat dieses Thema in "LSD - Mein Sorgenkind" mit sehr viel Tiefgang behandelt.
LSD ist eine der stärksten halluzinogenen Drogen und brigt damit eine große Gefahr für die Psyche, besonders für psychisch labile Persönlichkeiten.
Weiters ist der Mischkonsum gefährlich.
Die Gefahr eine Abhängigkeit zu entwickeln ist eher gering.
Eine körperliche Abhängigkeit ist bei LSD ausgeschlossen. Ob sich eine milde psychische Abhängigkeit einstellen kann, ist sehr umstritten. Dass Halluzinogene wie LSD nicht in den Gemütszustand eingreifen, sondern ihn in gewisser Hinsicht nur in Halluzinationen umsetzen, spricht eher gegen das Herbeiführen einer psychischen Sucht. Eine psychische Sucht im eigentlichen Sinn ist nämlich - vereinfacht gesagt - das starke Verlangen durch das Ausführen einer bekannten Handlung - zum Beispiel Konsum bestimmter Substanzen - seine momentane psychische Lage zu verbessern - und das kann durch LSD selbst nicht geschehen.
Ein gewisses Suchtpotential ist vielleicht gegeben, wenn der Konsument durch die Einnahme der Droge versucht, seiner Umwelt zu entfliehen. Diese scheinbare Flucht kann allerdings nicht wirklich geschehen, da gerade im traumartigen LSD-Rausch alle Verdrängungsmechanismen ausgeschaltet sind.
Von Mischkonsum von LSD mit andern Drogen ist dringendst abzuraten. Besonders mit MAO-Hemmern kann es zu einem gefährlichen Anstieg des Bluthochdrucks kommen. Neben den gesundheitlichen Risiken birgt das Austreten von unangenehmen Wechselwirkungen auch die Gefahr, das der Rausch in einen Horrortrip ausartet.
Eine Überdosis mit tödlichem Ausgang aufgrund einer physisch-toxischen Wirkung ist bei LSD bis heute nicht bekannt. Aus Experimenten mit Mäusen wurde eine LD-50 von etwa 15mg, also 15.000μg beim Menschen errechnet, eine Dosis, die mehrere Hundert LSD-Trips auslösen kann. Es gibt allerdings einen Bericht von einem Drogendealer, der sogar 40.000mg LSD wegen einer Polizeikontrolle geschluckt haben soll, und selbst diese Dosis überlebte. Sein Rausch hielt drei Tage an und hinterließ keine bleibenden Schäden.
Die größte Gefahr bei Halluzinogene geht von der tiefgreifende psychischen Wirkung aus. Im Laufe der Evolution sind mit der Entwicklung immer komplexerer Nervensysteme bis hin zur vielschichtigen menschlichen Psyche wichtige psychische Mechanismen entstanden, die es uns erst möglich machen in unserer Umwelt zu überleben und zweckorientiert zu denken. Dazu gehören gewisse Filter, die für das Überleben unwichtige Sinneseindrücke weitgehend ausfiltern, sodass diese nicht in unser Bewusstsein dringen können und Verdrängungsmechanismen, die zwar die Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen verhindern, es aber erleichtern diese zu verkraften.
All diese Bewusstseinsschranken werden durch starke Halluzinogene weitgehend unterdrückt. Die Gefahr, die davon ausgeht, liegt auf der Hand. Liegen Ängste, starke Komplexe oder eine depressive Grundstimmung vor, kann es zu Erlebnissen kommen, die man selbst nicht mehr verarbeiten kann. Im Extremfall kann der Betroffene nicht mehr ins Alltagsleben zurückfinden und "bleibt hängen".
Hinterlässt ein LSD-Trip bleibende Veränderungen, so spricht man normalerweise von Realitätsverlust. Mit diesem Begriff werden mitunter auch von Ignoranten auch Menschen, die wie Aldous Huxley, durch die Drogen einen tieferen Einblick in das Wesen der Realität gewonnen haben, bezeichnet. Tatsache ist jedoch, das wir gewisse Dinge akzeptieren müssen, um ein normales Leben führen zu können. Somit setzt der Realitätsverlust dort ein, wo ein normales Leben in und mit der Umwelt nicht mehr möglich ist - Ein Schicksal, das schon viele LSD-Konsumenten ereilt hat. Daher ist trotz dem geringen Suchtpotential auch Menschen mit gefestigter Persönlichkeit sehr davon abzuraten, LSD und ähnlich Halluzinogene öfter als einmal pro Woche einzunehmen, da es bei zu häufigem Konsum zu ebendiesem Realitätsverlust kommen kann.
Jahrhunderte lang war der auf dem Rogen schmarotzende Schlauchpilz Claviceps purpurea (Mutterkorn) Grund für zahlreiche Epidemien, die ganze Dörfer heimsuchten und meist zahlreiche Todesopfer forderten. Der Grund für den langsamen Tod durch den Ergotismus, so die fachliche Bezeichnung der Mutterkorn-Vergiftung, war die gefäßverengende Wirkung der Mutterkorn-Alkaloide, die im menschlichen Organismus zu massiven Durchblutungsstörungen führen.
Diese Wirkung war es allerdings auch, die das Mutterkorn über eine lange Zeit hinweg zu einer wichtigen Arznei in der Geburtenhilfe zur Einleitung der Wehen und der Blutstillung machte. Ausgehend von dieser Wirkungsweise wurde unter der Leitung von Albert Hofmann im Schweizer Chemiekonzern "Sandoz" nach neuen medizinisch interessanten Stoffen auf der Basis de Mutterkorn-Alkaloide gesucht..
Der Sammelbegriff Mutterkorn-Alkaloide umfasst eine große Anzahl von Verbindungen, die in verschieden Schlauchpilzen der Gattung Claviceps und Windengewächsen vorkommen und die chemische Struktur des Ergolin als Grundskelett haben. Diese Verbindungen lassen sich in 2 Gruppen teilen: eine hochtoxische, deren Vertreter auch für den Ergotismus verantwortlich sind und eine psychoaktive, der auch das mittelgradig halluzinogen wirkende Lysergsäureamid (LSA) angehört.
Eines der Ergebnisse der Mutterkorn-Forschung war die Entdeckung eines chemisch geringfügig veränderten LSA, dem Lysergsäurediethylamid (LSD). Oft wird es auch LSD-25 genannt, was bedeutet, dass es als 25. Derivat aus der Lysergsäure synthetisiert wurde. Das 1938 entdeckte LSD zeigte aber bei den Tierversuchen keine pharmakologisch interessanten Eigenschaften und wurde daher nicht weiter untersucht.
Erst 5 Jahre später arbeitete Albert Hofmann, der Entecker der Substanz, wieder mit LSD. In dieser Zeit wurde er am 16. April 1943 während der Arbeit von einem seltsamen Schwindel ergriffen. Als er später zu Hause war, bemerkte er, dass ihn das Tageslicht störte. Bei geschlossenen Augen sah er kaleidoskopartige Bilder und besonders intensive Farben. Da LSD die einzige Substanz war, mit der er an diesem Tag nähe in Kontakt gekommen sein konnte, nahm er an sie der Grund für das Rauscherlebnis gewesen war.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, entschloss er sich einen Selbstversuch zu wagen. Dabei wählte er eine - wie er meinte - extrem geringe Dosis, nämlich 250μg (0,25mg), da er mit einer äußerst hohen Potenz des Stoffes rechnete, der wahrscheinlich allein durch Hautkontakt in die Blutbahn gelangt war. Die Folge war ein heftiger von Halluzinationen geprägter Rausch mit Todesängsten. Später stellte sich heraus, dass er ein vielfaches der wirksamen Dosis genommen hatte. Damit war LSD das potenteste damals bekannte Halluzinogen. Heute gibt es einige weiter hochpotente Halluzinogene wie das ETH-LAD (Ethyl-Lyserg-Acid-Diethylamid), das sich nur dadurch vom LSD unterscheidet, dass es an stelle einer Methyl- eine Ethylgruppe besitzt und etwa doppelt so stark wie LSD wirkt.
