Seit Jahrtausenden wird aus den Kapseln des Schlafmohns (Papaver somniferum) das berauschende Opium gewonnen. Für seine Wirkung ist eine Reihe von Alkaloiden verantwortlich, die man unter dem Begriff Opium-Alkaloide zusammenfasst. Zu ihnen zählen auch Morphium, das am stärksten psychoaktiv wirkt, und Kodein, das bis heute verschiedenen Hustensäften zugesetzt wird.
Alle Opium-Alkaloide und alle weiteren Stoffe, die Agonisten derselben Rezeptoren im Gehirn sind werden unter dem Begriff Opiate oder Opioide zusammengefasst. Zu ihnen zählen neben natürlichen Opiaten das halbsynthetische Heroin und die Gruppe der vollsynthetischen Fentanyle und einige weitere Substanzen unterschiedlicher chemischer Struktur.
Die einzige bindende Gemeinsamkeit zwischen den Opiaten ist das Ankoppeln an denselben Rezeptortyp. Die natürlichen Agonisten dieser Rezeptoren fand man erst sehr spät. Man vermutete eine opiatähnliche Wirkung im Körper und nannte sie daher Endogene Morphine, kurz Endorphine. Heute weiß man, dass Endorphine besonders in Extremsituationen vom Körper ausgeschüttet werden, was ähnlich wie bei der Einnahme von Opiate bis zur völligen Ausschaltung des Schmerzempfinden und enormer Euphorie führen kann. Auch besondere Erfolgserlebnisse werden wahrscheinlich erst durch eine Ausschüttung von Endorphinen zu unvergesslichen Glückserlebnissen.
Opium ist relativ harmlos. Es wirkt zwar auch stark sedierend, ist jedoch bei richtiger Einnahme kaum gesundheitsschädlich und hat ein mittelgradiges Suchtpotential. Anders verhält es sich wenn sein Hauptwirkstoff Morphin in Reinform eingenommen wird. Seit der ersten Isolierung des Alkaloids Anfang des 18. Jahrhunderts kam es immer öfter zu Suchtbildungen bei Konsumenten. Als man dies - relativ spät erkannte - begann die Suche nach einer neuen Arznei, die ähnliche gute schmerzlindernde Eigenschaften wie die des Morphins mit einer niedereren Suchtgefahr verbinden sollte. Ein Resultat dieser Suche war das Diacetylmorphin, das unter dem Namen "Heroin" bekannt wurde. Heute sind sowohl Morphin als auch Heroin illegale Drogen. Da Morphin bis heute ein unübertroffenes Schmerzmittel ist, kann es immer noch in besonders schweren Fällen unter strenger Aufsicht verschrieben werden.
Neben den klassischen Opiaten gibt es heute einige rein synthetische Substanzen, die ähnlich eine ähnliche Wirkung wie Morphin auslösen. Der Grund dafür ist, das sie - auch bei kaum vorhandener chemischer Verwandtschaft - an die selben Rezeptortypen des Gehirns andocken. Bekanntester Vertreter aus dieser Gruppe ist heute das Methadon, das im Rahmen vom Heroin-Entzug heute in vielen Ländern ärztlich verschrieben werden kann. Eine zeitlang waren auch die Fentanyle sehr beliebt in der Medizin. Einige Substanzen aus dieser Stofffamilie sind mehrer tausendmal potenter als Morphin - Mit anderen Worten: Ein Bruchteil der entsprechenden Morphin-Dosis kann ähnliche psychische und analgetische Effekte auslösen.
Papaver somniferum
Der Schlafmohn gehört zur Familie der Papaveraceae, zu Deutsch "Mohngewächse". Seine genaue botanische Bezeichnung ist Papaver somniferum. Der Schlafmohn ist eine einjährige Pflanze, die in Mitteleuropa zwischen Juni und Juli blüht, und wird 50 bis 170 cm hoch. Er besitzt einen leicht behaarten, meist geraden und nicht verzweigten Stängel mit einigen Blättern, auf dem eine Blüte sitzt. In der Blüte mit den vier Blütenblättern, die sehr unterschiedliche Farben haben können, sitzt der Stempel, der nach der Bestäubung zur Mohnkapsel heranreift. Die Mohnkapsel, die eigentliche Frucht des Schlafmohns, wird 2 bis 6 cm groß und enthält bis zu 2.000 Samen. Sie selbst und der Saft, der durch ein Einritzen austritt, werden zu medizinischen Zwecken und als Droge benutzt.
