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LSD (Lysergsäurediethylamid)

Weiter Bezeichnungen:

Strukturformel von LSD Lysergsäurediethylamid, Acid (engl. "Säure", auch im deutschsprachigen Raum gebräuchlich), Trip

Einnahme

LSD wird normalerweise oral eingenommen. Dazu ist es schon lange üblich, die flüssige Substanz auf Filz- oder Löschpapier zu tropfen. Ein Stück von der Größe 1x1cm kann problemlos die erforderte Dosis für einen starken LSD-Rausch von rund 100μg (0,1mg) aufnehmen. Da sich LSD an der Luft leicht zersetzt, wird das Löschpapier oft noch mit einem Stoff besprüht, der eine Art Schutzschicht um das LSD bildet. Verwunderlich ist, dass von dieser ohnehin außerordentlich geringen erforderlichen Dosis nur ein kleiner Teil die Blut-Hirn-Schranke überwindet, sodass bei direkter Injektion in das Rückenmark 1/10 der Dosis dieselbe Wirkungsintensität auslöst.

LSD auf bedrucktem Löschpapier © Ralf Rebmann Wenn kleine Löschpapiersteifen als Meskalin angeboten werden handelt es sich um einen Vermarktungstrick, da Meskalin etwa 2000mal höher Dosiert werden muss als LSD und diese Dosis und auch bei guter Saugfähigkeit nur auf ein deutlich größeres Stück Löschpapier aufgetragen werden kann. Allerdings sind mittlerweile einige weitere Halluzinogene synthetisiert worden, die ähnliche Potenz und Wirkung wie LSD haben wie z.B. ETH-LAD, das ein chemisch leicht verändertes LSD ist und etwa doppelt so stark wirkt oder DOB (ein β-Phenylalkylamin). Der Verkauf dieser Substanzen unter dem bekannteren Namen LSD erklärt auch, warum viele Konsumenten deutlich die Wirkung verschiedener "LSD-Sorten" unterscheiden. In den letzten Jahren war z.B. die Sorte "Dr. Hofmanns Millennium", eine Anspielung auf den Entdecker des LSD, in Wien besonders berühmt. Wegen der manchmal etwas unangenehmen Nachwirkung von LSD wird oft behauptet, es wäre üblich LSD mit Strychnin zu strecken. Tatsächlich wird aber fast nie Strychnin in untersuchten LSD-Trips gefunden. Als Nebenprodukt bei der Herstellung kann es auch nicht entstehen.

Wirkung

Die genaue neurochemische Wirkung von LSD und den ähnlichen Halluzinogenen Meskalin und Psilocybin ist noch nicht exakt aufgeklärt. Bei LSD und Psilocin besteht ein Zusammenhang mit dem Neurotransmitter Serotonin, Meskalin greift in den Noradrenalinhaushalt ein. Es werden dabei Bereiche des Gehirns beeinflusst, die für die Verarbeitung von Sinneseindrücken zuständig sind. Der Schriftsteller und Philosoph Aldous Huxley, der einige Selbstversuche mit Meskalin unternahm, führte zur Beschreibung der Wirkung von Halluzinogenen den Begriff "Reduktionsschleuse" ein. Damit ist ein Mechanismus gemeint, der nur die für das Überleben wichtige Sinneseindrücke in das Bewusstsein dringen lässt. Diese Mechanismen werden durch LSD und andere halluzinogen wirkende Substanzen gelockert oder ganz ausgeschaltet, sodass eine Flut von neuen Eindrücken in das Bewusstsein es Konsumenten tritt.

20 -60 Minuten nach der oralen Einnahme von LSD setzt die Wirkung ein, die etwa 8 - 12 Stunden anhält. Das Maximum ist nach rund 3 Stunden erreicht, anschließend wird sie wieder langsam schwächer. Neben der oralen Einnahem ist es natürlich auch möglich, LSD intravenös zu injizieren. Bei dieser kaum angewandten Einnahmeform tritt die Wirkung schon nach einigen Minuten ein.