In den ersten Jahren nach der Entdeckung von LSD stand der psychotomimetische ("Geisteskrankheiten nachahmend") Aspekt der seiner Wirkung im Mittelpunkt. Es wurde von Sandoz ab 1949 unter dem Namen "Delysid" in Form von kleinen blauen Tabletten verkauft und sollte vor allem Psychotherapeuten in die Lage versetzen, sich durch den erlebten LSD-Rausch besser in die Lage von Schizophrenen und Menschen ähnlichen psychischen Problemen versetzten zu können. Ein weiterer therapeutischer Ansatz war, dass LSD durch die Ausschaltung von gewissen Schranken Unbewusstes zu Tage bringt und Verdrängtes im Rausches wieder ins Bewusstsein tritt.
Voraussetzung sind allerdings eine gewisse psychische Stabilität und ein großes Vertrauen zum Therapeuten, da ansonst die Lage des Patienten weiter verschlimmert werden kann. Trotz dieser Einschränkungen galt die neue Substanz eine Zeit lang in Fachkreisen als wahres Wundermittel. Dass eine Selbstmedikation ohne entsprechende Begleittherapie sehr riskant ist und Probleme weiter vertiefen kann, wurde allerdings schon damals erkannt. In der Öffentlichkeit war die Droge damals kein Thema, da der die außertherapeutische Einnahme erst ein über ein Jahrzehnt später modern wurde.
Ähnlich wie mit MDMA fühlte der CIA und die US-Army in den 50er Jahren auch Menschenversuche mit LSD durch. Dabei wurde das Halluzinogen meist uninformierten Personen verabreicht, was besonders schwerwiegende Psychosen auslösen kann, da sich der Betroffene nicht bewusst ist, dass sich beim Erlebten nur um die Wirkung einer Droge handelt. Vor allem der Einsatz von LSD als "Wahrheitsdroge", also als ein Mittel, das bewusstes Lügen verhindern soll, wurde erforscht. Die erwartete Wirkung blieb jedoch meistens aus.
Lange Zeit handelte es sich bei den Berichten über derartige Tests nur um Gerüchte. Erst in den 70er Jahren wurden die beteiligten Einrichtungen durch ein neues Gesetz gezwungen, die Protokolle über die LSD-Versuche offen zu legen.
Rund 15 Jahre lang war LSD eine ausschließlich in der Fachwelt bekannte Substanz. Neben der Anwendung in der Psychotherapie beschränkte sich seine Einnahme auf wenige Selbstversuche in Insiderkreisen. So wurde Anfang der 60er Jahre auch der Psychologie-Dozent Timothy Leary von der Harvarduniversität auf die Droge aufmerksam. Er sah darin weniger ein psychotomimetisches Mittel, sondern stelle den psychedelischen, also bewusstseinserweiternden, Aspekt der Droge in den Vordergrund. Er war es auch der den Begriff "psychedelic", was soviel wie "das Seele offenlegend" bedeutet, prägte. (Eingeführt wurde dieser Begriff allerding von Humphry Osmond und nicht von Leary selbst.)
Vor allem durch Timothy Leary, wurde die neue Wunderdroge nun sehr schnell einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Er begründete eine neue mystische Bewegung, in deren Mittelpunkt das von ihm propagierte LSD stand. Eine neue Subkultur war durch ihn entstanden, die bald die ganze westliche Welt erfasste und ihren Höhepunkt in der Hippiebewegung fand. Seine Philosophie traf den genau den damaligen Zeitgeist und wurde prägend für ganzes Jahrzehnt. Leary selbst wurde zum Guru einer ganzen Generation.
Zusammen mit dieser immer größeren Präsenz von LSD in der Öffentlichkeit entfachte sich auch eine immer hitziger werdende Diskussion über die Droge. Immer öfter verbreiteten sich Meldungen über die große Gefährlichkeit des Halluzinogens. Dabei wurde zweifelsfrei oft übertrieben. Trotzdem ist nicht zu bestreiten, dass in der Hippiezeit sicher viel zu unvorsichtig mit Drogen umgegangen wurde. Es sind wohl auch keine Märchen, dass gerne anderen unwissentlich Drogen in das Getränk gegeben wurde. Exprimtieren mit verschiedensten psychoaktiven Stoffen war einfach modern und mögliche Gefahren wurden meist übersehen.
Da man der extremen Potenz von LSD nicht mit dem gebührenden Respekt begegnete und die Droge oft in unpassender Umgebung und Stimmung nahm, traten immer wieder ernsthafte psychische Komplikationen auf und für nicht wenige endete der LSD-Trip in der Psychiatrie. Im Gegensatz zu vielen seiner Anhänger war sich Leary selbst über die Gefahren der von ihm propagierten Droge bewusst. Er betonte zwar meist die positiven Aspekte und sah in LSD ein Heilmittel vorwiegend gesellschaftsbedingter falscher Sichtweisen, das dem Konsumenten die wahre Beschaffenheit der Welt und der Seele zeigt ("psychedelic") - so seine Philosophie, aber er warnte auch vor einem unsachgemäßen Gebrauch sowie vor einer Einnahme bei psychisch labilen Personen.
Immer mehr wurde die neue Wunderdroge LSD für seinen Entdecker Albert Hofmann zum Sorgenkind. Aufgrund der immer größer werdenden Probleme mit der Droge - vor allem durch sorglosen Umgang - wurde die Produktion von Delysid 1966 eingestellt und die Substanz LSD bald darauf weltweit als nicht verkehrsfähiges Suchtmittel eingestuft.
Für die Hippiebewegung wurde dir Droge dadurch nur noch interessanter und so stieg der Konsum bis 1970 immer weiter an. Mit dem Ende der Hippiebewegung nahm auch der LSD-Konsum rapide ab. So schnell wie es sich verbreitet hat, war es wieder verschwunden und während der 70er und 80er Jahre wurde es kaum konsumiert. Seit den Anfang der 90er Jahre ist der Konsum im Zuge der Technokultur jedoch wider stark gestiegen. Heute wird LSD wieder von vielen Musikern - von Marilyn Manson bis Eminem - propagiert. Daneben hat sich im letzten Jahrzehnt auch der Konsum von psilocin-haltigen Pilzen etabliert, der in den 60ern kaum verbreitet war.
N,N-DMT, Dimethyltryptamin, Nigerin, Nigerina, Desoxybofotenin
Dimethyltryptamin, kurz DMT, aus der Stoffklasse der Tryptamine wurde erstmals 1931 von R.H.F. Manske synthetisch im Labor hergestellt. Erst in den 50er Jahren entdeckt man, dass es sich dabei um einen Naturstoff handelt, der in vielen Pflanzen vorkommt, wodurch DMT auch ein Alkaloid (Indolalkaloid) Ist. Später wurde der Stoff auch in vielen Tieren und im Menschen nachgewiesen. DMT ist von der chemischen Struktur her sehr nahe mit dem Halluzinogen Psilocin verwandt und wirkt ebenfalls halluzinogen. Es gilt als eines der stärksten Halluzinogene überhaupt mit einer äußerst kurz anhaltenden Wirkung.
DMT in isolierter Form (als Salz oder Base) kann nur geraucht, geschnupft oder gespritzt werden. Die Wirkung setzt schon nach einigen Sekunden ein und dauert ca. 10 Minuten (bei intravenöser Injektion ca. 45 Minuten). Als Dosis werden 20 bis 100mg angegeben.