Dei Vermehrung des Schlafmohns geschieht mit Samen, die legal im Pflanzenfachgeschäft erhältlich sind und im Frühjahr einfach im Garten ausgesät werden. Der Boden sollte humusreich sein und aufgrund des hohen Kalkbedarfs des Mohns viel Kalk enthalten.
Die gesamte Pflanze außer Wurzeln und Blütenblätter enthält eine Flüssigkeit, die sich an der Luft zu Rohopium eindickt. Rohopium, der Ausgangsstoff für Opium, Morphium und Heroin enthält ca. 40 Alkaloide. Die wichtigsten sind Morphin (3 - 23%), Papaverin (0,1 - 2%), Codein (0,1 - 4%), Narcotin (1-11%) und Thebain (0,1 - 4%). Für die berauschende Wirkung ist vor allem das Morphin verantwortlich, das heute unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Codin ist heute beispielsweise in Hustensäften enthalten.
Rohopium entsteht, wenn der weiße Milchsaft (Latex) des Schlafmohns, der verschiedene Alkaloide enthält, an die Luft gerät. Dazu werden am Ende der Blütephase die Mohnkapseln mit einem speziellen Messer eingeritzt. Dadurch tritt der Milchsaft aus und wird fest. Am nächsten Tag kann man das braune Rohopium abkratzen. Pro Kapsel erhält man bis zu 50mg. Es wird gepresst und sollte luftdicht im Dunkeln aufbewahrt werden. Das so gewonnene Rohopium kann durch Fermentierung und Erhitzen weiterverarbeitet werden.
Opium kann man oral oder rektal als Klistier einnehmen, es rauchen oder sogar in Salzwasser gelöst injizieren. Zur oralen Einnahme wird es meist mit geschmacksverbessernden Zutaten wie Zimt in Flüssigkeit aufgelöst getrunken. In der Antike wurden gerne "Schlummertrünke" getrunken, die vor allem Opium und Wein enthielten. Auch das berühmte "Laudanum" enthielt diese Zutaten. Pur wird Opium nicht geraucht, sondern in einer Pfeife verdampft und inhaliert. Es kann aber auch zusammen mit Tabak in Wasserpfeifen geraucht werden.
Die kurz nach Abfallen der Blätter geernteten Kapseln können getrocknet und als Tee getrunken werden. Die Blätter des Schlafmohns werden oft getrocknet und mit Tabak geraucht.
Die Wirkung des Opiums kommt von den Opiumalkaloiden, wie Morphin, Papaverin, Codein, Narcotin und Thebain, von denen besonders Morphin starke psychoaktive Wirkung besitzt. Ähnlich wie bei den Cannabinoiden des Cannabis ist es erst die jeweilige Zusammensetzung des Opiums aus den über 40 Alkaloiden, die die sortenspezifische Wirkung der Droge ausmacht.
Nach dem Rauchen oder Essen bzw. Trinken von Opium setzt bald eine Wirkung ein, die 6 bis 8 Stunden anhalten kann. Dabei hat der Rausch bei oraler Einnahme nach Angabe von Konsumenten eine deutlich stärkere Wirkung auf den Körper, gerauchtes Opium hingegen soll den Geist beflügeln und die Phantasie anregen. Opiumraucher berichten immer wieder von Halluzinationen, die oft einen erotischen Charakter haben. Als Nachwirkung des Opiumrausches können sich (meinst am nächsten Tag) Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen einstellen.
Ein Suchtpotential ist bei Opium schon allein wegen dem Inhaltsstoff Morphin zweifelsfrei gegeben, allerdings ist es deutlich geringer als etwa das von reinem Morphin oder dem noch gefährlicheren Morphinderivat Heroin. Dass Opium allerdings keineswegs unbedenklich ist, zeigen die Berichte von De Quincey aus "Bekenntnisse eines englischen Opiumessers", wo er schildert, wie sich nach langjähriger Opiumsucht sein Zeitgefühl und sein Realitätserleben unangenehm verändert haben.
Morphium
Morphium bzw. Morphin ist das wichtigste Alkaloid des aus Schlafmohn gewonnenen Opium. Die Begriffe Morphium und Morphin sind zwar deckungsgleich, allerdings wird das Wort Morphium eher bei Drogengebrauch verwendet und Morphin, wenn es um den chemische und medizinische Aspekte der des Stoffes geht.