Anfangs ist meist ein leichtes Kribbeln in der Bauchgegend spürbar, das von einem unsicheren Gefühl begleitet sein kann. Bald kommt es zu einer veränderten Wahrnehmung. Wegen der pupillenerweiternden Wirkung wird grelles Licht als sehr unangenehm empfunden. In fast allen Erfahrungsberichten wird ein kaleidoskopartiges Farbenspiel beschrieben, das der Konsument vor alle bei geschlossenen Augen sieht. Albert Hofmann schrieb in seinem Bericht über sein erstes bewusstes LSD-Experiment von einer Ich-Auflösung. Das Ego und der persönliche Wille scheinen unter Einfluss von LSD weitgehend zu verschwinden. Typisch für Halluzinogene ist auch das Auftreten von Synästhesien, also von Verknüpfung von Sinneseindrücken. So können Töne in Form von verschiednen Mustern und Farbenspielen oder Farben als Geschmack oder Geruch wahrgenommen werden.

Das veränderte Realitätserleben

Bei einem starken LSD-Rausch kommt es meist auch zu Eindrücken, die man als Halluzinationen bezeichnet. Dabei nehmen Dinge andere Gestalt an, Gegenstände werden belebt oder Menschen verwandeln sich in Tiere oder bekommen bösartige Fratzen, um nur einige mögliche "Halluzinationen" zu nenne. Hier von Halluzinationen zu sprechen ist allerdings nicht ganz korrekt, da sich der betroffene im Normalfall der Unwirklichkeit der Erlebnisse bewusst ist. Korrekterweise müsste man daher von "Pseudo-Halluzinationen" sprechen. Da diese Nomenklatur aber weit verbreitet und allgemein verständlich ist, werden auch auf dieser Seite drogeninduzierte veränderte Wahrnehmungsformen als Halluzinationen bezeichnet.

Bei der LSD-Diskussion wird oft der Fehler begangen, den Ursprung der Halluzinationen in der Substanz LSD zu suchen. Dieser Trugschluss zeugt wieder einmal von der inkonsequenten Denkweise und groben Pauschalisierung, auf deren Basis die Drogenthematik auch heute noch - nicht nur von den Urhebern diverser Präventivmaßnahmen - behandelt wird. In der Droge LSD ist nämlich bloß der Auslöser der erlebten (Pseudo-) Halluzinationen zu suchen. Der Ursprung liegt immer in der Psyche des Konsumenten selbst. Im LSD-Rausch kann sich durch die Lockerung der erwähnten Filter Bewusstes wie auch Unbewusstes in Form modifizierter Sinneseindrücke manifestieren. Somit relativiert sich auch der Begriff Halluzination bzw. Sinnestäuschung, da gerade im LSD-Rausch jeder gewonnne Eindruck eine realen Hintergrund besitzt.

Bei der LSD-Diskussion auf philosophischer Ebene stellt sich immer als erstes die fundamentale Frage nach der Realität selbst und in wieweit die von uns subjektiv erlebte Realität auch objektiv real ist. Viele Psychologen und Philosophen haben sich in Zusammenhang mit den Erlebnissen unter Einfluss von LSD, Meskalin oder Psilocybin diese Fragen gestellt. Oft waren es erst die "Trugbilder" im Rausch, die zu einen tieferen Einblick in die wahre Beschaffenheit der Welt bzw. zur Einsicht, dass die menschliche Wahrnehmung begrenzt ist, geführt haben.

Allen Interessierten sei hier besonders das ausführliche Essay "Die Pforten der Wahrnehmung" von Aldous Huxley empfohlen, das auch Erfahrungsberichte enthält. Auch der Chemiker Albert Hofmann, der Entdecker des LSD, hat dieses Thema in "LSD - Mein Sorgenkind" mit sehr viel Tiefgang behandelt.

Sucht

Eine körperliche Abhängigkeit ist bei LSD ausgeschlossen. Ob sich eine milde psychische Abhängigkeit einstellen kann, ist sehr umstritten. Dass Halluzinogene wie LSD nicht in den Gemütszustand eingreifen, sondern ihn in gewisser Hinsicht nur in Halluzinationen umsetzen, spricht eher gegen das Herbeiführen einer psychischen Sucht. Eine psychische Sucht im eigentlichen Sinn ist nämlich - vereinfacht gesagt - das starke Verlangen durch das Ausführen einer bekannten Handlung - zum Beispiel Konsum bestimmter Substanzen - seine momentane psychische Lage zu verbessern - und das kann durch LSD selbst nicht geschehen.