Bei oraler Einnahme wird der Wirkstoff vom Enzymkomplex Monoaminooxidase (MAO) abgebaut bevor er die Blut-Hirn-Schranke passieren kann. Um dies zu verhindern kann DMT zusammen mit MAO-Hemmern eingenommen werden. Eine Zubereitung, die DMT und MAO-Hemmer in Kombination enthält ist das sogenannte "Ajahuasca". In der klassischen Form werden von den Amazonasindianern dazu die Blätter von Psychotria viridis (Chacruna, enthält DMT) zusammen mit Stängeln von Banisteriopsis caapi (Ajahuascaliane, enthält die MAO-Hemmer Harmin und Harmalin) zu einem übel schmeckenden Trank verarbeitet. Es gibt aber eine große Anzahl von Ajahuascaanlogen, die aus anderen Pflanzen mit DMT-Gehalt und verschiedenen MAO-Hemmern zubereitet werden.
Bei der Verwendung von chemischen Reinstoffen können 150mg Harminhydrochlorid und 15 bis 20 Minuten später 30 bis 60mg DMT eingenommen werden. Man spricht dann von "Pharmahuasca".
Bei oraler Einnahme von Ajahuascaanalogen oder Pharmahuasca spürt man zuerst eine Sedierung durch das Harmalin. In der Phase der Anflutenden Wirkung kommt es dann meist zu Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Nach etwa 45 Minuten setzt die halluzinogene Wirkung des DMT ein, die etwa 1 Stunde sehr stark ist und dann abrupt nachlässt. Nach rund 4 Stunden ist man wieder einigermaßen nüchtern.
Während bei den Halluzinogenen LSD, Meskalin und Psilocin eine hohe Toleranzbildung sowie eine Kreuztoleranz auftritt, erflolgt bei DMT keine Gewöhnung. DMT kann somit theoretisch bei gleichbleibender Wirkung sogar mehrmals täglich eingenommen werden.
Mittlerweile konnte DMT auch im menschlichen Körper nachgewiesen werden. Es hat wahrscheinlich eine wichtige Funktion als Neurotransmitter. Hier ist noch viel Forschungsarbeit zu leisten, da es bisher nur Vermutungen über die Aufgabe von DMT im menschlichen Organismus gibt. Vor allem eine Wichtige Rolle von DMT bei Träumen wird diskutiert. Man vermutet sogar, dass die Ausschüttung von DMT die neurochemisch Basis für das Erleben von Träumen ist. In diesem Zusammenhang ist auch eine Funktion bei schamanischen Erlebnissen und bei Meditation sehr wahrscheinlich.
DMT ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein nicht verkehrsfähiges Rauschgift. Für DMT-haltige Pflanzen gibt es keine Gesetze. Aufrund ihres DMT-Gehalts fallen sie aber eigentlich auch unter die DMT-Verbote. Eine Zucht mit dem Ziel der DMT-Herstellung ist auf jeden Fall untersagt.
Wahrsagesalbei, Aztekensalbei, Mazatekensalbei, Zaubersalbei
Salvia divinorum aus der Familie der Labiatae (Lippenblütler) stammt ursprünglich aus dem Mazatekengebiet im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Die Vermehrung mit Samen ist sehr schwierig. Dafür lässt sich die Pflanze ohne Probleme mit Stecklingen vermehren. Angeblich sollen sogar abgefallene Pflanzenteile schnell Wurzeln schlagen und zu neuen Pflänzchen heranreifen.
Die immergrüne staudenförmige Pflanze muss an schattigen Plätzen stehen und täglich reichlich gegossen werden, um optimal zu gedeihen. Sie wird bis über 1m groß und besitzt einen eckigen, viereckigen Stängel. Die hellgrünen Blätter sind leicht behaart und werden rund 10cm breit und 20cm lang. In Mexiko liegt die Blütezeit zwischen Oktober und März. Bei der Kultivierung kommt sie meist nicht zur Blüte. Früchte werden generell sehr selten gebildet.
Hauptwirkstoff von Salvia divinorum ist Salvinorin A, das bei einer Dosis von 150 bis 500μg starke Halluzinationen hervorruft. Weitere Inhaltsstoffe sind Salvinorin B, Lilioid und einige weitere bisher nicht näher bestimmte Substanzen. Salvinorin A und B enthalten keinen Stickstoff und sind somit keine Alkaloide. Salvinorin, die Cannabinoide (zB. THC) und die Inhaltstoffe mancher ätherischer Öle sind übrigens die einzigen psychoaktiven Pflanzenstoffe, die nicht zu den Alkaloiden zu zählen sind.
Als halluzinogene Droge dienen die fischen oder getrockneten Blätter. Die Mazateken drehen aus 26 Blättern ein zigarrenähnliches Gebilde (Priem), das sie im Mund zerkauen und auslutschen, aber nicht schlucken, da die Wirkstoffe nur durch die Mundschleimhaut resorbiert werden können. Als Mindestdosis werden bei dieser Einnahmeform 6 Blätter angegeben. Die Wirkung tritt nach etwa 10 Minuten ein und hält rund 45 Minuten an.
Getrocknete Blätter werden am besten pur geraucht. Für eine ausgeprägte halluzinogene Wirkung wird dazu eine Mindestdosisdosis von einem halben Blatt angegeben, was etwa 2 bis 3 tiefen Zügen entspricht. Die Wirkung tritt sehr schnell nach dem Rauchen ein.
Die relativ kurzzeitige Wirkung von Aztekensalbei ist als halluzinogen einzustufen, lässt sich aber nur schwer mit der Wirkung anderer Halluzinogene wie LSD vergleichen. Folgende Merkmale weist ein typischer Salvia divinorum Rausch nach Daniel Siebert auf:
Vermutlich wurde Salvia divinorum schon von den Azteken als Entheogen benutzt. Die Einnahme bei nächtlichen Heilritualen ist bis heute bei den Mazateken sehr verbreitet, wobei allerdings die länger wirkenden psilocin-haltigen Pilze normalerweise vorgezogen werden.
Der westlichen Welt ist die halluzinogene Pflanze erst seit ihrer Entdeckung sowie der Entdeckung ihres rituellen Gebrauchs Anfang der 60er Jahre bekannt. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten wurden die wichtigsten Inhaltsstoffe entdeckt sowie die Pharmakologie der Pflanze aufgeklärt. Weitere Entdeckungen, insbesondere weitere Inhaltsstoffe, sind noch zu erwarten.
Die Pflanze Salvia divinorum sowie ihr Wirkstoff Salvinorin A unterlagen lange keinerlei gesetzlichen Bestimmungen. Samen und getrocknete Pflanzenteile konnten über den ethnobotanischen Fachhandel bezogen werden.
Mittlerweile fällt die Pflanze bzw. das Extrakt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz. In Österreich und der Schweiz ist die Pflanze weiterhin legal erhältlich.
4-Hydroxy-N,N-diethyltrptamin
4-HO-DET (Abkürzung für 4-Hydroxy-N,N-diethyltrptamin) ist ein rein synthetisch hergestelltes Halluzinogen. Die Substanz gehört der Stoffklasse der Tryptamine (Indolderivate) an.
Als Dosis werden 10-25mg angegeben. Die Wirkung hält 4 bis 6 Stunden an.
4-Hydroxy-N,N-diisopropyltryptamin
4-Hydroxy-N-methyl-N-isopropyltryptamin
4-HO-MIPT (Abkürzung für 4-Hydroxy-N-methyl-N-isopropyltryptamin) ist eine halluzinogene Droge aus der Stoffklasse der Tryptamine (Indolderivate), die nur synthetisch hergestellt werden kann.
Die Wirkung wird als Kombination von berauscht-sein wie durch Alkohol mit halluzinogenen Elementen wie Farbenspiel beschrieben.
Die mittlere Dosis beträgt 12-25mg bei oraler Einnahme. Die Wirkung hält ca. 4 bis 6 Stunden an.