1804 ist es dem deutschen Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner erstmals gelungen Morphin aus Opium zu isolieren. Es war das weltweit erste isolierte Alkaloid, doch wie es bei wissenschaftlichen Neuerungen oft der Fall ist, fand auch diese Entdeckung vorerst wenig Beachtung in der Fachwelt. Erst über ein Jahrzehnt später bekam Wilhelm Sertürner die ihm gebührende Anerkennung. Bald gelang es noch weitere Pflanzenbasen, also Alkaloide, zu isolieren und ein neuer Chemiezweig war geboren, die Alkaloidchemie.
Mit dem Morphin hatte man die schmerzlindernde Kraft des Opiums in einer genau dosierbaren Reinform und somit wurde es immer mehr in der Medizin eingesetzt. Sein Suchtpotential wurde anfangs allerdings in der Öffentlichkeit weit unterschätzt. Das kommt auch daher, dass es nachweislich leichter ist Morphium nach einer Schmerzbehandlung abzusetzen, als nach einer gleich langen Anwendung aus hedonistischen Motiven heraus. Erst im Zuge zweier Kriege wurde die hohe Gefahr der Suchtbildung - auch bei medizinischer Anwendung - erkannt. Zuerst wurde Morphium im amerikanischen Sezessionskrieg (1861 - 1865) zur Behandlung der Verletzen eingesetzt, doch nach der Genesung verlangten viele Verwundete immer noch der Droge. Als es den Verwundeten des Deutsch - Französischen Krieg (1870/71) sogar gestattet war sich selbst nach Belieben Morphium zu injizieren, war die Zahl derer, die als Morphiumabhängige aus dem Krieg zurückkehrten noch größer.
In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gelang es schließlich, die Strukturformel der Morphins zu ermitteln, was eine wichtige Grundlage für weitere Synthesen bildete.
Anfangs wurde Morphium vor allem oral verabreicht. Auf der Haut hat es keine Wirkung. Wenn man es allerdings auf eine Wunde tropft, kommt es schnell in die Blutbahn. Für diese Anwendungsform hielten sich viele Menschen eine Wunde offen, auf die sie in regelmäßigen Abständen Morphium tropften. Eine neue Qualität bekam der Morphiumgebrauch mit der Einführung der Injektionsspritze 1853 von Pravaz. Damit war es zum einen möglich, bei akuten Schmerzen eine schnelle Linderung herbeizuführen, zum anderen, einen unbeschreiblichen plötzlich einsetzenden Rausch zu erzeugen.
Die Wirkung von Morphium ist der des Heroins sehr ähnlich mit einem höheren schmerzlindernden Effekt. Daher ist Morphium bis heute in medizinischem Einsatz, beispielsweise bei der Euthanasie. Auch die Gefahren sind die gleichen wie bei Heroin. Für den Schwarzmarkt wir Morphin heute kaum hergestellt, allerdings tauchen immer wieder für den medizinischen Einsatz bestimmte Morphiumpräparate in der Drogenszene auf.
Nachdem man merkte, dass Morphium sehr suchterzeugend ist, machte man sich auf die Suche nach ähnlich wirkenden, doch nicht so süchtig machenden Stoffen. So entdeckte man Ende des 19. Jahrhunderts das Diacetylmorphin, das unter dem Namen Heroin (von gr. Heros - "Held") bekannt wurde. Es entsteht durch eine chemische Reaktion von Morphin mit Essigsäureanhydrid (Acetanhydrid) oder Essigsäurechlorid, indem an 2 Stellen ein Wasserstoffatom durch eine C(2)H(3)O-Gruppe substituiert wird. Die kommerzielle Herstellung begann 1898. Anfangs wurde es vor allem als Atmungssedativum verwendet. Als weitere Indikationen kamen im Lauf der Jahr unter anderem noch Herz- und Kreislaufserkrankungen, neurotische Verhaltensweisen (inkl. der damals als krankhaft angesehenen Onanie und Nymphomanie), psychiatrische Leiden, Geburtsanalgesie und Prämedikation von Narkosen hinzu. Auch zur Substitutionstherapie bei Morphinsucht wurde es anfangs verwendet bis man erkannte, dass Heroin noch suchterzeugender wirkt als Morphium. Bis es allerdings in den 30er Jahren zum verschreibungspflichtigen Betäubungsmittel wurde verging noch einige Zeit.