Ein gewisses Suchtpotential ist vielleicht gegeben, wenn der Konsument durch die Einnahme der Droge versucht, seiner Umwelt zu entfliehen. Diese scheinbare Flucht kann allerdings nicht wirklich geschehen, da gerade im traumartigen LSD-Rausch alle Verdrängungsmechanismen ausgeschaltet sind.

Mischkonsum und Überdosierung

Von Mischkonsum von LSD mit andern Drogen ist dringendst abzuraten. Besonders mit MAO-Hemmern kann es zu einem gefährlichen Anstieg des Bluthochdrucks kommen. Neben den gesundheitlichen Risiken birgt das Austreten von unangenehmen Wechselwirkungen auch die Gefahr, das der Rausch in einen Horrortrip ausartet.

Eine Überdosis mit tödlichem Ausgang aufgrund einer physisch-toxischen Wirkung ist bei LSD bis heute nicht bekannt. Aus Experimenten mit Mäusen wurde eine LD-50 von etwa 15mg, also 15.000μg beim Menschen errechnet, eine Dosis, die mehrere Hundert LSD-Trips auslösen kann. Es gibt allerdings einen Bericht von einem Drogendealer, der sogar 40.000mg LSD wegen einer Polizeikontrolle geschluckt haben soll, und selbst diese Dosis überlebte. Sein Rausch hielt drei Tage an und hinterließ keine bleibenden Schäden.

Psychische Gefahren

Die größte Gefahr bei Halluzinogene geht von der tiefgreifende psychischen Wirkung aus. Im Laufe der Evolution sind mit der Entwicklung immer komplexerer Nervensysteme bis hin zur vielschichtigen menschlichen Psyche wichtige psychische Mechanismen entstanden, die es uns erst möglich machen in unserer Umwelt zu überleben und zweckorientiert zu denken. Dazu gehören gewisse Filter, die für das Überleben unwichtige Sinneseindrücke weitgehend ausfiltern, sodass diese nicht in unser Bewusstsein dringen können und Verdrängungsmechanismen, die zwar die Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen verhindern, es aber erleichtern diese zu verkraften.

All diese Bewusstseinsschranken werden durch starke Halluzinogene weitgehend unterdrückt. Die Gefahr, die davon ausgeht, liegt auf der Hand. Liegen Ängste, starke Komplexe oder eine depressive Grundstimmung vor, kann es zu Erlebnissen kommen, die man selbst nicht mehr verarbeiten kann. Im Extremfall kann der Betroffene nicht mehr ins Alltagsleben zurückfinden und "bleibt hängen".

Hinterlässt ein LSD-Trip bleibende Veränderungen, so spricht man normalerweise von Realitätsverlust. Mit diesem Begriff werden mitunter auch von Ignoranten auch Menschen, die wie Aldous Huxley, durch die Drogen einen tieferen Einblick in das Wesen der Realität gewonnen haben, bezeichnet. Tatsache ist jedoch, das wir gewisse Dinge akzeptieren müssen, um ein normales Leben führen zu können. Somit setzt der Realitätsverlust dort ein, wo ein normales Leben in und mit der Umwelt nicht mehr möglich ist - Ein Schicksal, das schon viele LSD-Konsumenten ereilt hat. Daher ist trotz dem geringen Suchtpotential auch Menschen mit gefestigter Persönlichkeit sehr davon abzuraten, LSD und ähnlich Halluzinogene öfter als einmal pro Woche einzunehmen, da es bei zu häufigem Konsum zu ebendiesem Realitätsverlust kommen kann.

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Literatur zu diesem Thema

Hofmann, Albert - "LSD - Mein Sorgenkind"
Trachsel, Daniel und Richard, Nicolas - "Psychedelische Chemie"

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