4-Methoxy-N-methyl-N-isopropyltryptamin
5-Methoxy-N,N-diisopropyltryptamin
5-MeO-DIPT (5-Methoxy-N,N-diisopropyltryptamin) ist eine rein synthetische halluzinogene Droge aus der Stoffklasse der Tryptamine (Indolderivate).
Die halluzinogene Wirkung zeigt sich vor allem durch die empathogene Wirkung. Angeblich soll 5-MeO-DIPT ein starkes Aphrodisiakum sein.
Als Dosis werden 6-12mg angegeben. Die Wirkung hält 4 bis 8 Stunden an.
5-Methoxy-N,N-dimethtytryptamin
5-MeO-DMT (Abkürzung für 5-Methoxy-N,N-dimethtytryptamin) ist eine halluzinogene Droge aus der Stoffklasse der Tryptamine (Indolderivate).
Die Droge wirkt stark halluzinogen - ähnlich wie DMT.
5-MeO-DMT kommt natürlich in einigen Pflanzen und im Sekret der Colorado River Toad (Bufo alvarius), die in der Wüste von Arizona beheimatet ist, vor. Es bilden zwar auch andere Kröten Bufotenin (in geringeren Mengen als die Colorado River Toad), doch die Colorado River Toad ist die einzige, deren Sekret kaum Bofotoxine (von Kröten produzierte Giftstoffe) enthält, dafür aber bis zu 15% Bufotenin der Trockenmasse. Zur Verwendung als Droge wird die Kröte "gemolken" und das getrocknete Sekret geraucht, wodurch auch enthaltene Giftstoffe nicht wie bei oraler Einnahme in den Organismus kommen.
Als Dosis werden bei Rauchen 10-20mg angegeben; Bei intravenöser Injektion nur 2-3mg. Die Wirkung hält beim rauchen 10 bis 20 Minuten an; bei intravenöser Injektion 1 bis 2 Stunden. Oral ist die Droge nur mit MAO-Hemmern wirksam.
5-Methoxy-α-methyltryptamin, α,O-DMS
5-MeO-α-MT (Abkürzung für 5-Methoxy-α-methyltryptamin; auch α,O-DMS) ist eine nur synthetisch herstellbare halluzinogene Droge aus der Stoffklasse der Tryptamine (Indolderivate).
Die Wirkung ist halluzinogen und stimulierend und wird vor allem auf emotionaler Ebene wahrgenommen.
Als Dosis werden 2,4 – 4,5mg angegeben. Die Wirkung hält 12 bis 18 Stunden an.
5-HO-DMT, Mappin, 5-Hydroxy-N,N-dimethtytryptamin
Bofotenin (chemische Bezeichnung 5-Hydroxy-N,N-dimethtytryptamin; Abkürzung: 5-HO-DMT) ist eine leicht halluzinogene Droge aus der Stoffklasse der Tryptamine (Indolderivate).
Die Wirkung ist nur sehr schwach halluzinogen, dafür wirt sich die Droge eher im emotionalen Bereich aus.
Der Stoff Bofotenin kommt natürlich in einigen Pflanzen und im Sekret der Gemeinen Kröte (Bufo vulgaris) vor.
Bei intravenöser Injektion wird eine Dosis von 8-16mg angegeben. Die Wirkung hält ca. 1 bis 2 Stunden an.
Diethtytryptamin
DET (Abkürzung für Diethtytryptamin) ist eine halluzinogene Droge aus der Gruppe der Tryptamine (Indolderivate), die nur synthetisch hergestellt werden kann.
Die Wirkung ist halluzinogen, allerdings kommt es kaum zu einer sogenannten "Ich-Auflösung" wie etwa beim LSD. Der Rausch ist relativ gut kontrollierbar und das Realitätsempfinden wird vergleichsweise wenig beeinflusst.
Als mittlere Dosis werden bei oraler Einnahme 50-100mg angegeben; bei oraler Einnahme 40-70mg und beim Rauchen als freie Base 20-40mg. Die Wirkung hält etwa 2 bis 4 Stunden an.
N,N-Diisopropyltryptamin
DIPT (N,N-Diisopropyltryptamin) ist eine rein synthetisch hergestellte halluzinogene Droge aus der Gruppe der Tryptamine (Indolderivate).
Die Wirkung ist halluzinogen, allerdings macht sie sich vor allem auf akustischer Ebene bemerkbar. Es kommt zu kaum bis keinen optischen Halluzinationen. Man spricht daher bei DIPT auch von einem "Akustikon".
Als Dosis werden 40 bis 100mg angegeben. Die Wirkung hält etwa 6 bis 8 Stunden an.
3,4-Dihydro-7-methoxy-1-methyl-β-carbolin, Harmidin, Harmadin
Harmalin (3,4-Dihydro-7-methoxy-1-methyl-β-carbolin), auch Harmidin oder Harmadin genannt, ist eine natürlich vorkommende halluzinogene Droge aus der Stoffklasse der Tryptamine (Indolderivate).
Die Wirkung ist leicht halluzinogen, phantasieanregend und kann sedierend oder stimulierend sein.
Harmalin kommt natürlich in vielen Pflanzen vor.
Als Dosis werden bei oraler Einnahme werden 150-300mg angegeben. Die Wirkung hält 5 bis 8 Stunden an.
Ibobaina
Ibogain, auch Ibobaina genannt, ist eine halluzinogen wirkende natürlich vorkommende Droge aus der Stoffklasse der Tryptamine (Indolderivate).
Die Droge kommt natürlich in verschiedenen Arten der Gattung Tabernanthe (Studentenblumen) vor.
Die Wirkung ist stark halluzinogen.
Als Dosis werden bei oraler Einname 200mg bis 1g (1000mg) angegeben. Die Wirkung hält ca. 5 bis 10 Stunden an.
Aphrodin, Quebrachin
Yohimbin ist eine natürlich vorkommende Droge aus der Stoffklasse der Tryptamine (Indolderivate).
Yohimbin wirkt in geringen Dosen stimulierend, bei höheren Dosen auch schwach halluzinogen. Angeblich soll die Droge auch aphrodisierend wirken.
Yohimbin kommt natürlich in verschiedenen Pflanzen vor.
Bei oraler Einnahme beträgt die mittlere Dosis etwa 5-25mg. Die Wirkung hält 2 bis 4 Stunden an.
Unter dem Begriff Synthetische Drogen fallen alle Drogen, die nur vollsynthetisch im Labor hergestellt werden können. Die meisten der heute gebräuchlichen synthetischen Drogen gehören zur Klasse der β-Phenylalkylamine, zu denen auch die Amphetamine und das MDMA zu rechnen sind. Viele andere gehören der Klasse der Tryptamine an.
Synthetischen Drogen werden auch oft als "Designerdrogen" bezeichnet. Unter dem Begriff "Drug-Design" versteht man dabei die gezielte Suche nach neuen psychoaktiven Substanzen. Oft wird in Labors, die am Rande der Legalität arbeiten, ausgehend von bestimmten bekannten Drogen nach neuen ähnlich oder besser wirksamen Substanzen gesucht. Die gefunden Drogen können dann, ohne dass größere rechtliche Probleme zu erwarten sind, eine Zeit lang am Schwarzmarkt verkauft werden - bis sie dann meist nach einiger Zeit in die Liste der nicht verkehrsfähigen Betäubungsmittel aufgenommen werden. Diese neuen Drogen werden meist unter bekannten Namen verkauft, da etwa der Name Fentanyl weit weniger hermacht als der Name des allgemein bekannten ähnlich wirkenden Heroin
Als halbsynthetische Drogen bezeichnet man Substanzen, für die relativ einfach aus natürlich vorkommenden Stoffen im Labor hergestellt werden können. Zu ihnen gehört das Diacetylmorphin (Heroin) und das Lysergsäurediethylamid (LSD), das aus Lysergsäure, die unter anderem im Mutterkorn vorkommt, synthetisiert werden kann.
