Jahrhunderte lang war der auf dem Rogen schmarotzende Schlauchpilz Claviceps purpurea (Mutterkorn) Grund für zahlreiche Epidemien, die ganze Dörfer heimsuchten und meist zahlreiche Todesopfer forderten. Der Grund für den langsamen Tod durch den Ergotismus, so die fachliche Bezeichnung der Mutterkorn-Vergiftung, war die gefäßverengende Wirkung der Mutterkorn-Alkaloide, die im menschlichen Organismus zu massiven Durchblutungsstörungen führen.
Diese Wirkung war es allerdings auch, die das Mutterkorn über eine lange Zeit hinweg zu einer wichtigen Arznei in der Geburtenhilfe zur Einleitung der Wehen und der Blutstillung machte. Ausgehend von dieser Wirkungsweise wurde unter der Leitung von Albert Hofmann im Schweizer Chemiekonzern "Sandoz" nach neuen medizinisch interessanten Stoffen auf der Basis de Mutterkorn-Alkaloide gesucht..
Der Sammelbegriff Mutterkorn-Alkaloide umfasst eine große Anzahl von Verbindungen, die in verschieden Schlauchpilzen der Gattung Claviceps und Windengewächsen vorkommen und die chemische Struktur des Ergolin als Grundskelett haben. Diese Verbindungen lassen sich in 2 Gruppen teilen: eine hochtoxische, deren Vertreter auch für den Ergotismus verantwortlich sind und eine psychoaktive, der auch das mittelgradig halluzinogen wirkende Lysergsäureamid (LSA) angehört.


Eines der Ergebnisse der Mutterkorn-Forschung war die Entdeckung eines chemisch geringfügig veränderten LSA, dem Lysergsäurediethylamid (LSD). Oft wird es auch LSD-25 genannt, was bedeutet, dass es als 25. Derivat aus der Lysergsäure synthetisiert wurde. Das 1938 entdeckte LSD zeigte aber bei den Tierversuchen keine pharmakologisch interessanten Eigenschaften und wurde daher nicht weiter untersucht.
Erst 5 Jahre später arbeitete Albert Hofmann, der Entecker der Substanz, wieder mit LSD. In dieser Zeit wurde er am 16. April 1943 während der Arbeit von einem seltsamen Schwindel ergriffen. Als er später zu Hause war, bemerkte er, dass ihn das Tageslicht störte. Bei geschlossenen Augen sah er kaleidoskopartige Bilder und besonders intensive Farben. Da LSD die einzige Substanz war, mit der er an diesem Tag nähe in Kontakt gekommen sein konnte, nahm er an sie der Grund für das Rauscherlebnis gewesen war.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, entschloss er sich einen Selbstversuch zu wagen. Dabei wählte er eine - wie er meinte - extrem geringe Dosis, nämlich 250μg (0,25mg), da er mit einer äußerst hohen Potenz des Stoffes rechnete, der wahrscheinlich allein durch Hautkontakt in die Blutbahn gelangt war. Die Folge war ein heftiger von Halluzinationen geprägter Rausch mit Todesängsten. Später stellte sich heraus, dass er ein vielfaches der wirksamen Dosis genommen hatte. Damit war LSD das potenteste damals bekannte Halluzinogen. Heute gibt es einige weiter hochpotente Halluzinogene wie das ETH-LAD (Ethyl-Lyserg-Acid-Diethylamid), das sich nur dadurch vom LSD unterscheidet, dass es an stelle einer Methyl- eine Ethylgruppe besitzt und etwa doppelt so stark wie LSD wirkt.
In den ersten Jahren nach der Entdeckung von LSD stand der psychotomimetische ("Geisteskrankheiten nachahmend") Aspekt der seiner Wirkung im Mittelpunkt. Es wurde von Sandoz ab 1949 unter dem Namen "Delysid" in Form von kleinen blauen Tabletten verkauft und sollte vor allem Psychotherapeuten in die Lage versetzen, sich durch den erlebten LSD-Rausch besser in die Lage von Schizophrenen und Menschen ähnlichen psychischen Problemen versetzten zu können. Ein weiterer therapeutischer Ansatz war, dass LSD durch die Ausschaltung von gewissen Schranken Unbewusstes zu Tage bringt und Verdrängtes im Rausches wieder ins Bewusstsein tritt.
Voraussetzung sind allerdings eine gewisse psychische Stabilität und ein großes Vertrauen zum Therapeuten, da ansonst die Lage des Patienten weiter verschlimmert werden kann. Trotz dieser Einschränkungen galt die neue Substanz eine Zeit lang in Fachkreisen als wahres Wundermittel. Dass eine Selbstmedikation ohne entsprechende Begleittherapie sehr riskant ist und Probleme weiter vertiefen kann, wurde allerdings schon damals erkannt. In der Öffentlichkeit war die Droge damals kein Thema, da der die außertherapeutische Einnahme erst ein über ein Jahrzehnt später modern wurde.