Die Haupterzeugerregionen sind das "Halbmonddreieck" und das "goldene Dreieck". Das goldene Dreieck befindet sich dort, wo Burma, Thailand und Laos aneinander grenzen. Von hier aus werden vor allem der asiatische Markt und die Westküste der USA beliefert. Als Halbmonddreieck bezeichnet man die Region von Nordindien über Afghanistan und Pakistan bis in die Nordtürkei. Diese Länder produzieren vor allem für den westeuropäischen Markt.
Oft wird vergessen, dass Heroin auch in den Erzeugerländern ein großes Problem darstellt. So schätzt man, dass in Pakistan von 150 Mio. Einwohnern 2 Mio. heroinabhängig sind. Das sind 3% der Bevölkerung und genauso viele Abhängige wie in der gesamten EU.
Wichtigster Erzeuger im Halbmonddreieck ist Afghanistan. Unmittelbar nach den Anschlägen des 11. September 2001 zu Beginn des Militäreinsatzes des Westens wurden der Mohnanbau und die Opiumproduktion zwar eingeschränkt, doch mittlerweile wird wieder im selben Ausmaß wie vorher Mohn gepflanzt. Die Opiumherstellung und in weiterer Folge die Heroinherstellung ist für die Afghanen als größter Wirtschaftszweig lebenswichtig. So finanzierten die Taliban ihre militärischen Aktionen fast ausschließlich direkt oder indirekt über den Drogenhandel.
Weltweit werden heute die meisten Bürgerkriege ganz oder teilweise aus dem Drogenhandel finanziert. Man schätz, dass mit Heroin jährlich 500 Milliarden Euro umgesetzt werden. Zum Vergleich: Der Umsatz des gesamten Drogenhandels wird auf 800 Milliarden Euro geschätzt.
Reines Heroin ist am Schwarzmarkt kaum erhältlich. Meist ist es mit wirkungslosen Streckmitteln, die eine ähnliche Konsistenz haben, gestreckt. Um die Wirkung von minderwertigen Heroin zu steigern werden oft sedierende Medikamente wie Valium oder Rohypnol oder Designeropiate wie Fentanylderivate beigemischt.
Heroin wird meist intravenös injiziert ("fixen"). Dazu wird es auf einem Löffel mit Zitronensäure oder Vitamin C und Wasser erhitzt. Man kann es auch auf einer Folie verdampfen und inhalieren ("Folie rauchen") oder wie Kokain schnupfen ("ziehen"). Selten wird es auch mit Tabak geraucht.
Nach der Einnahme gelangt Heroin schnell in den Blutkreislauf, bei intravenöser Injektion sofort. Im Körper wird es rasch zu 6-Monoazetylmorphin (6-MAM) und weiter zu Morphin deacetyliert. Trotzdem ist Heroin wirksamer und suchterzeugender als eingenommenes Morphin selbst, der Grund dafür ist allerdings noch nicht eindeutig geklärt. Wie alle Opiate wirkt Heroin durch ein Ankoppeln an die Opiatrezeptoren im Gehirn, die sich vor allem im limbischen System befinden. In den 70er Jahren entdeckte man die körpereigenen Agonisten dieser Opiatrezeptoren und nannte sie daher endogenen Morphine, kurz Endorphine.
Der Heroinrausch wird meist als glückseliger Zustand erlebt. Er ist von Euphorie, Ruhe und Ausgeglichenheit geprägt. Depressionen und persönliche Probleme treten in den Hintergrund. und Schmerzen werden nicht empfunden. Nach dem Spritzen empfindet man einigen Sekunden einige Momente lang einen "Flash" oder "Rush". Das ist der Moment in dem die Wirkung einsetzt.
Beim Rauchen oder Schnupfen kommt die Wirkung langsamer und sanfter und klingt meist auch sanfter aus. Oft kommt es zu Erbrechen, das allerdings als angenehm und befreiend empfunden wird.