In der Regel weisen halbsynthetische Drogen eine höhere Wirksamkeit auf als ihr natürlichen Ausgangsstoffe - falls diese überhaupt psychoaktiv sind - und sind daher lukrativer für den Schwarzmarkt.
Nicht zu den Synthetischen Drogen gehören Stoffe die durch chemische Extraktion und Konzentration aus natürlichen Ressourcen hergestellt werden, wie etwas das Kokain aus den Blättern des Kokastrauchs.
Auch wenn das Wort Ecstasy nur der Szeneausdruck für die Substanz MDMA ist, wurde hier eine inhaltliche Trennung zwischen den Begriffen vorgenommen:
Im Artikel "MDMA" wird die Substanz 3,4-Methylendioxymethamphetamin, kurz MDMA vorgestellt und Geschichte, Wirkung und Gefahren erläutert. Diese Substanz war es, die unter dem Namen Ecstasy in den ausgehenden 80ern Eingang in die neue Technokultur fand und in den 90ern zu einer der meistkonsumierten Drogen wurde.
Da aber heute reines MDMA kaum erhältlich ist, sondern meist verschiedenste Drogencocktails, die oft gar kein MDMA mehr enthalten, als Ecstasy verkauft werden, wird die Droge Ecstasy oder vielmehr das, was unter diesem Namen erhältlich ist, im eigenen Artikel Ecstasy behandelt. Außerdem werden die Techno-Kultur, Gefahren, die von Streckmitteln ausgehen, und gesellschaftliche und soziale Aspekte erläutert.
Wie bei MDMA und Ecstasy wurde auch zwischen den Begriffen Amphetamine und Speed unterschieden. Der Artikel Amphetamine behandelt die Substanzen Amphetamin und Methamphetamin. Im Artikel Speed finden sie vor allem Informationen über Streckmittel, Einnahmeformen etc.
Da es sich bei LSD um ein Halluzinogen behandelt, wird es im entsprechenden Kapitel behandelt. Einen Artikel über das halbsynthetische Heroin und die synthetischen Opiate Methadon und die Fentanylderivate finden sie bei den Opiaten.
Amphetamine sind Stoffe, die das Grundgerüst des β-Phenylalkylamins Amphetamin gemeinsam haben.
Hier werden die Amphetamine Amphetamin und Methamphetamin sowie die freie Base des Methamphetamins "Ice" behandelt.
Die Gefahren der Amphetamine sind denen des Kokains sehr ähnlich. Bei Überdosierung werden die gleichen Gegenmittel und Maßnahmen empfohlen. Darüber hinaus verursacht Amphetamin größere Schäden am Gehirn und alles deutet darauf hin, dass diese irreparabel sind. Besonders in den ersten Schwangerschaftsmonaten ist die Gefahr einer Missbildung des Kindes sehr hoch. Bei Jugendlich führt die Droge oft zu Wachstumsstörungen.
Amphetamin, das zur Stoffklasse der β-Phenylalkylamine gehört, wurde erstmals 1887 vom Chemiker Edeleanu synthetisch hergestellt. Seine genaue Bezeichnung ist 2-Amino-1-Phenyl-Propan. Erst 1919 wurde entdeckt, dass es dem menschlichen Stresshormon Adrenalin sehr ähnlich ist (später stellte sich heraus, dass es dem Hormon Noradrenalin noch ähnlicher ist, während Methamphetamin eher dem Adrenalin ähnelt). In Tierversuchen stellte sich jedoch heraus, dass es nicht die körperliche Wirkung des Adrenalins hervorrufen kann. Die weckende Wirkung - daher auch der Ausdruck "Weckamine" - wurde erst später entdeckt. In den 30er Jahren kam es schon zum Missbrauch der Droge, als sich Studenten mit Hilfe von Amphetamin vor Prüfungen zum lernen wach hielten. Im zweiten Weltkrieg wurde Amphetamin Soldaten und besonders Kampfpiloten beider Seiten gegeben, um sie munter und leistungsfähig zu machen. Später wurde die Droge als Appetitzügler, z.B. unter dem Namen "Benzedrin", eingeführt und war bis in die 70er Jahre relativ leicht in Apotheken erhältlich bzw. wurde von Ärzten sehr leichtfertig verschrieben. Am Schwarzmarkt wird die Substanz immer wieder als Streckmittel für Kokain verwendet oder unter dem Namen Speed verkauft, das meist auch das etwas potentere Methamphetamin enthält.
Nach der oralen Einnahme kann es manchmal mehrere Stunden dauern bis die sich langsam steigernde Wirkung ihren Höhepunkt erreicht. Das ist der Grund, warum oft vor dem Wirkungseintritt weiteres Amphetamin eingenommen wird, sodass die normale Dosis von 5 - 20mg überschritten wird, was zu gefährlichen Überdosierungen führen kann. Wegen der schnellen Toleranzbildung kann aber bei regelmäßigem Konsum bald eine viel höhere Dosis erforderlich sein. Die Wirkung hält normalerweise 4 - 6 Stunden an, kann aber bei hohen Dosen bis zu 30 Sunden dauern. Neurochemisch erklärt sich der Amphetamin-Rausch durch Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin in den Synapsen. Typische Effekte sind erhöhter Puls, Blutdruck, Erweiterung der Bronchien und erhöhte Körpertemperatur verbunden mit Schwitzen. Das Wirkbild ist dem des Kokains sehr ähnlich, jedoch mehr von Munterkeit geprägt und weniger halluzinogen. Meist kommt es zu Euphorie, Nervosität und Rededrang. Auch Angstzustände und psychische Probleme mit schizioden Charakter können sich einstellen.
Ein Abkömmling des Amphetamins ist das Methamphetamin, genauer 1-Phenyl-2-(Methyamino)-Propan, das an die Amino-Gruppe noch eine Methyl-Gruppe gebunden hat. Es wurde 1919 synthetisiert und später wie das Amphetamin als Appetitzügler, z.B. unter dem Namen "Pervitin", angeboten. Seit den 70er Jahren ist auch dieser Stoff nicht verkehrsfähig.
Als durchschnittliche Dosis werden 5 - 10mg angegeben, doch auch hier stellt sich sehr schnell eine große Toleranz ein. Methamphetamin beginnt etwa 30 - 40 Minuten nach oraler Einnahme seine Wirkung zu entfalten, die 4 bis 8 Stunden, bei besonders hohen Dosen sogar bis zu 24 Stunden, anhält. Die Wirkung entsteht durch die selben Mechanismen wie die des Amphetamins und wird als etwas stärker empfunden. Amphetamin und Methamphetamin sammeln sich besonders im Fettgewebe an und werden über die Nieren ausgeschieden.
So wie beim Kokain ist es auch beim Methamphetamin nicht möglich, die Droge zu Rauchen, da sie sich beim Erhitzen zersetzt. Mittlerweile wurde aber ein Weg gefunden, mit dem das Methamphetamin auf einfache Weise in eine freie Base umgewandelt werden kann. Das so entstehende "Ice", auch "Crystal" oder "Glass" genannt, verhält sich zu seinem Ausgangsstoff Methamphetamin in etwas so wie Crack zu Kokain. Es wird so wie Crack in einer Pfeife oder auf einer Folie erhitzt und die aufsteigenden Dämpfe werden inhaliert. Schon nach wenigen Sekunden tritt ein kaum zu steigernder Rausch ein. Ice ist extrem potent, hoch gefährlich sehr suchterzeugend. Genauso wie Methamphetamin länger wirkt als Kokain, wirkt auch die neue Droge Ice deutlich länger als Crack.
