Wahrsagesalbei, Aztekensalbei, Mazatekensalbei, Zaubersalbei
Salvia divinorum aus der Familie der Labiatae (Lippenblütler) stammt ursprünglich aus dem Mazatekengebiet im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Die Vermehrung mit Samen ist sehr schwierig. Dafür lässt sich die Pflanze ohne Probleme mit Stecklingen vermehren. Angeblich sollen sogar abgefallene Pflanzenteile schnell Wurzeln schlagen und zu neuen Pflänzchen heranreifen.
Die immergrüne staudenförmige Pflanze muss an schattigen Plätzen stehen und täglich reichlich gegossen werden, um optimal zu gedeihen. Sie wird bis über 1m groß und besitzt einen eckigen, viereckigen Stängel. Die hellgrünen Blätter sind leicht behaart und werden rund 10cm breit und 20cm lang. In Mexiko liegt die Blütezeit zwischen Oktober und März. Bei der Kultivierung kommt sie meist nicht zur Blüte. Früchte werden generell sehr selten gebildet.
Hauptwirkstoff von Salvia divinorum ist Salvinorin A, das bei einer Dosis von 150 bis 500μg starke Halluzinationen hervorruft. Weitere Inhaltsstoffe sind Salvinorin B, Lilioid und einige weitere bisher nicht näher bestimmte Substanzen. Salvinorin A und B enthalten keinen Stickstoff und sind somit keine Alkaloide. Salvinorin, die Cannabinoide (zB. THC) und die Inhaltstoffe mancher ätherischer Öle sind übrigens die einzigen psychoaktiven Pflanzenstoffe, die nicht zu den Alkaloiden zu zählen sind.
Als halluzinogene Droge dienen die fischen oder getrockneten Blätter. Die Mazateken drehen aus 26 Blättern ein zigarrenähnliches Gebilde (Priem), das sie im Mund zerkauen und auslutschen, aber nicht schlucken, da die Wirkstoffe nur durch die Mundschleimhaut resorbiert werden können. Als Mindestdosis werden bei dieser Einnahmeform 6 Blätter angegeben. Die Wirkung tritt nach etwa 10 Minuten ein und hält rund 45 Minuten an.
Getrocknete Blätter werden am besten pur geraucht. Für eine ausgeprägte halluzinogene Wirkung wird dazu eine Mindestdosisdosis von einem halben Blatt angegeben, was etwa 2 bis 3 tiefen Zügen entspricht. Die Wirkung tritt sehr schnell nach dem Rauchen ein.
Die relativ kurzzeitige Wirkung von Aztekensalbei ist als halluzinogen einzustufen, lässt sich aber nur schwer mit der Wirkung anderer Halluzinogene wie LSD vergleichen. Folgende Merkmale weist ein typischer Salvia divinorum Rausch nach Daniel Siebert auf:
- Sich in ein Objekt zu verwandeln [...]
- Visionen verschiedener, zweidimensionaler Oberflächen, Filme und Membranen
- Orte aus der Vergangenheit wieder aufzusuchen, speziell aus der Kinkheit
- Verlust des Körpergefühls oder der Identität
- Verschiedene Gefühle der Bewegung, oder von Mächten irgendwelcher Art gezogen oder verdreht zu werden
- Unkontrolliertes, hysterisches Lachen
- Sich überlappende Realitäten. Die Wahrnehmung, dass man zur gleichen Ort an mehreren Orten ist
(zitiert nach Christian Rätsch - "Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen")
Vermutlich wurde Salvia divinorum schon von den Azteken als Entheogen benutzt. Die Einnahme bei nächtlichen Heilritualen ist bis heute bei den Mazateken sehr verbreitet, wobei allerdings die länger wirkenden psilocin-haltigen Pilze normalerweise vorgezogen werden.
Der westlichen Welt ist die halluzinogene Pflanze erst seit ihrer Entdeckung sowie der Entdeckung ihres rituellen Gebrauchs Anfang der 60er Jahre bekannt. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten wurden die wichtigsten Inhaltsstoffe entdeckt sowie die Pharmakologie der Pflanze aufgeklärt. Weitere Entdeckungen, insbesondere weitere Inhaltsstoffe, sind noch zu erwarten.
Die Pflanze Salvia divinorum sowie ihr Wirkstoff Salvinorin A unterliegen bisher keinerlei gesetzlichen Bestimmungen. Samen und getrocknete Pflanzenteile können über den ethnobotanischen Fachhandel bezogen werden. Stecklinge werden nur selten angeboten.
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