Auch bei langjähriger Morphium- oder Heroin-Sucht ist sehr unwahrscheinlich bei gewissenhaftem Umgang mit der Droge an direkten Folgen des Konsums zu sterben. Besonders bei Ärzten und Apothekern, die relativ leichten Zugang zu reinen Opiaten haben, ist bis heute der Konsum von Morphium und ähnlichen Substanzen nicht selten. Abgesehen von der Sucht haben diese Leute kaum Probleme mit ihrem Drogenkonsum und sind auch nicht auffällig. Die Gefahren der Droge gehen vielmehr von schwankender Qualität des Straßenheroins, gefährlichen Streckmitteln, Entzugserscheinungen, Beschaffungskriminalität und Ansteckung mit Krankheiten durch gemeinsame Nadelverwendung aus.
Die größte Gefahr für das Leben der Konsumenten geht von den großen Qualitätsschwankungen des Heroins auf dem Schwarzmarkt aus. Zum einen können gefährliche Substanzen, die den Körper schädigen oder sogar zum Tod führen können, beigemischt sein, zum anderen kann ein unerwartet reines Heroin zu ungewollter Überdosierung führen.
Von den heute gebräuchlichen Drogen ist Heroin nach Crack die suchterzeugendste. Wenn man beginnt, Heroin intravenös zu injizieren ist eine Sucht meist schon vorprogrammiert. Die Heroinsucht ist sowohl eine körperliche als auch eine psychische. Da sich der Körper schnell an die Droge gewöhnt, wird die Wirkung bald schwächer und die erforderliche Dosis erhöht sich. Ein Süchtiger kann täglich mehrere Hundert Euro für Heroin benötigen. Das führt oft zur Beschaffungskriminalität bzw. zu illegaler Prostitution.
Bei Entzug treten unerträgliche Gelenksschmerzen, Zittern und Herz- und Kreislaufprobleme. Die Entzugserscheinungen sind ohne Heroinersatz wie Methadon kaum erträglich und können sogar zum Tod führen. Der Einsatz von anderen Opiaten als Eratz ist jedoch nicht unbedenklich, da er zu einer neuerlichen Sucht führen kann.
Bei einer Überdosierung besteht akute Lebensgefahr. Auf jeden Fall ist sofort ein Arzt zu rufen! Da Heroin direkt auf das Atemzentrum wirkt, kommt es oft zu oft einer lebensbedrohlichen Atemlähmung. Wenn der Betroffene ansprechbar ist, sollte man ihn immer wieder daran erinnern zu atmen. Bei Bewusstlosigkeit ist er in eine stabile Seitenlage zu bringen. Bei Atemstillstand ist muss künstlich beatmet werden. Sehr wichtig ist auch der Schutz vor Auskühlung. Der Notarzt verabreicht meist "Naloxon" intravenös. Im Notfall kann auch Adrenalin oder Amphetamin verabreicht werden.
Die Heimat des Schlafmohns, der nur als Kulturpflanze bekannt ist, ist Mittel- und Südeuropa. Es gibt Funde, die Mohnanbau in Süddeutschland, der Schweiz und Norditalien schon vor 6.000 Jahren belegen, wobei allerdings nicht sicher ist, ob zu dieser Zeit die berauschende Wirkung der Pflanze in Europa schon bekannt war. Sumerische Ideogramme aus derselben Zeit belegen jedenfalls den Anbau des Mohns als Rausch- und Heilpflanze für den orientalischen Raum.
Seit der Antike war das aus Schlafmohn gewonnene Opium (von gr. "opos" - Saft) in Europa und Asien eine der wichtigsten Arzneien sowie ein beliebtes Rauschmittel. Neros Arzt Andromochus verwendete zur Bereitung seiner Medizin "Theriak", die bis ins 18. Jahrhundert als Allheilmittel galt, neben Schlangengift auch Opium. Der persische und ägyptische Raum bildeten die Schnittstelle zwischen Orient und Okzident, wo Autoren medizinisches Wissen aus China, Indien und den europäischen Hochkulturen der Griechen und Römer sammelten, das das Fundament für die mittelalterliche Medizin bildete. Paracelsus, der die mittelalterliche Medizin reformierte, verwendete für sein berühmtes "Laudanum" vor allem Wein und Opium als wirksame Substanzen.