Uppers, Weckamine, Pep, Crystal
Speed ist sozusagen der Markenname, unter dem die Amphetamine Methamphetamin und Amphetamin auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Bis in die 70er Jahre waren beide Stoffe als Appetitzügler in Apotheken erhältlich. Schon damals kam es oft zur Suchtbildung und zu gefährlichen Neben- und Wechselwirkungen. Nachdem die beiden Stoffe in die Liste der nicht verkehrsfähigen Substanzen aufgenommen wurde, haben sie sich schnell am Schwarzmarkt unter dem Namen Speed verbreitet.
Das stimulierende Speed ist sozusagen das Kokain der Armen. Es ist deutlich billiger und sein Gebrauch ist nicht so schick. Besonders beliebt ist es in der Partyszene. Schon zur Hippiezeit war es üblich durch die muntermachende Wirkung der Amphetamine den Schlaf zu unterdrücken, um so nächtelang feiern zu können. Zu dieser Zeit wurde sie auch sehr oft intravenös eingenommen. Vielleicht ist das darauf zurückzuführen, dass die orale Einnahme damals noch vom Arzt verschieben werden konnte und daher weniger reizvoll war. Heute ist Speed neben Ecstasy besonders in der Techno-Szene verbreitet. Die Gefahren sind hier die selben: Da die natürlichen Warnsysteme des Körpers nicht wahrgenommen werden kommt es oft zu Schlafmangel, Überanstrengung und Überhitzung, was zu Kreislaufproblemen führen und auch Langzeitschäden hinterlassen kann. Gerne wird Speed auch in sexuellen Randgruppen wie der Schwulenszene eingenommen. Da viele Homosexuelle mit der mangelnden Akzeptanz der Gesellschaft und daraus resultierenden Komplexen zu kämpfen haben, kommt ihnen die enthemmende Wirkung der Droge, die die Überwindung zum Ausleben unterdrückter Neigungen erleichtert, sehr entgegen.
Viele Sportler nutzen Amphetamine als Dopingmittel, um im Leistungssport mithalten zu können. Tests haben gezeigt, dass Amphetamine zwar die Spitzenleistung nicht steigern können, aber die Ausdauer deutlich erhöhen können, allerdings auf Kosten des Körpers. Auch die Anwendung als Appetitzügler ist bis heute bei Frauen sehr verbreitet. Bei Heroinentzug wird Speed oft als Ersatzmittel eingenommen, da es die Entzugssymptome so wie Kokain lindern kann und zu dem eine Stimmungsaufhellung bringt, was allerdings die Gefahr einer neuerlichen Suchtentwicklung birgt. Viele Alkoholiker nehmen nach dem Aufstehen Speed, um den Kater zu mildern. Auch Campino, der Sänger der Toten Hosen, nahm eine Zeit lang Speed, was ihm nach eigenen Angaben große persönliche Probleme bescherte.
Auf dem Schwarzmarkt wird Speed meinst in Pulverform verkauft. Auch der Verkauf als Tabletten ist sehr verbreitet, besonders auf Tanzveranstaltungen. Neben dem Stecken mit wirkungslosen Substanzen ist es auch beim Speed üblich, andere, teil giftige, Stoffe beizumengen. Dabei kennt die Phantasie der Giftmischer kaum Grenzen: von Heroin bis Strychnin wurden in beschlagnahmten Proben schon fast alle psychoaktiven Substanzen gefunden, auch MAO-Hemmer wie MDMA, die zusammen mit Amphetaminen gefährliche Wechselwirkungen hervorrufen können. Eine Weitere Gefahrenquelle ist, dass bei der illegalen Amphetamin-Herstellung oft unsauber gearbeitet wird, sodass das Endprodukt teils giftige Verunreinigungen enthält. Zur Steigerung der Wirkungsintensität wird minderwertigem Speed auch gerne das legale Koffein beigemengt.
Zur Einnahme wird pulverförmiges Speed normalerweise durch die Nase geschnupft ("ziehen"). Wer diese Aufnahmeform nicht mag, kann es auch in Papier eingerollt schlucken. Die intravenöse Injektion von Speed ist heute kaum noch gebräuchlich. Ein rauchen ist aufgrund der Zersetzung von Amphetamin und Methamphetamin nicht möglich. Wie beim Kokain ist es allerdings möglich durch eine chemische Reaktion die Stoffe als freie Base zu erhalten. Das Resultat wird "Ice" genannt und ist wie das aus Kokain hergestellte Crack extrem potent und gefährlich.
MDMA ist die Abkürzung für 3,4-Methylendioxy-methamphetamin und gehört zur Stoffklasse der β-Phenylalkylamine. Es wurde erstmals 1898 von Haber synthetisiert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die US-Army auf die Droge aufmerksam und führte erste Test durch. Ab den 70ern war immer wieder als unterstützendes Mittel in der Psychotherapie im Gespräch und wurde auch als Partydroge gelegentlich verkauft. In den 80er Jahren kam es dann zum Verbot. Kurz später wurde MDMA unter dem Namen Ecstasy zur neune Modedroge der Techno-Kultur.
Heute ist in Ecstasy-Tabletten meist nur ein gewisser Anteil an MDMA enthalten, manchmal auch gar kein MDMA. Da der Name MDMA sowie der Umstand, dass diese Substanz in Ecstasy oft gar nicht enthalten ist, heute sehr gut bekannt ist, wird reines MDMA heute zu erhöhten Preisen unter seinem richtigen Namen verkauft. Allerdings handelt es sich auch dabei nicht immer um echtes und reines MDMA.
Für einen mittleren MDMA-Rausch sind bei einem unerfahrenen Benutzer etwa 50mg reines MDMA nötig. Aufgrund der hohen Toleranzbildung sind werden aber bald weit höhere Mengen eingenommen. Für die therapeutische Anwendung wird eine Dosierung von etwa 1,5mg/kg Körpergewicht angegeben. Bei durchschnittlichem Gewicht entspricht das einer Dosis von rund 100mg. Meist wird auch "nachgeworfen". Durch die kontinuierliche Steigerung der Dosis ist es möglich sich langsam an die gewünschte Wirkung heranzutasten und die Gefahr einer möglichen Überdosierung zu minimalisieren.
Im Gehirn wirkt die MDMA auf die Synapsen, indem es die Serotoninausschüttung erhöht und die Rückaufnahme hemmt und ist somit ein ein sogenannter "Rückaufnahmehemmer", was zu Wechselwirkungen mit diversen Psychopharmaka führen kann. Der Puls wird durch die Substanz beschleunigt und die Pupillen werden erweitert. Viele User spüren auch eine Verkrampfung der Kaumuskulatur. Etwa 15 - 20 Minuten nach der Einnahme macht sich meist eine Unruhe bemerkbar. Diese Phase kann auch von Angst begleitet sein. Doch meist stellt sich bald darauf eine allgemeine Beruhigung ein.
Wie die Wirkung erlebt wird, ist stark von der Umgebung abhängig. In ruhiger Umgebung werden oft lange tiefe Gespräche gesucht oder man zieht sich ganz in seine eigene Welt zurück. In der Disco hingegen steht für die meisten Konsumenten der stimulierende Effekt im Vordergrund und es wird stundenlang getanzt - oft bis zur Erschöpfung. Seh- und Hörvermögen nehmen meist ab und die Schmerzempfindung wird verringert. Das Zeit vergeht subjektiv viel schneller. Das Kurzzeitgedächtnis wird zwar beeinträchtigt, doch da das Langzeitgedächtnis meist besser arbeitet, kommen dem Konsumenten oft lange zurückliegende Erinnerungen wieder in den Sinn. Allgemein sind meist Einfühlungsvermögen und das Verlangen nach aktiver und passiver Zärtlichkeit stark gesteigert. Nach 3 bis 5 Stunden beginnt die Wirkung langsam auszuklingen, wenn man schon öfter MDMA konsumiert schon früher. Dies ist der Zeitpunkt, wo oft weitere Tabletten eingenommen werden, wobei eine viel höhere Dosis als bei der ersten Einnahme erforderlich ist, um die Wirkung auf den Status quo zu halten.