Ähnlich wie mit MDMA fühlte der CIA und die US-Army in den 50er Jahren auch Menschenversuche mit LSD durch. Dabei wurde das Halluzinogen meist uninformierten Personen verabreicht, was besonders schwerwiegende Psychosen auslösen kann, da sich der Betroffene nicht bewusst ist, dass sich beim Erlebten nur um die Wirkung einer Droge handelt. Vor allem der Einsatz von LSD als "Wahrheitsdroge", also als ein Mittel, das bewusstes Lügen verhindern soll, wurde erforscht. Die erwartete Wirkung blieb jedoch meistens aus.
Lange Zeit handelte es sich bei den Berichten über derartige Tests nur um Gerüchte. Erst in den 70er Jahren wurden die beteiligten Einrichtungen durch ein neues Gesetz gezwungen, die Protokolle über die LSD-Versuche offen zu legen.
Rund 15 Jahre lang war LSD eine ausschließlich in der Fachwelt bekannte Substanz. Neben der Anwendung in der Psychotherapie beschränkte sich seine Einnahme auf wenige Selbstversuche in Insiderkreisen. So wurde Anfang der 60er Jahre auch der Psychologie-Dozent Timothy Leary von der Harvarduniversität auf die Droge aufmerksam. Er sah darin weniger ein psychotomimetisches Mittel, sondern stelle den psychedelischen, also bewusstseinserweiternden, Aspekt der Droge in den Vordergrund. Er war es auch der den Begriff "psychedelic", was soviel wie "das Seele offenlegend" bedeutet, prägte. (Eingeführt wurde dieser Begriff allerding von Humphry Osmond und nicht von Leary selbst.)
Vor allem durch Timothy Leary, wurde die neue Wunderdroge nun sehr schnell einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Er begründete eine neue mystische Bewegung, in deren Mittelpunkt das von ihm propagierte LSD stand. Eine neue Subkultur war durch ihn entstanden, die bald die ganze westliche Welt erfasste und ihren Höhepunkt in der Hippiebewegung fand. Seine Philosophie traf den genau den damaligen Zeitgeist und wurde prägend für ganzes Jahrzehnt. Leary selbst wurde zum Guru einer ganzen Generation.
Zusammen mit dieser immer größeren Präsenz von LSD in der Öffentlichkeit entfachte sich auch eine immer hitziger werdende Diskussion über die Droge. Immer öfter verbreiteten sich Meldungen über die große Gefährlichkeit des Halluzinogens. Dabei wurde zweifelsfrei oft übertrieben. Trotzdem ist nicht zu bestreiten, dass in der Hippiezeit sicher viel zu unvorsichtig mit Drogen umgegangen wurde. Es sind wohl auch keine Märchen, dass gerne anderen unwissentlich Drogen in das Getränk gegeben wurde. Exprimtieren mit verschiedensten psychoaktiven Stoffen war einfach modern und mögliche Gefahren wurden meist übersehen.
Da man der extremen Potenz von LSD nicht mit dem gebührenden Respekt begegnete und die Droge oft in unpassender Umgebung und Stimmung nahm, traten immer wieder ernsthafte psychische Komplikationen auf und für nicht wenige endete der LSD-Trip in der Psychiatrie. Im Gegensatz zu vielen seiner Anhänger war sich Leary selbst über die Gefahren der von ihm propagierten Droge bewusst. Er betonte zwar meist die positiven Aspekte und sah in LSD ein Heilmittel vorwiegend gesellschaftsbedingter falscher Sichtweisen, das dem Konsumenten die wahre Beschaffenheit der Welt und der Seele zeigt ("psychedelic") - so seine Philosophie, aber er warnte auch vor einem unsachgemäßen Gebrauch sowie vor einer Einnahme bei psychisch labilen Personen:
zitiert nach "Psychedelische Chemie"
Immer mehr wurde die neue Wunderdroge LSD für seinen Entdecker Albert Hofmann zum Sorgenkind. Aufgrund der immer größer werdenden Probleme mit der Droge - vor allem durch sorglosen Umgang - wurde die Produktion von Delysid 1966 eingestellt und die Substanz LSD bald darauf weltweit als nicht verkehrsfähiges Suchtmittel eingestuft.
Für die Hippiebewegung wurde dir Droge dadurch nur noch interessanter und so stieg der Konsum bis 1970 immer weiter an. Mit dem Ende der Hippiebewegung nahm auch der LSD-Konsum rapide ab. So schnell wie es sich verbreitet hat, war es wieder verschwunden und während der 70er und 80er Jahre wurde es kaum konsumiert. Seit den Anfang der 90er Jahre ist der Konsum im Zuge der Technokultur jedoch wider stark gestiegen. Heute wird LSD wieder von vielen Musikern - von Marilyn Manson bis Eminem - propagiert. Daneben hat sich im letzten Jahrzehnt auch der Konsum von psilocin-haltigen Pilzen etabliert, der in den 60ern kaum verbreitet war.





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