Sehr große Bedeutung erlangte Opium in China. Nachdem es dort 1729 verboten worden war, hatten die Engländer Probleme, das in ihrer Kolonie Indien erzeugte Opium abzusetzen. Als dann auch noch der Kaiser Lin Tse-Hsü indische Händler zwang, ihm 1.000 Tonnen Opium auszuhändigen und die Ware anschließend vernichten ließ, hatte England einen willkommenen Grund für eine Kriegserklärung an China. Mit lediglich 10.000 Soldaten wurde das chinesisch Heer im von 1839 bis 1842 andauernden Krieg geschlagen und China musste schließlich das Verbot wieder aufheben.
1804 gelang es das erste mal, das wichtigste Opiumalkaloid, das Morphin, zu isolieren, was eine gezielter medizinische Anwendung möglich machte und das Opium fast vollständig aus der europäischen Medizin verdrängte. Auf die Gefährlichkeit der Droge wurde man erst in Zuge des amerikanischen Sezessionskrieg (1861 - 1865) aufmerksam, dessen Lazarette viele Verwundete, die mit Morphium behandelt wurden, als Morphiumsüchtige verließen. Auf der Suche nach einem ähnliche wirkenden, doch weniger bedenklichen Mittel wurde schließlich Heroin entdeckt, das sich bald als noch suchtbildender herausstellte. Nachdem die Strukturformel aufgeklärt worden war, begann die gezielte Suche nach Morphinderivaten, die die positiven Eigenschaften des Morphins mit einer geringeren Suchtgefahr verbinden sollten. Bis heute wurde jedoch weder ein stärkeres Schmerzmittel gefunden (es gibt zwar mittlerweile Substanzen, die in geringeren Dosen wirken, der schmerzlindernde Effekt von Morphin konnte aber bis heute nicht übertroffen werden), noch ein morphinähnlich wirkendes Mittel, das man als unbedenklich bezeichnen könnte.
Heute wird Morphium noch teilweise in der Medizin, beispielsweise schwersten Tumorschmerzen, sowie bei der Euthanasie angewandt, wenn andere Schmerzmittel versagen, während Heroin hautsächlich für den Schwarzmark produziert wird. Opium wird bis heute im Orient und Asien gerne konsumiert sowie in der Volksmedizin eingesetzt, ist in Europa aber kaum erhältlich., da kaum Nachfrage herrscht und von Heroin viel größere Gewinnspannen zu erwarten sind.
Synthetische Opiate sind Substanzen, die rein synthetisch im Labor hergestellt werden und ähnliche Wirkung wie natürliche Opiate haben, da sie an die gleichen Rezeptoren im Gehirn andocken. Ein gemeinsames Chemisches Grundgerüst muss nicht immer zu erkennen sein.
Heroin wird zwar im Labor hergestellt, zählt aber nicht zu den synthetischen Opiaten, da das natürlich vorkommende Morphin als Ausgangsstoff zur Herstellung dient und ist somit ein halb-synthetisches Opiat.
Besonders bekannt ist das Methadon. Es wird oft als Ersatzmittel bei Heroinentzug verschrieben, doch seine Anwendung ist nicht unumstritten, da es auch selbst ein hohes Suchtpotential besitzt. Da es oral eingenommen werden sollte, versucht man so den Junkie vom Spritzen wegzubekommen. Die Wirkung beschenkt sich dabei auf die Bekämpfung der Entzugssymptome, was der betreffenden Person ein Zurückkehren in die Alltagswelt ermöglichen soll. Wird Methadon allerdings intravenös injiziert, weshalb es ähnlich Euphorisierend, was es immer wieder zu staatlich finanziertem Heroinersatz werden lässt. Ob diese Anwendung zu verurteilen ist sei dahingestellt, da auch Versuche mit staatlicher Abgabe von Heroin selbst durchaus positive Ergebnisse erzielten.
In den 60er Jahren wurde in Europa die Stoffklasse der Fentanyle (Anilinopiperidine, Fentanyl-Gruppe) als Analgetika eingeführt. Wegen ihrer hohen Gefährlichkeit wurde der medizinische Gebrauch aber bald wieder eingeschränkt. Trotzdem gelten sie bei gewissen Indikationen bis heute als unerlässliche Analgetika.