Besonders bei ungünstiger Umgebung und schlechter psychischer Verfassung (Set und Setting) kann es auch zu Angstzuständen kommen. In diesem Fall sind persönliche Zuwendung und ein Ortswechsel besonders wichtig. Am besten sollte man mit einer Vertrauensperson an die frische Luft gehen. Sollte sich der Zustand nicht bessern kann - genauso wie bei Krämpfen - Valium in möglichst geringen Dosen verabreicht werden. Im Zweifelsfall ist ein Arzt zu rufen.
Als Unerwünschte Wirkungen können auch Krämpfe, unangenehme Halluzinationen (besonders bei hohen Dosen), asthmatische und epileptische Anfälle, Kreislaufstörungen, Hitzewallungen, extremes Schwitzen, Augenzittern, Atemstörungen, Schwindelgefühle und Erbrechen auftreten. Zuckerkranken, Herzkranken und Personen mit grünem Star oder Bluthochdruck ist dringendst von der Droge abzuraten. Bei häufiger Einnahme sind Leberschäden zu erwarten.
Kombinationen von MDMA mit anderen Drogen sollten vermieden werden, da es - besonders mit anderen MAO-Hemmern - zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen kann. Zusammen mit Alkohol wird nicht nur die Wirkung geschwächt und zu einem banalen Erlebnis, sondern auch der Kater am nächsten Tag - oder überhaupt in der nächsten Zeit - verschlimmert und die Dehydration weiter vorangetrieben. Auch mit Amphetaminen zusammen wird die Wirkung sehr banal und rein aufputschend und kann zu einem höchst unangenehmen Erlebnis ausarten (Amphetamine sind auch MAO-Hemmer!).
Neben der von den Streckmitteln ausgehenden Gefahr, ist die zweite große Gefahr, dass man unter Einfluss von Ecstasy oft nicht merkt, wie erschöpft der Körper ist. Daher wird auf Techno-Veranstaltungen stundenlang getanzt bis der Körper am Ende ist. Außerdem vergessen viele Raver trotz großem Flüssigkeitsverlust schlicht aufs Trinken. Das Resultat sind immer wieder Kreislaufzusammenbrüche. In vielen Staaten gibt es daher mittlerweile Gesetze, die Veranstalter dazu verpflichten, ihren Besuchern immer reichlich Wasserflaschen gratis zur Verfügung zu stellen. In Deutschland ist meist das Gegenteil der Fall: Wasserhähne werden abgedreht und sogar reines Trinkwasser muss um einen hohen Preis gekauft werden.
Bei häufiger Einnahme von MDMA kommt es schnell zu einer Toleranzbildung, da die Serotonindepots in den Synapsen erschöpft sind. Bis sich die Serotoninverteilung in den Synapsen wieder normalisiert hat, dauert es meist einige Wochen. Es ist bis heute noch nicht geklärt, ob MDMA irreparable Schäden am Gehirn hinterlässt. Auf jeden Fall kann es schon nach einmaligem Konsum zu langanhaltenden Depressionen kommen. Auch psychische Krankheiten mit schizoiden Charakter können bei entsprechender Veranlagung ausgelöst werden.
Das Suchtpotential von reinem MDMA ist vielleicht als mittelmäßig zu bezeichnen und keinesfalls mit des Heroins zu vergleichen. Eine Körperliche Abhängigkeit tritt nicht auf, eine psychische stellt sich nur langsam ein. Das liegt auch daran, dass es - auch bei gesteigerter Dosis - erst einige Tage bis Wochen nach einem MDMA-Konsum wieder möglich ist ein ähnliches Gefühl zu erreichen. Das Erlebnis des ersten Rausches bleibt meistens einzigartig.
Bei häufiger Einnahme kommt zur erhöhten erforderlichen Dosis auch ein verlangsamtes Eintreten sowie ein kürzeres Anhalten der Wirkung. Die extrem hohen Dosen, die daher oft eingenommen werden, hinterlassen meist sehr starke Kater am nächsten Tag, die noch lange Zeit zu spüren sein können.
Zur Klassifizierung wird MDMA auch als Entaktogen bezeichnet, was wörtlich so viel wie "innere Rührung erzeugend" heißt. Dieser Begriff wurde in den 80er Jahren eingeführt und meint, dass es innere Gefühle verstärkt und die Fähigkeit verleiht diese besser wahrzunehmen und persönliche Probleme zu erkennen. Weiters wird es auch als Empathogen bezeichnet, was bedeutet, dass es Vorurteile und Berührungsängste vermindert und ein höheres Einfühlungsvermögen in bezug auf andere Personen verleiht. Diese Eigenschaften sind der Grund, warum es bis zu seinem Verbot immer wieder in der Psychotherapie eingesetzt wurde. Ein weiterer Effekt, der dem Therapeuten sehr nützlich sein kann ist die Aktivierung des Langzeitgedächtnis, was die Möglichkeit gibt, sich an längst Verdrängtest wieder zu erinnern und es mit dem Therapeuten zusammen aufzuarbeiten.
Durch die erhöhte Akzeptanz - auch sich selbst gegenüber - unter MDMA-Einfluss kann die Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Klient erheblich erleichtert werden. Auf der einen Seite ist der Patient offener für Lösungsvorschläge und kann seine persönlichen Probleme aus einer gelösteren Perspektive sehen, zum anderen kann sich auch das erhöhte Selbstwertgefühl positive auf den Therapieerfolg auswirken. Die empathogene Wirkung kann auch bei einer Partnertherapie sehr hilfreich sein und den Weg zueinander ebnen.
MDMA ist der Stoff, der bei Insidern als das eigentliche Ecstasy gilt bzw. als das was im Idealfall ausschließlich enthalten sein sollte. Daneben gibt es noch einige weitere Stoffe, die ähnlich gebaut sind, ähnlich wirken und von den Konsumenten auch gerne als Inhaltsstoff von Ecstasytabletten akzeptiert werden, wie etwa das MDA.
3,4-Methylendioxyamphetamin, EA-1299
MDA ist eine rein synthetisch hergestellte Substanz, die chemisch dem MDMA sehr ähnlich ist. Die Wirkung ist entaktogen und stimulierend - ähnlich wie die des MDMA.
Als mittlere Dosis werden 80-150mg angegeben. Die Wirkung hält ca. 8 bis 12 Stunden an.
3,4-Methylendioxyethylamphetamin, MDE, EVE
MDEA (Abkürzung für 3,4-Methylendioxyethylamphetamin), im Jargon auch Eve genannt, ist eine rein synthetisch hergestellte Substanz, die chemisch dem MDMA sehr ähnlich ist. Die Wirkung ist weniger entaktogen als die des MDMA und wird eher als "berauschend" beschrieben.
Als mittlere Dosis werden 100-200mg angegeben. Die Wirkung hält ca. 3 bis 5 Stunden an.
1-(1,3-Benzodioxol-5-yl)-2-butanamin, MDP-2-MK, J
BDB (Abkürzung für 1-(1,3-Benzodioxol-5-yl)-2-butanamin) ist eine rein synthetisch hergestellte MDMA-ähnliche Substanz. Die Wirkung wird als der des MDMA sehr ähnlich beschrieben, als primär stimulierend und entaktogen.
Die mittlere Dosis beträgt 150-230mg. Die Wirkung hält 4-8 Stunden an.
N-Methyl-1-(1,3-benzodioxol-5-yl)-2-butanamin, MDP-2-MB, EDEN
MBDB (Abkürzung für N-Methyl-1-(1,3-benzodioxol-5-yl)-2-butanamin) ist eine rein synthetisch hergestellte Droge, die mit dem MDMA chemisch eng verwandt ist und eine MDMA-ähnliche Wirkung besitzt.
Als mittlere Dosis werden 150-220mg angegeben. Die Wirkungsdauer beträgt ca. 4-5 Stunden.
X, E; in verkürzter Schreibweise wird auch oft "XTC" geschrieben, was englisch ausgesprochen so wie "Ecstasy" klingt
Während man seit den 50ern oder spätestens den 60ern immer von einer jeweiligen allgemeinen Jugendkultur sprechen konnte, begann dann in den 80er Jahren eine zunehmende Aufsplitterung in Subkulturen. Eine dieser Subkulturen, die sich an bestimmten Musikrichtungen orientierten, war der Techno, eine andere der Hiphop. Anfangs waren diese Subkulturen von einem starken Gruppendenken dominiert. Neben der Musik waren auch Kleidung und nicht zuletzt der Konsum gewisser Drogen bindend - im Techno war es das Ecstasy, im Hiphop vor allen Cannabis, zumindest in Europa.
In den 90ern kam es dann wieder zu einem Verschmelzen und einer Vermischung der einzelnen Subkulturen. So hat die Droge auch Eingang in die Hiphop-Kultur gefunden. Besonders amerikanische Raper wie Eminem und seine Gruppe D-12, Nas oder Missy Elliot erwähnen die Partydroge neben Cannabis immer häufiger in ihren Texten.
Heute tanzen etwa auf Goa-Festen Besucher aus der Alternaiv-Szene in Baggypants, die aus der Hiphop-Kultur kommen, unter Ecstasy-Einfluss zu Techno-Beats, die mit "psychedelische" Klänge aus dem indischen Raum erweitert sind. Außerdem hat die enorme Medienpräsenz auch dazu beigetragen, dass die Droge heute in verschiedensten Gesellschaftsschichten und Altersgruppen fernab von Jugendkultur konsumiert wird.
Mit welchen Augen viele Konsumenten die kleine Pillen sehen, hat der Soziologe Klaus Hurrelmann gut beschrieben: "Synthetische Drogen vermitteln die Illusion, man könne die Wirkung genau kontrollieren. Deshalb passen sie so wunderbar in eine Leistungsgesellschaft, die verlangt, im richtigen Moment fit, dynamisch und gut gestimmt zu sein." Ecstasy ist also keineswegs eine Aussteigerdroge, sondern für viele ein Mittel, mit dem man an einem Abend in der Woche aus dem Alltag entfliehen kann, um anschließend wieder ins Alltagsleben zurückzukehren. Besonders der Umstand, dass es sich bei Ecstasy um Tabletten handelt, führt eher Assoziationen zu Schmerz- oder Schlaf-Tabletten herbei, als das Bewusstsein, dass es sich um eine nicht zu unterschätzende Droge handelt.
Ende der 80er Jahre entstand eine neue Musikrichtung, der Techno, eine besonders schnelle instrumentale elektronische Tanzmusik. Mit diesem neuen Musikstil bildete sich auch eine neue Subkultur, die Techno-Szene. Wie schon die Hippies in den 60er Jahren, so entdeckten auch die Technoanhänger eine neue zu ihrer Kultur passende Droge: das Ecstasy.
Keine andere Droge hätte besser zu dieser neuen ambivalenten Kultur gepasst. Schon alleine wegen der Lautstärke der Musik, die Gespräche verhindert oder zumindest erschwert, ist der Besucher großer Techno-Veranstaltungen zum Einzelgänger degradiert. Auf der anderen Seite ist es erst die gesichtslose Masse, die ein anonymes Feiern und Sichgehenlassen ermöglicht, begünstigt und bewirkt. Ecstasy fördert diese Form des Einzelgängertum, indem es stundenlanges Tanzen ohne merkbare Ermüdungserscheinungen ermöglicht, auf der andern Seite löst seine empathogene Wirkung eine Euphorie aus, die den einzelnen mit der Masse verschmelzen lässt, sodass jeder mit jedem feiert.
Heute ist Ecstasy auf jeder größeren Techno-Veranstaltung leicht zu bekommen, oft hat man sogar die Auswahl zwischen mehreren Dealern, da die Nachfrage sehr hoch ist. Je nach Veranstaltung stehen oft mehr als die Hälfte alle Besucher unter Einfluss der Droge.
All diese Aussagen über die Techno-Kultur und den Stellenwert von Ecstasy in dieser Subkultur erheben natürlich keine Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sondern erläutern lediglich Tendenzen. Viele Raver ziehen die Einnahme andere Drogen vor oder verzichten gänzlich auf Drogen. Außerdem hat sich die Szene immer wieder gewandelt und in verschiedene Richtungen aufgesplittert, von denen nur noch wenige vom Publikum her mit dem Urtechno vergleichbar sind.
Ursprünglich war es reines MDMA bzw. MDMA-verwandte Substanzen (in Tablettenform natürlich mit wirkungslosen Füllstoffen versetzt), das unter dem Namen Ecstasy verkauft wurde. Bei richtiger Dosierung stellt es keine allzu hohe Gefahr dar, doch bald wurde es üblich, mit anderen Substanzen versetztes MDMA als Ecstasy zu verkaufen. Hiervon gehen auch die größten Gefahren aus, denn oft werden von verantwortungslosen Herstellern Substanzen gemischt, die lebensgefährliche Wechselwirkungen hervorrufen können. Beliebtes Streckmittel - teilweise auch bei den Konsumenten - sind Amphetamine. Manchmal findet sich auch das gefährliche Nervengift Strychnin in beschlagnahmten Ecstasyproben. Oft werden auch Tabletten als Ecstasy verkauft, die zwar verschieden Drogen, aber kein MDMA mehr enthalten oder überhaupt nur Placebos sind. Ein weiteres Problem ist, dass bei der komplizierten Herstellung von MDMA leicht weitere giftige Stoffe entstehen. Ecstasy mit hoher Reinheit wird in den Niederlanden hergestellt. Mittlerweile wird allerdings der größte Teil des europäischen Marktes von osteuropäischen Drogenlabors beliefert. Dort wird zwar am weitaus günstigsten produziert, auf der anderen Seite aber auch extrem unsauber gearbeitet und viel gepanscht.
Um dem Konsum gefährlicher Drogenkombinationen vorzubeugen, gibt es auf manchen Techno-Veranstaltungen mittlerweile die Möglichkeit, sein Ecstasy anonym von Fachleuten auf die genaue Zusammensetzung hin testen zu lassen (in Deutschland mittlerweile wieder verboten, in Österreich wird "Drugsceening" immer noch mit großem Erfolg druchgeführt). Erstaunlicherweise nehmen viele Raver dieses Angebot auch an. Mitunter führen die erschreckenden Ergebnisse der Tests auch bei der Person, die die Probe zur Verfügung stellte, zu einem Verzicht. Die Erfahrung mit solchen Tests zeigt wieder einmal, dass bloße Prävention meist heuchlerische Pflichterfüllung des Staates ist und wenig bewirken kann. Vernünftige Drogenpolitik muss immer auch auf die Konsumenten eingehen und darf sich nicht auf bloßes Aussprechen von Warnungen beschränken.
Ecstasy kommt heute so gut wie immer in Tablettenform auf den Markt. Wie auch oft bei der Zusammenstellung der enthaltenen Substanzen, zeigen die Drogenhersteller auch bei der Gestaltung der Tabletten meist viel Phantasie und Kreativität. Es gibt Tabletten in verschiedensten Formen, Farben und mit unterschiedlichen Aufdrucken - von einfachen Mustern bis zu berühmten Comicfiguren. Dadurch bleiben die meisten Tablettenreihe einzigartig und haben einen hohen Wiedererkennungswert, was sich günstig auf den Absatz auswirken kann. Gerade dieser Umstand wird aber immer öfter ausgenutzt, indem berühmte Ecstasyreihen, die sich großer Beliebtheit erfreuten, äußerlich kopiert werden, wobei die Kopien meist nur minderwertige Billigproduktionen sind.