Heute gibt es Fentanylderivate, die mehrere tausendmal stärker wirken als Morphium. So soll 3-Methyl-Fentanyl etwa 3000mal stärker wirken als Morphin, andere Substanzen aus der Gruppe der Fentanyle weisen einen noch stärkere Wirkung auf. Die extreme Potenz erklärt sich durch eine besonders starke Affinität zu den entsprechenden Rezeptoren im Gehirn. Dadurch ist es kaum möglich, die Droge genau zu dosieren, was sehr leicht zu tödlichen Überdosierungen führt. Der Rausch wird oft als schlafähnlicher Zustand empfunden, da viele Empfindungen durch die starke Wirkung der Droge einfach ausgeschaltet sind. Am Schwarzmarkt wird es Heroinersatz oder auch als angebliches Heroin verkauft oder als Streckmittel für minderwertiges Heroin verwendet.
Die Gefahr eine Opium-Sucht zu entwickeln bei kontrollieren mäßigen Gebrauch vergleichsweise gering und ein allfälliger Entzug nicht allzu schwer. Anders verhält es sich mit Morphium und Heroin. Auch wenn die Substanzen nicht gespritzt werden setzt bald eine psychische und physische Sucht ein. Während die Droge anfangs noch wegen der als kaum steigerbaren Glückseligkeit, die sie hervorruft, genommen wird, so setz schon bald eine Gewöhnung ein. Der Rausch wird immer mehr als Normalzustand gesehen, der bei seinem Ausklingen unangenehme Entzugssymptome hinterlässt, die vor allem von Schmerzen und Depression geprägt sind. Ein neuerlicher Rausch wird somit als Erlösung von den Entzugssymptomen empfunden und der Süchtige kann sich nur mehr während seinem Rausch halbwegs wohl fühlen.
Bei einer ausgeprägten Heroinsucht wie sie sich bei intravenöser Injektion je nach anfänglicher Häufigkeit der Einnahme und Dosierung nach einigen Wochen bis Monaten bildet, breitet sich rund 12 Stunden nach der letzten Einnahme sehr großes Unbehagen aus und der Süchtige wird nervös. Ab etwa diesem Zeitpunkt bestimmt normalerweise nur noch die Suche nach Heroin sein Denken. Versucht er einen Entzug, folgt meist ein unruhiger Schlaf, der einige Stunden anhält. Nach etwa 20 Stunden setzten die Entzugssymptome in voller Stärke ein. Die Pupillen erweitern sich und die Haut wird blass und Kalt. Wegen der oft auftretenden Gänsehaut und der kalten Haut beim Heroinentzug hat sich in den USA dafür auch der Begriff "Cold Turkey", zu deutsch "kalter Truthahn", eingebürgert. Fast unerträglich wird der Entzug durch die auftretenden Gelenksschmerzen und Krämpfe. Aufgrund von Magen- und Darmkrämpfen wird meist regelmäßig Erbrochen und der Darm entlehrt, was den Körper zusätzlich schwächt. Die Entzugserscheinungen sind nicht nur unangenehm, sondern können im Extremfall auch zum Tod führen.
Ist einem der Punkt erreicht, wo ein Entzug derartige Erscheinungen hervorruft, stehen die Heilungschancen sehr schlecht. Trotzdem sollte ein Entzug unbedingt versucht werden, da sich mit jeder weiteren Dosis die Wahrscheinlichkeit verringert, je wieder ohne Heroin leben zu können.
Um schwer Heroinabhängigen zu helfen, gibt es verschiedene Methoden des Entzug. Ein Entzug in Eigenregie ist meist zwecklos, da spätestens wenn die Entzugssymptome in voller Stärke einsetzen, auch ein von natur aus willensstarker Mensch, kaum noch die Kraft aufbringen kann, weiter abstinent zu bleiben. Auch der Entzug mit Hilfe der Familie ist meist nicht sehr zielführend, da die Angehörigen oft das extreme Leiden ihres Familienmitgliedes nicht ertragen können. Zu der großen Belastung der Angehörigen kommt noch die Gefahr, dass sie im kritischen Moment schwach werden und dem Süchtigen auf irgendeinem Weg zu einer neuerlichen Heroindosis verhelfen. Gespritzt reicht nämlich schon eine kleine Menge, um innerhalb weniger Minuten sämtliche Entzugserscheinungen abklingen zu lassen.
Die besten Erfolgsaussichten bestehen, wenn man sich in die Hände von Ärzten gibt und am besten für längere Zeit in einer geschlossenen Anstalt bleibt. Doch auch hier kann man nur von relativ guten Heilungschancen sprechen. Rückfallquoten werden mit 50% bis weit über 90% angegeben.
Man kann grob 3 Entzugsmethoden unterscheiden:
1) Totalentzug: mit oben genannten Entzugserscheinungen und Gefahren
2) Langsame Reduktion der Dosis
3) Die Verabreichung von Ersatzdrogen (z.B. Methadon)
Der Totalanzug wird in staatlichen Entzugsanstalten wegen seiner großen Gefährlichkeit kaum noch angewandt. Auch die langsame Reduktion der Dosis ist sehr problematisch, da es in den meisten Staaten auf Grund der Gesetzeslage nicht möglich ist, den Süchtigen Heroin auf Rezept zu verabreichen. Somit ist der Heroin-Abhängige weiterhin auf den Schwarzmarkt angewiesen, was es zusätzlich erschwert, ihn von der Drogen-Szene fern zu halten. In den meisten europäischen Staaten können jedoch Ersatzdrogen, wie Methadon, verschrieben werden. Das synthetische Opioid Methadon kann die Entzugssymptome völlig unterdrücken, was dem Süchtigen die Möglichkeit gibt schnell ins normale Leben zurückzukehren und ihn vor allem aus der Drogenszene lösen soll. Durch die Verabreichung von Methadon, das oral eingenommen zwar die Entzugssymptome lindert, jedoch kaum euphorisierend wirkt, soll dem Abhängigen auch das Spritzen abgewöhnt werden. Da es aber in der Szenen bekannt ist, dass Methadon gespritzt ähnlich wie Heroin wirkt, gehen viele Süchtige nach anfänglichen Erfolgen dazu über, Methadon zu spritzen. Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass Methadon nicht wirklich "clean" macht, da es beim Absetzen dieselben Entzugssymptome hinterlässt wie Heroin. Klappt der Heroin-Entzug, muss die Methadon-Dosis nach einiger Zeit bei gleichzeitiger Gabe verschiedener Schmerzmittel und langsam verringert werden.
Ähnlich den anonymen Alkoholikern gibt es auch Selbsthilfegruppen für Heroinabhängige. Auch in öffentlichen Entzugsanstalten versucht man immer mehr einen Mittelweg zu gehen. Während sich die staatliche Hilfe früherer auf die Kontrolle des Entzugs, also auf Verhindern einer weiteren Einnahme der Droge, beschränkte, wird heute vor allem auf Psychotherapie gesetzt, die in erster Line in Form von Gruppengesprächen abläuft. Die Heroin-Abhängigen sollen zusammen einen Weg aus ihrer Sucht finden und ehemalige Junkies, die diesen Weg schon gefunden haben, nehmen eine Vorbildfunktion ein. Als Begleitmaßnahem werden neben verschiedenen Präparaten zur Linderung der Entzugssymptome auch Kreislaufmittel verabreicht. Der gestörte Stoffwechsel muss langsam durch Diäten wieder normalisiert werden.
Die Sucht selbst wird heute immer weniger als Krankheit gesehen, sonder vielmehr als Symptom. Somit ist der Süchtige noch nicht geheilt, wenn er einige Wochen kein Heroin gespritzt hat, sondern erst wenn die Umstände, die zu seiner Sucht geführt haben, erkannt wurden und mögliche Lösungswege gefunden sind.
Einen besonderen Stellenwert nimmt die Beschäftigungstherapie und das Finden neuer Interessen ein. Dem Süchtigen, für den oft jahrelang die Beschaffung von Heroin das einzige wichtige Thema war, muss ein Lebensinhalt gegeben werden. Meist war es ein konkretes Ziel, das den ehemals Abhängigen die Kraft gab, nach einem stationären Aufenthalt weiterhin clean zu bleiben und ein normalen Leben zu führen.
Prinzipiell ist ein Entzug nur möglich, wenn der Süchtige sich seine Sucht eingesteht und bereits ist, die unangenehme Entwöhnung zu versuchen. Weiters ist ein eiserner Wille notwendig. Nach der Entlassung aus einer Entzugsanstalt ist der Entzug noch lange nicht abgeschlossen. Oft ist es ein kurzfristiges Gemütstief, das den vermeintlich Geheilten dann doch wieder zur Nadel greifen lässt. In einem solchen schwachen Moment braucht er unbedingt Menschen, die ihn auffangen. Ohne Hilfe von Freunden und Angehörigen ist ein Ausstieg fast unmöglich.